Schluss mit der Scharade

Von Paul-Janosch Ersing

Die Ära der EQ-Modelle war keine besonders lange in der seit 1886 andauernden Unternehmenshistorie von Mercedes-Benz – und keine außerordentlich erfolgreiche. Neben den ausschließlich elektrischen EQE und EQS (inklusive der jeweiligen SUV-Ableger) hatte Mercedes-Benz von den Verbrennungsmotor-Modellen abgewandelte Stromer am Start: EQA, EQB und EQC. Allesamt zeichneten sich durch eine schwarze Kühlermaske aus, wodurch sie sich von Benzinern und Dieseln erkennbar unterscheiden sollten. Mit diesem Verkleidungsspiel ist nun Schluss.

Auch wenn der kühne Vorsatz „Electric only“ zwischenzeitlich kassiert wurde, setzen die Stuttgarter verstärkt auf lokal abgasfreie Antriebe. Der neue GLB ist nach dem CLA und dem auf der IAA 2025 präsentierten GLC der nächste Wurf, der die zweite Phase der schwäbischen Elektrifizierung stützen soll. Die sichtbaren Andersartigkeiten zwischen Benziner- und Elektro-GLB sind künftig kaum mehr wahrnehmbar – lediglich am geschlossenen Kühlergrill, an dem nachts bis zu 94 kleine Sterne und ein großer leuchten, lässt sich der vollelektrische Antrieb erkennen.

Die von Vorgänger bekannte Grundform blieb erhalten: Der GLB fährt als vergleichsweise langer Kompakter (4,74 m) durch die Gegend, ohne dabei die Parkplatz-feindliche Breite seiner größeren SUV-Verwandtschaft zur Schau zu stellen. Die fünf Zentimeter mehr Außenlänge – im Vergleich zum EQB – und der um sechs Zentimeter gewachsene Radstand werden im Innenraum erlebbar: Auf der längs verschiebbaren Rückbank erreicht die Beinfreiheit auf Wunsch fürstliche Dimensionen, und die hinteren Türausschnitte fallen spürbar größer aus. Dadurch gelingt der Ein und Ausstieg beträchtlich geschmeidiger. Weiterhin eine sportliche Kletterpartie: der Zustieg auf die beiden hinteren Sitze, die vom Hersteller für Menschen bis zu einer Körpergröße von 1,68 Metern empfohlen werden (alter GLB: 1,65 m).

Die Lektüre der technischen Daten erinnert an jene des bereits im Verkauf befindlichen Elektro-CLA: Als 250+ soll der GLB (ab 59.048 Euro) ohne Ladestopp bis zu 631 Kilometer weit kommen; der dazu nötige Strom wird in einem 85-kWh-Akku gespeichert. Dank 800-Volt-Technologie sind die vergleichsweise langen Ladepausen des Vorgängers schnell vergessen: Mit bis zu 320 kW wird die Energie in den Stromspeicher gesaugt. So können binnen 10 Minuten bis zu 260 Kilometer Reichweite nachgeladen werden.

Bis hierher gelesen? – Dann empfehlen wir noch die thematisch passende Podcastfolge Nr. 342:


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