


Aufgefrischt in die Freiheit
Auf seiner letzten Runde vor der Erneuerung mit der nächsten V-Klasse-Generation erfährt der Marco Polo eine Modellpflege. Vom Aufstelldach über die Kühlbox bis hin zum Soundsystem wird noch einmal Hand angelegt und Kundenwünschen entsprochen.
Von Gundel Jacobi
Messepremiere auf dem Caravan Salon Düsseldorf. Für kleine Fluchten aus dem Alltag, aber auch für ausgeklügelte Routen mit Langzeitcharakter sind kompakte Reisemobile beliebte Begleiter. Einige Anbieter tummeln sich in der Kleinbusklasse mit Aufstell-Schlafdach, Küchenzeile samt Kühlbox und Gasherd. Als prominenter Vertreter mit historischem Bulli-Kultstatus gilt der Volkswagen California. Der Marco Polo gehört aber mittlerweile zu seinen härtesten Mitbewerbern. „Wir wollen auch künftig eine entscheidende Rolle spielen“, betont Dr. Andreas Zygan, Entwicklungsleiter Mercedes-Benz Vans, bei der statischen Präsentation des Campingbus. Die Messepremiere des modellgepflegten Marco Polo wird auf dem Caravan Salon Düsseldorf vom 28. August bis 6. September 2026 stattfinden.
Namhafte Veränderungen beim Campervan. Es wird bereits im Vorfeld der Marco-Polo-Welt einiges umgekrempelt. Denn nach wie vor wird er auf V-Klasse-Basis im spanischen Vitoria produziert. Künftig findet aber der Umbau nicht mehr bei Westfalia statt, wie Zygan ausführt: „Der Ausbau wird in Eigenverantwortung in unserem Mercedes-Benz-Werk in Ludwigsfelde durchgeführt.“ Hier erhoffen sich die Macher mehr Kundenflexibilität und kürzere Lieferzeiten. Bei den Neuerungen am Fahrzeug lohnt sich ein Blick aufs Dach – mitunter das auffälligste Merkmal, wenn es aufgestellt an dem Platz steht, wo die Reisenden zu pausieren oder übernachten gedenken. Es besteht fortan aus einer doppelten Alu-Schale. Entwicklungs-Projektleiter Christophe Rolland schwärmt von der ausdrücklichen Steifigkeit und Langlebigkeit des Materials, was obendrein zu einer geradezu idealen Isolierung beitrage – nicht ganz unwichtig bei allen möglichen Wetterbedingungen. Das weiterentwickelte Aufstelldach beinhaltet aber noch eine zweite Veränderung: „Wer auf großem Fuße lebt, wird sich im dortigen Schlafabteil besonders wohl fühlen.“ Was sich zunächst ein wenig lustig anhört, hat bei näherer Betrachtung tatsächlich Hand und Fuß, denn durch einen im hinteren Bereich um zehn Zentimeter erhöhten Faltenbalg gibt’s einfach mehr Platz, also mehr Bewegungsfreiheit. Interessanterweise entpuppt sich beim Vor-Ort-Termin ein Gespräch unter campenden Kollegen, die ihr müdes Haupt zum Schlafen genau dort platzieren und nicht wie einige andere den Kopf sozusagen in Fahrtrichtung an der höchsten Stelle des Daches ablegen. Sei’s drum: Der 30-prozentige Raumgewinn tut allen gut!
Licht ist nicht gleich Licht. Wer sich schon mal mit Lichtkonzepten befasst hat, wird der Erkenntnis zustimmen, dass es die perfekte Ausleuchtung nur dann gibt, wenn man neben unterschiedlichen Lichtpunkten auch deren Intensität und Farbgebung beeinflussen kann. Mit einem Wort: Ambientelicht lautet das Gebot der dunkelnden Stunden. Der erneuerte Marco Polo erhält jedenfalls in den rund ums Aufstelldach eingepassten LEDs zehn verschiedene Beleuchtungsszenarien – von klar weißem bis zu cremigerem Schein. Fehlt nur noch ein stilisierter Sternenhimmel. Das ist aber gar nicht nötig, weil ein bisschen weiter vorne durch ein ebenfalls neues größeres Schiebedach der Blick auf denselben ungehindert möglich ist.

So wichtig wie der Lichteinfall ist sein Gegenpol: die Dunkelheit. Unabhängig davon, ob man sich nicht unbedingt auf den Präsentierteller für neugierige Zeitgenossen legen möchte oder zum Schlafen größtmögliche Dunkelheit bevorzugt: Es gab mit dem etwas fummeligen Anpassen der Verdunkelungsmatten an Windschutzscheibe und den seitlichen Fenstern in der Vergangenheit öfter etwas Murren. Durch die ebenso einfache wie wirkungsvolle Befestigung mit Magneten geschieht die Rundum-Ausblendung künftig im Nu.
Getuntes Soundsystem und unabhängige Steuerung. Wetten, dass … Sounddesigner immer wieder für Verbesserungen gut sind? Beim Marco Polo haben sie nochmal ganze Arbeit geleistet, denn das neue Soundsystem mit acht Lautsprechern und Subwoofer wurde nun komplett auf den Marco-Polo-Klangkörper feinabgestimmt. Die Unterschiede müssen gar nicht für jeden deutlich wahrnehmbar sein; entscheidend ist, dass das akustische Gesamtkonzept für alle wunderbar passen mag. Genauso wird man sich nach kurzer Zeit an eine gute und zeitgemäße Änderung gewöhnt haben – durch Bluetooth-Konnektivität gibt’s auch bei ausgeschaltetem Infotainment nach Lust und Laune Musik auf die Ohren. Die Gelegenheit der erweiterten Vernetzung ergriffen die Spezialisten zudem für das Mercedes-Benz-Advanced-Control (MBAC) System. Das heißt, Funktionen wie Schiebedach öffnen und schließen oder die erwähnte Ambiente-Dach-Beleuchtung können auf dem Headunit-Display oder per MBAC-App auf dem Mobiltelefon gesteuert werden.
Kleinigkeiten, die in der Camperwelt gut ankommen. Nach all den benannten Neuerungen wird deutlich, dass es bei weitem nicht nur kosmetische Veränderungen sind, die bei einer Modellpflege wesentlich sind. Der Marco Polo hat alsbald verbesserte Klapptische und Schubladenführungen, ein überarbeitetes Bedienpanel an der Sitzbank, und: Die 40-Liter-Kühlbox arbeitet verbrauchsärmer, was in erster Linie der Energieversorgung zugute kommt. Beinahe schon ein Meilenstein für Camper, die eine Markise ordern: Sie ist dergestalt umgearbeitet, dass eine Montage oder Demontage mit nur wenigen Handgriffen stattfinden kann – für Waschanlagennutzende, aber auch für Pfennigfuchser eine Wohltat, die flexibel sein wollen, um auf entsprechenden Touren Sprit zu sparen. Der Clou: Die Kurbel steckt platzsparend in der Markisenhalterung. Da hätte man schon früher draufkommen können? Ja und nein, denn viele Veränderungen passieren auch beim rollenden zweiten Zuhause eben mit dazugewonnenen Erfahrungen, gesteigertem Komfortbedürfnis und technischem Fortschritt.
Bestellbar ist der modellgepflegte Marco Polo in Bälde. Die Veränderungen gelten übrigens nahezu vollständig auch für die Marco Polo-Ausführung namens Horizon, der ohne Küchenzeile und Kleiderschrank ausgeliefert wird.

