


Von China nach Europa verlagert
In diesem Herbst wird es Zeit für den neuen Spring (englisch „Frühling“), denn vom 15. September an kann die neue Generation beim Dacia-Händler bestellt werden, der ihn im Dezember ausliefern wird. Für weniger als 18.000 Euro soll der Kleinwagen einer der günstigsten Stromer in Deutschland werden.
Von Harald Koepke
Zwar wurde das Vorgängermodell erst vor zwei Jahren einer umfangreichen Modellpflege unterzogen und dabei völlig neu eingekleidet. Aber was soll’s! Vollmundig erklärt Dacia, Tochterunternehmen von Renault, das einzige Element, das jetzt nicht erneuert wurde, sei der Modellname. Der Bezug auf Renault erklärt die Herkunft des neuen Dacia Spring: Wurden die Fahrzeuge (seit 2021 auf dem hiesigen Markt) bisher vom chinesischen Hersteller Dongfeng in Wuhan gebaut, so läuft der neue Spring im slowenischen Nove Mesto vom Band – dort, wo auch der elektrische Renault Twingo gefertigt wird. Somit ist der Dacia Spring nun der etwas jüngere, robustere Vetter des Twingo, nicht so verspielt und auf Chic bedacht, dafür ganz bodenständig und in eher rustikalem Gewand daherkommend. Der nunmehr europäische Produktionsort dient natürlich auch dazu, die Importzölle für in China hergestellte Autos einzusparen.

In ihren inneren Werten gleichen sich die beiden Automobile: Den Antrieb übernimmt ein Elektromotor mit einer Leistung von 82 PS/60 kW, der die Vorderräder antreibt. Der Batterietyp Lithium-Eisenphosphat (LFP) ist preisgünstig, gilt als langlebig und robust. Ebenso vernünftig ist auch der Motortyp. Denn ein fremderregter Synchronmotor wie hier eingebaut benötigt in der Fertigung nicht die so teuren Seltenen Erden. Das gesamte Paket von Batterie und Motor ist erstaunlich klein. So bleibt im Innenraum des Dacia Spring ausreichend Platz für Passagiere und Gepäck. Schon klar, ein Kleinwagen mit einer Länge von 3,85 Metern kann kein Raumwunder sein, und wenn vorne hinter dem Lenkrad ein 1,80-Meter-Mensch bequem sitzt, wird es für einen gleichgroßen Typen dahinter unbequem.
In der ersten Reihe fühlt man sich wohl, kann sich an etlichen Knöpfen und Drehschaltern an der Armaturentafel und am Lenkrad erfreuen, die zeigen, dass man bei Dacia auf eine vernünftige Bedienbarkeit Wert legt. Wie es heute üblich ist, blickt man auf einen kleineren und rechts davon auf einen größeren Bildschirm, von dem aus die Bedienungen gesteuert werden, die nicht auf Knopfdruck funktionieren. Die verwendeten Materialien wirken preisbewusst, aber nicht billig, und wie wir es von Dacia kennen, wird auf modische Details verzichtet – das kann der Bedienbarkeit nur entgegenkommen. Die Vielzahl der heute üblichen und oft genug vorgeschriebenen Assistenzsysteme ist vorhanden, ohne Übertreibungen.
Praxisorientiert ist der gar nicht so knappe Kofferraum, in den 337 Liter hineinpassen, oder eine zierliche Journalisten-Kollegin der Zeitschrift „auto motor und sport“, die das im Selbstversuch bei der Weltpremiere ausprobierte. Zwei einzeln umlegbare Rücksitze erweitern den Raum auf 1.283 Liter. Weil der kleine E-Motor unter der Vorderhaube genug Platz lässt, gibt es dort eine weitere Ablage, die auf jeden Fall das Ladekabel beherbergt und dann noch Platz für Kleinigkeiten hat. 18 Liter passen hinein, das sind immerhin 18 Milchkartons!

Von außen tritt das kleinste Mitglied der Markenfamilie als ein erkennbar echter Dacia auf – für den Geschmack des Autors aber lediglich in vier viel zu unauffälligen Farben. Dabei hat der neue Dacia Spring keinen Grund, sich unscheinbar zu verstecken: Wer Tag für Tag nur kurze Strecken fährt, die Autobahn nur selten nutzt und einen bezahlbaren Begleiter für den automobilen Alltag sucht, könnte sich mit ihm anfreunden.
Autogramm
Umfassende technische Daten waren bei der Weltpremiere noch nicht verfügbar und werden schnellstmöglich nachgereicht.

