Schneller laden, weiter fahren

Im Frühsommer 2022 wurde der Mégane, Renaults einstiges Brot-und-Butter-Auto in der Kompaktklasse, auf vollelektrischen Antrieb umgestellt. Ein Verkaufsrenner wurde er nicht – 100.000 Stück binnen vier Jahren in ganz Europa lassen noch Luft nach oben. Vor allem Reichweite und Ladedauer können nach aktuellen Ansprüchen nicht mehr überzeugen. Es war also höchste Zeit für eine gründliche Überarbeitung.

Von Detlef Schollmeier

Wie bei den meisten Modellpflegen blieb das Blechkleid des 4,20 Meter langen Autos unangetastet, weil neue Pressformen teuer sind. Die Bugpartie wurde bis auf die Scheinwerfer geändert: Stoßfänger, Lufteinlässe, die Lichtsignatur und das Logo. Nach Hyundai und Fiat hat man jetzt bei Renault das Pixel-Design entdeckt. Auch die Heckschürze sieht anders aus. Technisch wurden Federn und Dämpfer modifiziert sowie die Lenkung neu abgestimmt. Der Wagen misst nun 1,52 Meter in der Höhe, zwei Zentimeter mehr als bisher.

Akku und Reichweite vergrößert. Die größten Veränderungen zeigen sich in der Batterietechnik. Die Lithium-Eisen-Phosphat-Batterie (LFP) lieferte bisher mit netto 60 kWh eine eher unterdurchschnittliche Reichweite, und zum Laden musste man ausreichend Zeit mitbringen. Renault hat dem Mégane eine größere Antriebsbatterie spendiert, was zu einer etwas höheren Reichweite und schnelleren Ladezeiten führt. Die LFP-Batterie besitzt in dieser Ausführung einen Energieinhalt von netto 67 kWh. Damit ist die WLTP-Reichweite von 470 auf 500 Kilometer gestiegen.

Die Zellen liefert Samsung, die Batterien werden in Frankreich zusammengebaut. Auch bei Renault hat die Cell-to-Pack (C2P) und Pouch-to-Cell (P2C)-Anordnung Einzug gehalten. Hierbei werden die einzelnen wabenartigen Pouch-Zellen nicht erst gebündelt, sondern gleich in das Gehäuse eingesetzt. Vorteile sind eine höhere Energiedichte, Gewichtsersparnis und niedrigere Produktionskosten. Nachteilig könnte sich auswirken, dass Einzelzellen nicht mehr ausgetauscht werden können. Nötig ist zudem ein aufwändigeres Wärme-Management, da die Pouch-Zellen eng nebeneinanderstehen. Auch das Recycling ist bis jetzt ungelöst, da Pouch-Zellen in der Regel geklebt und nicht mehr verschraubt sind. Der Mégane E-Tech kann nun mit 165 kW in der Spitze an Gleichstrom-Schnellladern eingstöpselt werden, vorher waren es nur magere 130 kW. Der Ladevorgang von 15 auf 80 Prozent verbessert sich um ein Viertel auf 24 Minuten, wobei sich der Akku über die Navigation vorklimatisieren lässt.

Künstliche Intelligenz zur Vereinfachung. Ein Mehr an Komfort bedeutet beim Renault Mégane E-Tech eine deutlich verbesserte Konnektivität. Sie soll gerade E-Mobil-Neulinge leichter an die Technik heranführen, denn für etwa zwei Drittel der Käuferinnen und Käufer ist der Mégane E-Tech ihr erstes Elektroauto. Dabei setzt Renault verstärkt auf Google: Das bis jetzt verfügbare Google R-Link-Multimedia-System wird noch einmal verbessert. Ab der zweiten Jahreshälfte soll Google Gemini, die aktuelle KI von Google, Over-the-Air, also drahtlos installiert werden. Das bedeutet einen Mehrwert ohne Zusatzkosten.

Die Fähigkeiten der bisherigen ChatBOT-Technologie werden dabei deutlich erweitert. Über Sprachbefehle können dann nicht nur mehr Funktionen des Wagens gesteuert werden, sondern viele weitere Apps und Google-Dienste. So soll die Fahrt angenehmer und einfacher gestaltet werden. Google Gemini ist in der Lage, mehrere Anfragen zu verknüpfen und entsprechende Antworten zu liefern. Renault verspricht sich davon weniger Ablenkung beim Fahren. Für die ersten drei Jahre sind diese Funktionen kostenlos. Sie beinhalten pro Monat 40 Stunden Audio-Streaming oder drei Stunden Video-Streaming – alles ohne Smartphone-Einsatz. Zu den erweiterten Elektronik-Fähigkeiten zählt auch die My-Renault-App. Sie erweitert das Cockpit und ermöglicht, aus der Ferne mit dem Fahrzeug in Verbindung zu bleiben. Jetzt können vom Smartphone aus Routen geplant werden, Lademöglichkeiten, Verfügbarkeit und Preisinformationen in die Planung einfließen. Das Navigtionssystem bekommt alle zwei Wochen ein kostenloses Update.

Bei der Modellvielfalt reduziert Renault: Von den vier Varianten bleiben nur Techno und Esprit Alpine im Angebot, die aber umfangreicher ausgestattet sind. Als Leistungsdaten des überarbeiteten Renault Mégane E-Tech nennt der Hersteller wie bisher 218 PS/160 kW, 300 Newtonmeter Drehmoment und eine abgeregelte Spitze von 160 km/h. Die ersten Exemplare werden im Herbst ausgeliefert, einen Preis wollte Renault bei der Vorstellung im Stand noch nicht nennen.


Veröffentlicht

in

,

von