Stilvoll reisen wie vor 100 Jahren

Es ist auch im Sommer diesen Jahres kaum ein Wochenende vergangen, an dem nicht eine Meute älterer Fahrzeuge die kurvenreichen Straßen im Schwarzwald bevölkert – als Ausfahrt von Freunden klassischer Automobile oder als organisierte Oldtimer-Rallye. Seltener zu sehen, aber mindestens ebenso viel Aufmerksamkeit am Straßenrand erregen zwei alte Busse.

Von Bernd-Wilfried Kießler

Porträt von Bernd-Wilfried Kießler

Mit seinen achtzig Pferdestärken schnurrt er aus dem Murgtal die Straße zum Ruhestein hinauf und weiter über die 1000-Meter-Marke zum Schliffkopf – ein Bus, dessen Äußeres in die Goldenen Zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts verweist. Hermann Bareiss, Seniorchef des gleichnamigen Hotels im Baiersbronner Ortsteil Mitteltal, hat ihn vor über dreißig Jahren erworben, um seine Gäste mit Stil und Tradition über die Schwarzwaldhöhen zu befördern. Außen steht angeschrieben: „Kurhotel Mitteltal“ – unter diesem Namen wurde das heutige Hotel Bareiss im Jahre 1951 gegründet.

Das 5,70 Meter lange Gefährt bietet acht Personen Platz – es geht nicht nur rund um Baiersbronn, sondern auch auf Tagestouren nach Straßburg und Baden-Baden. Vier der Fahrgäste steigen rechts vorn ein, vier weitere durch eine Hecktür, wobei der umsichtige Fahrer jeweils eine bequeme Trittstufe auslegt. Es rumpelt auch während der Fahrt nicht – die Blattfederung ist ausgesprochen angenehm abgestimmt.

Die Technik ist indes nicht so alt, wie sie aussieht: Die englische Firma Asquith Motor Carriage Company Ltd. baute zwischen 1971 und 1997 einige tausend Fahrzeuge dieser Art auf der technischen Grundlage des Ford Transit und exportierte sie in alle Welt – als Linkslenker auch nach Deutschland. Der Bareiss-Bus ist nun auch schon wieder über dreißig Jahre alt und könnte ein H-Kennzeichen führen.

Gepflegt wird das gute alte Stück in der Werkstatt Heinzelmann in Loßburg bei Freudenstadt. Dort wurde vor vier Jahren ein Tauschmotor eingebaut, der erwartungsgemäß nicht einfach zu beschaffen war. Aber sonst erweist sich der Asquith-Bus als robust. Inhaber Thomas Heinzelmann: „Wir haben wenig Probleme, mit der Inneneinrichtung so gut wie gar nicht. Mit der Verarbeitung von Holz und Leder kennen sich die Engländer aus.“   

Und wenn der Oldie doch einmal einen Tag länger als geplant in der Werkstatt verbringen muss? Dazu Kai Schmalzried, zuständig für die Gästebetreuung: „Dann setzen wir eine unserer V-Klassen von Mercedes ein. Das ist dann ein bisschen so, als ob man eine Fahrt mit einem Dampfzug geplant hat und die Waggons von einer Diesellok gezogen werden. Die schöne Strecke ist aber der gleiche.“

Ähnlich viel Aufsehen auf der Straße wie das rollende Schmuckstück aus Baiersbronn erregt ein früher Vorläufer der V-Klasse: ein Mercedes-Kleinbus vom Typ 0 319 aus dem Jahre 1963, denn er hat es zu Fernsehruhm gebracht. Darin sind sechs Landfrauen in der SWR-Sendung „Lecker aufs Land“ unterwegs. Der Willi, wie ihn sein Besitzer Dominic Müller kumpelhaft nennt, ist ebenfalls ein Neunsitzer und wirkt mit seinen Dachfenstern und dem großen textilen Schiebedach wie das Gegenstück zum Samba-Bulli. Mit Drehsitzen und einem einsetzbaren Tisch in Längsrichtung taugt er auch als rollender Tagungsort. Der Frontlenker ist mit 4,72 Meter Außenlänge kompakter als sein britischer Kollege aus dem Murgtal, fährt mit 80 Pferdestärken gleichstark durch die Lande und hat vor ein paar Jahren ebenfalls einen Tauschmotor erhalten.

Dominic Müller pflegt nicht nur seinen Mercedes-Kleinbus, sondern seit 2008 auch die Tradition des Hotels Ritter Durbach, die bis ins Jahr 1656 zurückreicht. Damals wurde urkundlich bestätigt dem Gasthaus zum Ritter im badischen Weinort das „Ewige Schildrecht“ verliehen, also mit Hilfe eines außen angebrachten Schildes auf den Gastbetrieb hinzuweisen – namentlich auf den Ausschank alkoholischer Getränke. In Durbach mit seinen aktuell 14 Winzern und 220 Schnapsbrennern kann dabei auf einheimische Ursprünge zurückgegriffen werden.

Den Willi steuert der Hausherr gern persönlich, nimmt damit auch an Klassik-Rallyes teil und erzielt achtbare Ergebnisse angesichts der Tatsache, dass der Bus voll besetzt ist und als Mitbewerber mehrheitlich Coupés und Cabriolets von Marken wie Bentley, Jaguar und Porsche am Start sind – von den nahen Verwandten unterm Stern ganz zu schweigen.

Sowohl der Mercedes- als auch der Asquith-Bus auf Ford-Technik können zu Familien- und Gruppenausflügen gemietet werden – natürlich nur mit Fahrer. Im Ritter Durbach kann man die alten Zeiten auch selbst hinterm Steuer aufleben lassen. Zur Wahl stehen: Karl, ein Käfer-Cabrio von 1966, Dean, eine Porsche 365 Speedster Replica aus dem gleichen Jahr, Luigi, ein Alfa Romeo Spider 2.0, Baujahr 1983, sowie eine Ape von Piaggio, die mit einem 7-PS-Zweitakter gemütlich dahintuckert.

Informationen:

www.bareiss.com

www.ritter-durbach.de


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