Die Göttin jetzt mit Säbelzähnen

Beim ersten Blick auf die neue DS Numero 7-Generation fällt vor allem deren veränderte Leuchtgrafik an Bug und Heck sowie bei der Sitzprobe ein deutlich verwandeltes Cockpit auf. Dass nicht alles Chrom ist, was glänzt, lässt sich bei der Präsentation im Stand zunächst nur vermuten.  

Von Gundel Jacobi

Leuchtvorhang umrahmt das DS-Markenzeichen. Naturgemäß bleiben bei einer Standpräsentation mehr Fragen offen als Erkenntnisse gewonnen werden können. Aber eins ist während des wachsamen Abschreitens um das SUV ganz offensichtlich – und einmal mehr im Inneren sowohl vorne im Cockpit als auch im Fond: Der französische Chic behält die Oberhand.

Wer ein bisschen in der Automobilszene zuhause ist, fühlt sich bei den auffällig säbelzahnartigen Tagfahrlichtern an Peugeot-Modelle vor ein paar Jahren erinnert. Selbige wurden mittlerweile wieder von der Löwen-Designbühne entfernt und in drei leuchtende Krallen umgewandelt. DS spielt diese langgezogene Trumpfkarte sogar noch einmal am Heck aus, wo das LED-Band rechtwinklig um Aufmerksamkeit buhlt. Uns fällt bei der Betrachtung des Vorderwagens die konsequente Stockwerkphilosophie in fünf Etagen auf, die viel bulliger wirkt als beim Vorgänger. Andererseits ist gerade diese Vorderansicht weniger aufgeregt gezeichnet, sodass die großflächig beleuchtete Einrahmung des DS-Markenzeichens entscheidend zur Geltung kommt.

An der Flanke könnte man unter Umständen den Längenzuwachs erkennen: Die DS Numero 7 ist mit 4,66 Meter Länge um sieben Zentimeter gewachsen. Ansonsten bleibt gegenüber der DS7 (Achtung: Die erste Generation hatte noch keine frankophile Zusatzbezeichnung „No“ für Numero im Modellnamen!) die DS No7 in der Breite (1,90 Meter) und Höhe (1,63 Meter) gleich. Raffinierter sind nun die hinteren Türgriffe in den seitlichen Holmen verschwunden. Ob deren innenliegende Druckpunkte unbedingt praktischer zu bedienen sind, lassen wir mal dahingestellt. Das Heck hat wirklich gar nichts mehr gemeinsam mit dem vorherigen Wagenabschluss und setzt voll auf voluminösen Block.

Wärmende Nackendusche im Cockpit. Haben wir schon erwähnt, dass die DS No7 erstmalig auf der STLA-Medium-Plattform von Stellantis fährt? Also neuer geht es für das SUV gar nicht! Da DS in jetziger Form erst seit zwölf Jahren als eigenständige Marke im automobilen Zirkus mitmischt und als Premium-Vertreterin hierzulande nicht gerade mit güldenen Zahlen brillieren kann, setzen die Franzosen nun große Hoffnungen in dieses kommende DS No7-Fahrzeug – von dieser seit 2018 auf dem deutschen Markt anwesenden Göttin (Déesse) wurden bislang rund 2000 Stück verkauft. Da ist noch deutlich Luft nach oben.

Die Erwartungen sind entsprechend hoch, auch, was das Cockpit betrifft: Vorbei sind die Zeiten einer kunstvoll sich herausdrehenden Analoguhr. Aber Finessen gibt’s weiterhin. Am auffälligsten mag die chromglänzende Tür-Zuziehplatte sein. Der vergleichsweise gewöhnliche Türöffner befindet sich eine Etage tiefer. Das Vier-Speichen-Lenkrad wartet ebenfalls mit vier Glanz-Dekoelementen in X-Form sonnenstrahlähnlich auf. Davon waren die Gestalter offenbar so inspiriert, dass noch mehr solcher Strahlen weiß leuchtend auf der Mittelkonsole erneut aufgegriffen werden. Wow! Demgegenüber mutet der schmale Bildschirm, der ab sofort in die Armaturentafel integriert ist, beinahe schon geradezu alltäglich an. Nicht nachprüfbar im Stand, aber an diesem kühlen Maientag gut vorstellbar: Auch wenn die DS No7 kein Cabrio ist, kann man eine wärmende Nackendusche einschalten. Alles in allem sieht man, dass erneut viel Detailverliebtheit in die gesamte Gestaltung geflossen ist – hochwertige Materialien wie das DS-bekannte Leder von bayerischen Kühen: Ehrensache. Umso seltsamer finden wir, dass DS doch tatsächlich zur 08/15-Schaltkulisse des Stellantis-Konzerns gegriffen hat. Ups!       

In der zweiten Reihe sitzt man mit bequemer Bein- und Kopffreiheit, insbesondere dann geht es luftig zu, wenn das Panorama-Glasdach den Blick nach oben frei gibt. Durch den hoch bauenden Fahrzeugboden passt es gerade so mit der Schenklauflage im Fond. Keine Sorge, man thront dort nicht wie der Affe auf dem Schleifstein. Einen Tick mehr Platz für die Füße unter den Vordersitzen wäre hingegen ganz angenehm. Im Kofferraum geht es je nach Antriebsvariante mit 500 bis 560 Liter Volumen recht manierlich zu – umgeklappte Rückenlehnen führen zu  einer nahezu ebenen Ladefläche.

Reichweiten zwischen 550 und 1000 Kilometer. Die Antriebspalette hält einen Mildhybriden als preisliche Basisversion ab 47.700 Euro und drei komplette E-Tense-Elektroversionen zum Einstiegspreis ab 56.300 Euro parat. Der frontgetriebene Hybridler nimmt offensichtlich die Rolle eines Lockvogels für leistungsgenügsame Naturen ein, die mit einem 1,2-Liter-Dreizylinderbenziner und 48-Volt-Technologie an Bord und somit einer Systemleistung von 145 PS/107 kW zufrieden sind. Soweit die technischen Daten derzeit bekannt sind, wartet er mit einem Drehmoment von 230 Newtonmeter sowie einem Normverbrauch von 5,3 Liter (119 g CO2/km) auf. Reichweitenfüchse aufgepasst: Er soll mit seinem 55-Liter-Tank rund 1000 Kilometer weit kommen. Dem Vernehmen nach wird noch ein weiterer Hybridantrieb nachgeschoben – zum Einstöpseln in die Steckdose ist es dann ein Plug-in-Hybridler.

Die batterieelektrischen Ausführungen halten zwei Fronttriebler mit Leistungen von 230 PS/169 kW und 245 PS/180 kW bereit. Der zweitgenannte Stromer trägt den Zusatz Long Range, da er mit einer Reichweite bis zu 740 Kilometer 200 Kilometer mehr zu bieten hat als der etwas schwächere Basis-Stromer. Die Leistungskrone trägt der allradgetriebene dritte Elektriker mit 350 PS/257 kW, wobei er laut Werksangaben bis zu rund 680 Kilometer weit kommen soll. Ein kleiner Schatten huschte bei der ersten Präsentation über die Gesichter der Zuhörerschaft, da es aufgrund des 400-Volt-Systems nicht gerade zu pionierhaften Werten beim Stromschlürfen kommen kann. So markiert in der Spitze 160 kW das Ende der Lade-Fahnenstange. Mit anderen Worten: Von 20 bis 80 Prozent sind die beiden Long- Range-Stromer in 27 Minuten zu befüllen. Wer zur erweiterten E-Tense-Ausführung greifen möchte, ist ab 61.700 Euro dabei. Kommen dann noch Allradantrieb und die insgesamt 350 Pferdestärken hinzu, steht die DS No7-Göttin ab 66.000 Euro galoppierbereit. Der DS No7-Marktstart ist für den kommenden Herbst vorgesehen.


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