Es knallt wieder unter der Haube

Alle Kia-Fahrer, die lieber Benzin tanken als Strom laden, atmen auf: Es gibt beim koreanischen Hersteller einen Neuzugang mit Ottomotoren. Genau genommen ist es gar kein ganz Neuer – nur in Europa ist der Seltos bislang nicht in Erscheinung getreten. Die zweite Generation schafft es aber in Bälde.  


Von Klaus Hagenlocher

Kia macht es spannend, denn allzu viele technische Daten sind aktuell nicht bekannt. Auch ein genaues Markteinführungsdatum oder gar eine Preisliste existiert noch nicht. Dafür steht der Name felsenfest, denn es handelt sich um den weiterentwickelten Seltos der ersten Generation. Bei der Standpräsentation im stark abgedunkelten und vergleichsweise kleinen Veranstaltungsraum wird noch etwas klar: Man kann vortrefflich darüber sinnieren, ob es sich nun um ein klassisches Kompakt-SUV handelt, oder ob vielleicht die Bezeichnung Crossover hier besser passt. Zumindest kommt man bei den Außenabmessungen und der dazu in Beziehung gebrachten Kofferraumgröße ins Grübeln. Denn der 4,43 Meter lange, 1,83 Meter breite und 1,60 Meter hohe Seltos bietet mit 536 Liter einen ausgesprochen viel fassenden Kofferraum. Da kommen Erinnerungen auf an Fahrzeuge wie den Kombi Dacia Logan MCV oder den einstigen Peugeot 5008 der ersten Generation, den man damals als Kompaktvan bezeichnete.

Damit ist aber auch schon Schluss mit Blicken in die Vergangenheit. Denn der Seltos, versehen wir ihn mal eigenmächtig und kurzfristig mit der römischen Zahlenkombination II als Zuordnung zur Nachfolge eines Fahrzeugs, das wir hierzulande nicht kaufen konnten – dieser Seltos II hat äußerlich einige Merkmale, die im Hier und Jetzt stattfinden. In erster Linie ist es ein deutlicher Kia: wuchtig und präsent gezeichnet. Womöglich mittlerweile fast zu bullig, denn man sieht ihm im Stand an, dass er schrankwandähnlich unterwegs sein dürfte. Oder liegt dies vornehmlich am geheimnisvollen kleinen Raum der Präsentation? Sei’s drum, der kettengliedrige Kühlergrill geht beinahe nahtlos in die ebenso dargestellten Scheinwerfer über, die ausdrucksstarken, klammerartigen Tagfahrlichter sind ebenso Kia-typisch wie die am Heck geformte Leuchtgrafik. Ganz schön weit ragt der hinten das Dach verlängernde Kantenspoiler heraus. Auch die hochgezogene Gürtellinie am seitlichen dritten Fenster kann man gut dem koreanischen Hersteller zuordnen. Alles in allem macht der Seltos II einen ebenso bekannten wie auffälligen äußeren Eindruck.

Bei einer ersten Sitzprobe setzt sich das Wiedererkennen einzelner Elemente fort: Die Armaturentafel mit breitem Bildschirm, der in die drei Teile Bordinfos, Klimaeinheit und Kacheln mit zentraler Funktionsführung eingeteilt ist, kommt immer noch logisch gegliedert rüber. Schalterleisten unter dem Touchscreen sowie einzelne Bedienflächen am Lenkrad erlauben gewohnt zusätzlichen Zugang zu verschiedenen Anweisungen. Die Geister scheiden sich in der mobilen Szene am Platz für die Getriebebefehle: Manche mögen’s an der Mittelkonsole, andere bevorzugen einen Hebel am Lenkrad. Uns gefällt der Ort dieses Geschehens am Steuer, wo wir auch meist unsere Hände wähnen. Somit erreicht Kia beim Seltos II bei uns 100 Punkte für ebendiese Zuordnung – zumal  damit auch für eine höchstmöglich freie Anordnung von Ablagen und Flächen entlang der Konsole zwischen Fahrer und Beifahrer gesorgt wird. 

Vorne ist fraglos genügend Platz, aber wie sieht es in der zweiten Reihe aus? Selbst wenn es sich während der Präsentation im Stand nur um einen kurzen Sitzeindruck handeln kann, sind wir mit der Luftigkeit für Kopf und Beine dort hinten zufrieden. Fein ist überdies, dass man die Rückenlehnen in der Neigung verstellen kann. Gerade die Passagiere im Fond dürften im praktischen Fahrbetrieb vom Lichteinfall des Panoramaglasdachs profitieren. Vom 536 Liter Kofferraum sprachen wir bereits, der ist schon bemerkenswert; übrigens lässt sich der Ladeboden in der Höhe zweifach verstellen. Beim VW T-Roc, der allseits als Platzhirsch-Wettbewerber gilt, stehen 475 Liter unter der Abdeckung zum Beladen bereit.

Eins ist dem Vernehmen nach sicher: Der Seltos II wird hierzulande grundsätzlich mit Verbrennungsmotoren angeboten, wobei es sowohl frontgetriebene Ausführungen als auch Allradversionen mit jeweils unterschiedlichen Getrieben geben wird. Dabei steht zur Markteinführung ein 1,6-Liter-Turbomotor mit 180 PS/132 kW zur Verfügung. Er ist mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe oder einer Siebenstufen-Doppelkupplung ausgestattet – Letzteres auf Wunsch auch in Allradversion.

Als weiterer Motor steht etwas später ein Vollhybrid auf dem Plan: Hier wird ein 1,6-Liter-Benziner samt Elektromotor zusammengeschnallt, woraus eine Systemleistung von 154 PS/113 kW zur Verfügung steht. Dies lässt sich obendrein mit einer elektrisch angetriebenen Hinterachse kombinieren: Fertig ist eine 178 PS/130 kW starke Allradausführung. In jedem Fall sorgt ein Sechsstufen-Doppelkupplungsgetriebe für die Kraftübertragung. Zudem sind diese Vollhybrid-Modelle in der Lage, externe Verbraucher mit bis zu 3,6 kW Strom zu versorgen – dieses Aufladen wird gemeinhin mit dem Fachkürzel V2L (Vehicle to Load) bezeichnet.

Sobald umfassende technische Daten und die Preisfindung vorliegen, verabschieden wir uns von der Seltos-Zusatzbezeichnung II und beugen uns der alleinigen Seltos-Benennung. Mutmaßlich wird der in Indien gebaute Wagen noch im Laufe des Jahres auf den deutschen Markt kommen. 


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