
In Köln gibt man nicht auf
Ford möchte mit frischem Schwung in Europa mit sieben neuen Fahrzeugen in den kommenden Jahren erneut durchstarten. Das Konzept mit vermehrten Wahlmöglichkeiten zwischen kompletten Stromern und kombinierten Elektro-Verbrenner-Fahrzeugen soll für deutliche Verkaufserfolge sorgen.
Von Gundel Jacobi
Ford erneut an der Startlinie. Auf die Plätze, fertig, los! Mit dieser Anweisung haben schon Generationen von Sporttreibenden die letzten Sekunden vor ihrem Sprint oder Langstreckenlauf hochkonzentriert an der Startlinie verbracht. So ähnlich darf man sich dies nun auch mal wieder bei Ford vorstellen. Mit ihrem neuen Slogan „Ready-Set-Ford!“ wird eben jenes Momentum beschworen, um mit Schwung zu neuen Ufern zu gelangen. Denn erfolgsverwöhnt ist Ford in Europa derzeit keineswegs. Vor allem mit Blick auf die Pkw-Verkaufszahlen sieht es nicht allzu rosig aus. Ein Marktanteil von rund drei Prozent und damit eine deutliche Halbierung in den letzten zehn Jahren sprechen eine deutliche Sprache. Demgegenüber verweisen die Fordler auf eine starke Präsenz im europäischen Nutzfahrzeuggeschäft – und tatsächlich verteidigte die Sparte FordPro im letzten Jahr mit mehr als 17 Prozent zum elften Mal das Prädikat Marktführer in Europa.
Offene Ohren für die Kundschaft. Es gab schon immer schwierige Zeiten, auch wenn die Automobilwirtschaft mehrheitlich mindestens zufriedene Läufe verzeichnen konnte. Das viel beschworene Zeitalter der Transformation macht es gerade auch für die Autobauer nicht einfach, in der weltweiten Rangelei um Kundschaft erfolgreich mitspielen zu können. Da bildet Ford also keine Ausnahme – was nicht nur die in Köln ansässigen Verkaufsstrategen aber eher noch anspornt, als die Flügel hängen zu lassen. Mit der globalen Ready-Set-Ford-Strategie setzt man in Europa auf eine Modelloffensive mit fünf neuen Pkw und zwei weiteren Nutzfahrzeugen, die bis 2029 den Markt spürbar beleben sollen. Dabei gewinnt eine Erkenntnis an Bedeutung, die auch andere Hersteller in Scharen an komplexe Technologien ranführen, um Kundschaft zu mobilisieren. Hierbei geht es im wahrsten Sinne des Wortes um hybride Lösungen, also Wahlmöglichkeiten zwischen kompletten Stromern und kombinierten Elektro-Verbrenner-Fahrzeugen.
Fahrplan für die glorreichen Sieben. Was will man beim Aufbruch in neue Zeiten machen? Laut Jim Baumbick, Ford-Chef Europa, besinnt man sich auf seine Kernkompetenzen, die bei Ford in der mehr als hundertjährigen Rennsporttradition gesehen werden – insbesondere dem Rallyesport. Durch die Zusammenführung jener Offroad-DNA und Onroad-Performance stellt Ford Fahrzeuge auf die Räder, die genau dieses für die europäische Kunden verkörpern würden. Oder volksnaher ausgedrückt: Nervenkitzel, Abenteuer, Präzision und Kontrolle – passend serviert zum Zeitgeist. Der Fahrplan sieht nach heutigen Informationen demnach so aus: In der Pkw-Sparte kommt 2028 ein Bronco-Abkömmling auf den Markt, deutlich kleiner als der derzeitige Bronco, also eher ein Kompakt-SUV mit robusten Zutaten und unterschiedlichen Antriebsarten. Sein Produktionsort wird im Ford-Werk im spanischen Valencia sein.
Ebenfalls 2028 erscheint ein batterieelektrischer Kleinwagen als eine Art Fiesta-Nachfolger, der in Kooperation mit Renault gebaut wird und die R5-Plattform nutzt. Eine Nummer größer gesellt sich noch ein Elektro-SUV hinzu, das mit Renault als Partner wiederum die Nachfolge des eingestellten Puma einnehmen könnte. Für 2029 kündigt Ford indes zwei nagelneue Crossover-Modelle in verschiedenen Kompaktgrößen an, hier gibt es nur vage Infos, sie sind jedenfalls beide als so genannte Multi-Energy-Fahrzeuge skizziert: Es wird sie sowohl als batterieelektrische Wagen als auch mit kombiniertem Elektro-Verbrenner-Konzept geben. Aktuell verzeichnen die Kölner übrigens einen leicht steigenden Anteil ihrer kompletten Stromer – nämlich rund 40 Prozent über die Verkaufspalette hinweg.
Im Nutzfahrzeugsektor geht es noch etwas zurückhaltender bei den Stromern zu. Ford nennt hier einen Plug-in-Hybrid- sowie reinen Elektroanteil von rund 20 Prozent. Noch in diesem Jahr erscheint der Transit City – ein Elektrotransporter in der Ein-Tonnenklasse für Ballungsgebiete. Seine 55-kWh-Batterie weist bis zu 254 Kilometer Reichweite aus. Der in China produzierte Transit City hat einen 150 PS/110 kW leistenden Elektromotor an Bord und soll in gängigen 33 Minuten von zehn auf 80 Prozent Strom laden können. Der Ranger Super Duty spielt die Rolle eines gewissen Nischenfahrzeugs in der Pick-up-Sparte. Er zielt mit einer Nutzlast von zwei Tonnen und einer Anhängelast von 4,5 Tonnen auf Spezialeinsätze bei Rettungsdiensten, in der Forstwirtschaft, dem Bergbau und Militär. Das Auto ist ein echter Hingucker.



