Camper für Vier mit Aufstelldach

Für Kurzurlaub oder längere Ferien: Der fast fünf Meter lange Citroen Holidays ist mit Aufstelldach, Küchenzeile, vier Schlafplätzen und Dieselmotor bestückt. Sein Einstiegspreis: 50.290 Euro.    

Von Gundel Jacobi

Abenteuertour im französischen Camper. Freizeitmobile gibt’s wie Sand am Meer. Nicht nur in der Sommerzeit drängt sich dieser Eindruck auf. Dabei sind es keineswegs nur Pkw mit Wohnanhängern oder ausgewachsene Reisemobile mit über sieben Metern Länge, die dies- und jenseits der Alpen auf zivilisierte Abenteuertour gehen. Auch die Gruppe der etwas übersichtlicheren Camper hat enorm zugelegt: Zusätzlich zu Fahrzeugen wie Ford Nugget, VW California und Mercedes Marco Polo gibt es mittlerweile auch auf Citroen Spacetourer-Basis den Holidays. Er bietet in der handgeschalteten Version einen vergleichsweise unschlagbaren Einstiegspreis von 50.290 Euro. In der hier getesteten stärkeren Automatik-Ausführung kostet er ab 53.290 Euro zuzüglich wunschgemäßer Max-Paket-Ausstattung für weitere 6.800 Euro, womit er die 60.000-Euro-Grenze knackt.          

Pkw-Komfort samt leichtfüßigem Rangieren. Knapp fünf Meter lang – in der Breite und Höhe streckt sich der Max-Holidays auf gut zwei Meter. Das flößt auf den ersten Blick durchaus Respekt ein, und man tastet sich langsam an enge Durchfahrten heran. Auch der Wendekreis von 12,9 Meter will in der Praxis erprobt werden. Da bleibt ein Zurücksetzen bei manchem Manöver unausweichlich. Und dennoch: Der Holidays lässt sich erstaunlich leichtfüßig rangieren. Was sofort auffällt und auch nach der 2000-Kilometer-Testtour gilt, ob entlang der Autobahn oder auf kurvenreichen Bergstrecken, selbst in beängstigend schmalen Dorfgassen – in seinem ganzen Verhalten befindet sich der Wagen auf komfortablem Pkw-Niveau. Übliche Systeme wie Klimaautomatik, Berganfahrhilfe, Tempomat und USB-Anschlüsse sind serienmäßig an Bord, weitere Helfer können hinzugebucht werden. Der Motor mit 180 Pferdestärken und 400 Newtonmetern zeigt sich erwartungsgemäß durchzugskräftig, die Achtstufen-Automatik wechselt die Gänge unauffällig, das Fahrwerk dämpft milde, die Lenkung ist feinfühlig. Sogar nach einem zapfigen Achtstunden-Tag im Freizeitmobil entlassen einen die Sitze ohne nennenswerte Verspannungen in den Gehwerkzeugen und der Wirbelsäule bis in die Schultern hinein.

Sobald die Hydraulik greift: ein Kinderspiel! Nach der Standortsuche und der erfolgreichen Wahl eines gemütlichen Platzes kommt die Etappe des häuslichen Einrichtens: Zugegeben, man muss sich nach einer langen Fahrt schon ein bisschen aufraffen, um alles Notwendige noch hin- und herzuräumen. Deshalb soll möglichst schnell die innere Stehhöhe erreicht werden, indem das Dach nach oben geklappt wird. Selbiges lässt sich im Holidays in jedem Fall nur von Hand erledigen, elektrisch ist dies nicht vorgesehen. Im Prinzip sind die Handgriffe – Schlaufen lösen, Klemmen entriegeln, Zapfen rausdrücken – rasch erledigt, sofern es nicht klemmt. Mehrheitlich gab es jedoch offenbar gewisse Verspannungsprobleme – auf einer Seite des Öffnungsmechanismus. Diese lösten sich auch nach gut drei Dutzend Mal öffnen und schließen nicht in Luft auf. Mit einem beherzten Bügelstoß drückt man dann das Dach hoch; sobald es in Bewegung ist, hilft die Hydraulik.

Zwei Doppelbetten auf zwei Stockwerken. Klimaeinheit, Steckdosen, Standheizungszentrale und Infos zum Wasserstand sind an der seitlichen Schrankwand direkt im Anschluss an die Küche angebracht. Jene Küchenzeile ist zweckmäßig und gut zugänglich mit großem Spülbecken, zweiflammigem Gasherd und 16 Liter fassendem Kühlschrank. Von der linken Seite der beiden Schiebetüren lassen sich Wasser- und Gasversorgung unter der Küchenzeile bequem von außen managen. Ein Durchstieg nach innen ist dort nicht vorgesehen, lässt sich von schmalen Persönchen aber machen. Dank der drehbaren Vordersitze ist ein gemütliches Beisammensein zusammen mit der zweisitzigen verschiebbaren Rückbank möglich. In der Mitte steht bei Bedarf der Tisch zum Einhaken in die Küchenzeile. Allerdings hat er nur einen Stehfuß, sodass man ihn draußen nicht frei aufstellen kann. Schränke und Schubladen sind im Rahmen der Raumverhältnisse vorhanden – auch wenn man vermutlich immer noch mehr brauchen könnte. Nach Umlegen der Rückbank entsteht ein Doppelbett mit einer Breite von immerhin 1,15 Meter (Länge 1,90 Meter). Dessen beide Verlängerungspolster müssen unter der Sitzfläche der Rückbank hervorgeholt und eingehakt werden. Im Oberstübchen schläft man auf 1,20 x 1,95 Meter. Zwar ist die dortige Auflagenmatte auf Tellerfedern relativ dünn, trotzdem ermöglicht sie für unauffällige Körpermuskulaturen erholsame Ruhepositionen, sobald man nach oben geklettert ist. Fensterflächen in drei Richtungen sorgen für Licht- und Luftzufuhr. Eine Leselampe samt USB-Zugang befindet sich ebenfalls im ersten Stock. Apropos Licht: Die hinteren Fensterflächen sind im Max-Paket stark verdunkelt, was neugierige Blicke auch tagsüber abwehrt. Nächtliche Privatheit bei Kunstlicht im Inneren lässt sich durch keinerlei Rollos an den Fensterscheiben erzeugen, dafür gibt es einzelne Abdeckmatten.

Punktet preislich und platztechnisch. Mit dem Citroen Holidays lässt es sich vortrefflich auf Tour gehen. Die Einrichtung ist im Prinzip zweckmäßig durchdacht; bei dem Konzept bleibt es aber nicht aus, dass man immer wieder umräumen muss. Das untere Bett ist auf Maximalbreite ausgelegt; schade, dass man die Rückbank nicht insgesamt zur Liegefläche ausklappen kann, sondern stets zwei Zusatzelemente einzuhängen sind. Die Schrank- und Küchenzeile ist nahezu tadellos – dass man durch die linke Schiebetür nicht bequem ins Fahrzeug reinkommt, weist auf eine höchstmögliche Staumöglichkeit über die verfügbare Länge hin. Das Abspülbecken ist sehr großzügig bemessen, der Kühlschrank vergleichsweise klein. Manche etwas umständliche Bedienung – wie beispielsweise zu knöpfende Matten statt Fensterrollos – ist zu verschmerzen. Wer kein Problem mit dem nur von Hand zu öffnenden und schließenden Aufstelldach hat, für das es auch für Geld und gute Worte keine Automatik gibt: wunderbar. Das zusätzliche Max-Paket hat sich in der Praxis als höchst hilfreich erwiesen. Auf jeden Fall punktet der Holidays im Fahrkomfort und bietet preislich für verschiedene Geldbeutel faire Lösungen.

Autogramm

Citroen Holidays 180 Automatik Max

Typ: Camper; Preis: 60.090 Euro; Länge: 4,98 Meter; Breite: 2,01 Meter; Höhe: 2,01 Meter; Radstand: 3,28 Meter; Leergewicht: 2310 Kilogramm; Zuladung: 790 Kilogramm; Sitze: vier; Tankinhalt: 70 Liter; Motor: Diesel-Vierzylinder; Hubraum: 1997 Kubikzentimeter; Leistung: 180 PS/ kW132 bei 3750 U/min; Drehmoment: 400 Newtonmeter bei 2000 U/min; Getriebe: Achtstufen-Automatik; Spitze: 170 km/h; 0 auf 100 km/h: 7,9 Sekunden; Normverbrauch: 7,9 Liter Diesel, CO2-Ausstoß: 208  Gramm/km, Testverbrauch: 9,4 Liter.

Das Max-Paket enthält:

• 17-Zoll-Leichtmetallfelgen „Phoenix“ Silber-Schwarz glanzgedreht mit   Sommerreifen

• Connect Paket inklusive MyCitroën Drive

• Einparkhilfe hinten und vorne akustisch

• Rückfahrkamera 180° Rundumsicht

• Heckscheibe separat zu öffnen

• Heck- und Seitenscheiben hinten extra-dunkel getönt

• Induktions-Ladung für Smartphones

• 2 Schienen für Seitenmarkise

• Thermomatten (Windschutzscheibe und Kabine)

• Programmierbare Zusatzheizung

• Außendusche (18 l Kaltwasser)

• Herausnehmbare Toilette

• Herausnehmbare Küchenzeile

• 230V-Steckdose innen

• 230V-Steckdose außen (Stromeingang)

• Sonnenkollektor auf dem Dach (120W)


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