Erstmals ein Plug-in-Hybrid-Kleinwagen 

Sperriger Name – bemerkenswerter Inhalt: BYD bringt mit dem Dolphin G DM-i das erste Plug-in-Hybrid-Modell (PHEV) in der Kleinwagenklasse auf den europäischen Markt. Mit großem Akku hat er eine elektrische WLTP-Reichweite bis zu 105 Kilometer, insgesamt soll er bis zu 1040 Kilometer weit kommen.

Von Gundel Jacobi

Packt den chinesischen Tiger in den Tank. Es ist schon eine gewisse Sensation in der Viermeter-Klasse: BYD ist der erste Hersteller, der einen Kleinwagen zum Einstöpseln in die Steckdose anbietet – wohlgemerkt: Einen 42-Liter-Benzintank hat er ebenfalls an Bord. Damit schafft es der chinesische Kleine, bei voll geladenem Stromakku und randvoll gefülltem Tank rund 1000 Kilometer zu fahren, ohne Elektrizität oder Super nachfassen zu müssen. Dahinter verbirgt sich eine Form der Brückentechnologie ins wie auch immer geartete Stromzeitalter, die einen mobilen Kompromiss nutzen kann, nämlich laden und tanken! Mit anderen Worten: Damit packt man für eine enorme Kleinwagen-Reichweite den chinesischen Tiger in den Tank. Interessanterweise schickt BYD aus China  jenen Dolphin G DM-i einzig auf die Reise zu uns. Denn offenbar scheint nach sicherlich genau erfassten Wünschen nur die Kundschaft im Alten Europa ein offenes Ohr für diese Antriebskombination zu haben.

Viel Platz im Kofferraum. Schmale Leuchtgrafik und sparsame Kanten, die das Fahrzeug vor allem breit erscheinen lassen sollen, sowie viele glattgebügelte Flächen: Alles wirkt brav und gewollt unauffällig. Vor dem Einsteigen hält man unwillkürlich die Luft an, da die Chinesen bekanntermaßen viel Freude an Animationsspielereien auf dem Bildschirm haben und weitestgehende Cockpit-Funktionen auf den Touchscreen spiegeln. Aber oh Wunder: Das Konzept im Dolphin G D-Mi sieht eine ausgewogene Kombination von Wischereien einerseits und Tasten-Schalterbedienung andererseits vor. Überall findet man sich schnell zurecht. Da der Hebel zum Einstellen der Fahrstufen an der Lenksäule sitzt, gibt es auf der Mittelkonsole genügend Ablageflächen.

In der zweiten Reihe sind kleinwagenbedingt keine großen Sprünge zu machen, aber man kann auch als erwachsene Person eine ordentliche Sitzposition einnehmen – klar, die Schenkelauflage ist nicht allzu lang, auch die Füße passen gerade so untern Vordersitz, und extrem aufrechtes Sitzen ist wegen der Dachbegrenzung limitiert. Nach Blick in den Kofferraum erscheint einem die Konzentration auf eine möglichst große Ladekapazität deutlich: Mit 425 Liter Volumen geht richtig was rein; sofern die Rücksitzlehnen umgeklappt werden, entsteht allerdings eine mächtige Stufe.

Wahlmöglichkeit des Kraftstoffeinsatzes. Spannend wird es nach Druck auf den Motorstartknopf: Der Bordcomputer meldet 99 Prozent Stromladung für 100 Kilometer, Benzin im Tank für 834 Kilometer. Der kleine Dolphin mit größerem Akku startet elektrisch, surrt leise während der Testfahrt durch die Stadt und über Land. Es gibt auf der Mittelkonsole einen Kippschalter, mit dem man zwischen Strom (EV) und Hybrid (HEV) wählen kann. Wählt man HEV, entscheidet das Motormanagement selbstständig, wobei: In der Regel dient der Benziner sowieso die meiste Zeit als Generator zur Stromerzeugung. Wenn man auf der Autobahn dem Wagen die Sporen gibt, stimmt der Ottomotor hörbar mit ein. Ansonsten vernimmt man entlang der Landstraßen eher die Windgeräusche.

Vier Fahrprogramme von Eco bis Sport sind mittels Schalter auf der Mittelkonsole einstellbar. Sinnvollerweise trifft man seine Auswahl vor der Abfahrt, unterwegs ist es irgendwie zu umständlich. Mit den zwei Einstellungen zur Rekuperationsstärke haben wir häufiger experimentiert. Leider können sie nicht per Schaltwippen am Lenkrad aufgerufen werden, sondern müssen am geöffneten Programm auf dem Monitor angetippt werden. Letztlich nutzten wir dauerhaft die stärkere Rückgewinnung, die nicht extrem eingreift – und das Auto schon gar nicht zum Stillstand bringt.

Kleiner Kraftprotz straff gefedert. Ein bisschen Zahlensalat ist nicht zu vermeiden, da der Plug-in-Kleinwagen in zwei Akkugrößen bestellbar ist: Einzig in der Basisausstattung Active gibt es die 7,42 kWh-Batterie. Damit beträgt die Systemleistung 176 PS/129 kW, die elektrische Reichweite der vollen Batterie wird mit 40 Kilometer angegeben. In den drei höheren Ausstattungen ist eine 18,3 kWh-Batterie an Bord, die bis zu 105 Kilometer elektrische Reichweite liefert. Die Systemleistung steigt in diesem Fall auf 212 PS/156 kW. In beiden Ausführungen sind das ganz schön viele Pferdestärken für einen Kleinwagen!

Wir haben das Motormanagement als ausgesprochen komfortabel arbeitend empfunden, was man vom Fahrwerk nicht uneingeschränkt behaupten kann. Sobald es über kräftigere Bodenunebenheiten geht, poltert der Kleine merklich und leitet die Stöße ins Innere weiter. Zum Kraftstoffverbrauch: Da die Basisausführung eine kürzere elektrische Reichweite hat, liegt deren gewichteter Verbrauch bei 2,6 Liter Super auf 100 Kilometer. Mit der stärkeren Batterie an Bord wird gut ein Liter weniger Super benötigt. Sollte man das Nachladen aus der Steckdose länger ignorieren, also bei komplett entladener Batterie, nennt BYD einen Normverbrauch von rund 4,5 Liter Super.           

Bekanntermaßen wird der erfolgreiche chinesische Hersteller ab Ende 2026 im ungarischen BYD-Werk produzieren – vornehmlich aus Zollgründen, aber auch, um sich langfristig als europäische Marke in den Köpfen seiner Kunden festzusetzen. Zunächst läuft der kleine Plug-in-Hybridler jedoch noch in China vom Band und begibt sich von dort auf die Schiffsreise nach Europa. Mutmaßlich werden die ersten Fahrzeuge im Herbst anlanden und ausgeliefert. Der Dolphin G DM-i kann bei einem der hierzulande rund 200 BYD-Händler bestellt werden. In der Basisausführung kostet er ab 28.990 Euro. Mit stärkerer Batterie und in nächsthöherer Ausstattung steht er ab 31.990 Euro in der Preisliste – jeweils vor Förderprämienabzug. 

Autogramm

BYD Dolphin G DM-i Active

Typ: Kleinwagen; Preis: 28.990 Euro; Länge: 4,16 Meter; Breite: 1,83 Meter; Höhe: 1,58 Meter; Radstand: 2,61 Meter; Leergewicht: 1440 Kilogramm; Zuladung: 500 Kilogramm; Tankinhalt: 42 Liter; Kofferraum: 425 bis 1225 Liter; Sitze: fünf; Motoren: Otto-Vierzylinder (95 PS/70 kW) und Elektromotor (163 PS/120 kW); Hubraum: 1498 Kubikzentimeter; Systemleistung: 176 PS/129 kW; Drehmoment: 210 Newtonmeter; Spitze: 180 km/h; 0 auf 100 km/h: 8,3 Sekunden; Normverbrauch (WLTP): 2,6 Liter Super, CO2-Ausstoß: 60 Gramm/km; Normverbrauch bei leerer Batterie: 4,5 Liter Super, CO2-Ausstoß: 105 Gramm/km.


Veröffentlicht

in

,

von

Schlagwörter: