Ein Wunder auf vielen Ebenen

Dieses Auto zeugt in mehrfacher Hinsicht vom Mut, mit dem der japanische Hersteller Mazda gegen den Strom der Allerweltsautos schwimmt. Wer sonst hätte es gewagt, vor mittlerweile zwei Jahren einen mild hybridisierten Dieselmotor mit sechs Zylindern in Reihe und 3,3 Liter Hubraum in einem neuen Modell auf den Markt zu bringen? Das ist nicht die einzige erstaunliche Eigenart des CX-80.

Von Bernd-Wilfried Kießler

Was ist das für ein Auto? Die Japaner haben ihren CX-60-SUV um 25 Zentimeter verlängert, und in dieser Karosserieform hat sich das neue Flaggschiff CX-80 unversehens in einen geräumigen Minivan mit sechs oder sieben Sitzen verwandelt. Während sich die Gattung SUV ursprünglich aus weichgespülten Geländewagen entwickelt haben, fahren sie heutzutage überwiegend mit Frontantrieb. Nicht so der CX-80: Obwohl er äußerlich keinerlei Abenteuerzutaten zeigt, verfügt er serienmäßig in allen Ausführungen über Allradantrieb. Auf die eingangs erwähnte Motorisierung kommen wir später ausführlich zu sprechen, aber ein kleines Testfazit wollen wir vorwegnehmen: Wer sich von der Masse abheben will und gelegentlich Platz für sechs oder sieben Personen braucht, sollte sich auf zum nächsten Mazda-Händler machen.

Wie fühlt man sich in diesem Auto? Mit teilweisem Nappaleder auf den Sitzen und einem Velourleder-Imitat an Armaturentafel und Türen in hellem Braun erzeugt der Mazda beim ersten Einstieg einen Wow-Effekt. Nach dem Druck auf den Startknopf gönnt sich der Diesel nicht mehr als eine knappe Vorglühsekunde, dann kann der griffige Automatikhebel aus der Parkstellung in eine Bewegungsrichtung dirigiert werden, worauf sich das Fünfmeter-Schiff säuselnd in Bewegung setzt – auf Wunsch unter offenem Himmel: Das Glasschiebedach mit Sonnenrollo ist im Preis von 71.600 Euro inbegriffen. Der Bildschirm in der Mitte der Armaturentafel dient überwiegend der Information, vieles wird über Knöpfe und Schalter geregelt, auch über einen Drehdrücksteller auf der Mittelkonsole, mit dem einst BMW um die Jahrtausendwende die Bedienung zu vereinfachen gedachte.

Ausgesprochen komfortabel werden die beiden Passagiere in der zweiten Reihe befördert. Man kann hier statt zweier in Längsrichtung verschiebbarer Einzelsessel auch eine Dreierbank ordern. Nicht ganz so bequem geht es auf den beiden Sitzen ganz hinten zu. Mit der Kopffreiheit haben auch Erwachsene keinerlei Problem, wenn sie sich denn erstmal dorthin gefädelt haben. Aber die Beine müssen etwas angewinkelt werden, weil die Sitzflächen niedrig angeordnet sind. Sind alle drei Reihen besetzt, bleibt dahinter ein Kleinwagen-Stauraum. Bei zwei eingeklappten Sitzen finden 687 Liter auf einem ebenen Ladeboden Platz, dessen Höhe wir mit 76 Zentimeter über der Fahrbahn gemessen haben. Sind nur Fahrer und Beifahrer an Bord, wird der CX-80 mit fast zwei Kubikmetern Gepäckaum bis unters Dach zum Kleintransporter.  

Welchen Antrieb hat das Auto? Dem hubraumstarken Reihensechszylinder-Diesel mangelt es weder an Leistung (254 PS) geschweige denn an Drehmoment (550 Newtonmeter). In Verbindung mit der Achtstufen-Automatik ist komfortables Dahingleiten möglich. Wer’s nicht weiß, bemerkt in Fahrt nicht, dass da vor ihm ein Selbstzünder unter der langen Haube arbeitet. Falls jemand Zugang zum Dieselkraftstoff HVO100 hat, fährt er umweltfreundlicher als in einem Elektroauto. 72 Liter Tankgröße erlauben mühelos Reichweiten um die 1000 Kilometer. Dass alle vier Räder angetrieben werden, mag sich im Winter und im Anhängerbetrieb (Anhängelast: 2,5 Tonnen) positiv bemerkbar machen. Während unseres Tests zur Sommerzeit und in Ermangelung von eigenem Pferd und Boot konnten wir keine entsprechenden Eindrücke sammeln, wohl aber, dass die 20-Zoll-Räder allerlei Unebenheiten souverän überrollten und das sorgfältig abgestimmte Fahrwerk eventuelle Resterschütterungen abfederte.

Was bietet dieses Auto? Der Einstiegs-CX-80 mit dem gleichen Antriebsstrang, aber etwas einfacher ausgestattet, ist ab 61.250 Euro zu haben. Wer statt des mildhybriden Diesels einen Plug-in-Benzinmotor bevorzugt, ist ab 57.660 Euro dabei. An Sicherheit spart Mazda in keinem CX-80. Die rund 10.000 Euro mehr für die Homora Plus-Ausstattung beinhalten vor allem Luxus, etwa in Form belüfteter Vordersitze, Sitzheizungen auch hinten, dem erwähnten Glasschiebedach sowie einer elektrischen Hecklappe, die sich binnen vier Sekunden recht hurtig öffnet und schließt. Es gibt zudem ein gehobenes Klangsystem, einen adaptiven Tempomat und die Möglichkeit des teilautonomen Fahrens in Stufe 2. Alles perfekt? Mitnichten. Das Head-up-Display, das Geschwindigkeit, Tempobegrenzungen sowie die Fahrtrichtungen des Navigationssystems auf die Fahrbahn projiziert, war viel zu blass und bei Sonnenschein nur schemenhaft zu erkennen. Während der Testzeit gelang uns nach der Suche am Bildschirm und in der Betriebsanleitung eine nur mäßige Erleuchtung.

Autogramm

Mazda CX-80 e-Skyactiv D-254 AWD Homura Plus

Typ: Minivan; Preis: 71.600 Euro; Länge: 5,00 Meter, Breite: 1,89 Meter, Höhe: 1,71 Meter; Radstand: 3,12 Meter; Leergewicht: 2.131 Kilogramm; Zuladung: 725 Kilogramm; Kofferraum: 258/687/1971 Liter; Sitze: sechs; Tankinhalt: 74 Liter; Motor: Diesel-Reihensechszylinder; Hubraum: 3.283 Kubikzentimeter; Leistung: 254 PS/187 kW bei 3.750 U/min; Drehmoment: 550 Newtonmeter bei 1.500 bis 2.400 U/min; E-Motor: 17 PS/12 KW, 153 Newtonmeter; Getriebe: Achtstufen-Automatik; Spitze: 219 km/h; 0 auf 100 km/h: 8,4 Sekunden; Normverbrauch (WLTP): 5,6 Liter Diesel; CO2-Ausstoß: 146 Gramm/km; Testverbrauch: 5,9 Liter.


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