Fröhlich ist Trumpf!

Viele Jahre winkte man bei Citroen ab: Es wird keinen neuen 2CV geben. Jetzt haben die Franzosen ihre Meinung geändert, denn die Ikone wird neu aufgelegt, und das Concept-Car wurde als Weltpremiere enthüllt. Frisch, putzig und fröhlich sieht sie aus – die Ente. Einen zeitlichen Haken gibt es aber.

Von Gundel Jacobi

Porträt von Gundel Jacobi

Puuuuuh – noch bis 2028 warten! Spätestens dann nämlich soll die nun erstmals gezeigte neumodische Elektro-Ente das Straßenbild verschönern, und erst bei der Markteinführung wird man wirklich wissen, wie das Serienfahrzeug aussieht. Das Concept Car 2CV ist jedenfalls vielversprechend, und das liegt nicht nur an der quietsch-orangenen Außenfarbe und dem ebenso fröhlich quietschenden Sonnengelb im Interieur. Grandios ist obendrein, dass mit einer verbrieften Länge von 3,76 Meter die Außenmaße nicht explodieren und nicht etwa am Ende eine aufgeblähte Ente daherwatschelt.

Kleiner Rückblick gefällig? 1948 wurde der Citroen 2CV auf dem Pariser Automobilsalon enthüllt und elf Jahre nach seinem offiziellen Verkaufsstart in Deutschland mit dem einprägsamen Namen „die Ente“ aus dem Volksmund belegt. Daran sollte sich auch bis zum Produktionsende 1990 nichts ändern. Die Ente hat unzählige Menschen erfreut, die mit schmalem Geldbeutel mobil sein wollten – und wer aus diesen Generationen kann sich nicht daran erinnern: Jeden Morgen stellte sich namentlich im Winter die Frage, nach wie vielen Versuchen der Zweizylinder-Motor anspringen würde. Ohne ins Detail zu gehen, Entenbesitzer galten als gemütlich, glücklich, individuell und auf ewig jung im Geist.    


Spätestens als der VW New Beetle Ende der 1990er Jahre im Retro-Stil die Herzen der Käfer-Freunde wiedergewinnen wollte, gab es flehentliche Enten-Stimmen, die jedoch allesamt verpufften. Selbst die Einführung des Renault R5 in Neuauflage des einstigen R5-Klassikers vor zwei Jahren erweichte die französischen Citroen-Kollegen nicht. Oder vielleicht doch? Sei‘s drum, wer wann das Startsignal gegeben hat: Jedenfalls wurde vor kurzem der Pariser Automobilsalon zur Bühne der großen Enten-Premiere – und dem damit verbundenen Versprechen, das weithin als sympathisch geltende Federvieh mit Elektrokraft einer zukunftsorientierten Zielgruppe mit Hang zur Nostalgie anzubieten. Vorerst noch als braves Konzeptauto – ohne Antrieb und schon gar nicht mit technischen Daten und Fakten, die aktuell einem Blick in die Kristallkugel gleichen würden. Trotzdem trat eben diese Ente, die in Paris allen anderen die Schau gestohlen hatte, von dort aus direkt die Reise in ein Münchener Studio an, wo wir sie in Ruhe in Augenschein nehmen konnten. Citroen Deutschland-Geschäftsführer Thomas Goldboom weist jedenfalls bei der Zurschaustellung der vor weißen Wänden in Szene gesetzten Französin auf vier Rädern auf deren augenscheinlich markante Seriennähe hin, was wahrscheinlich nicht nur Wunschdenken ist. Denn in der Regel werden neue Karosserieentwürfe zwei Jahre vor Serienbeginn äußerlich eingefroren.

Spannend: Auf den ersten Blick ist die ursprüngliche Ente wiederzuerkennen. Es sind Merkmale, die konsequent verändert und weiterentwickelt wurden, aber dennoch jene Silhouette entstehen lassen, deren Zutaten so typisch für diese Ikone sind: Kugelform mit Faltrolldach, rundlich aufgesetzte Scheinwerfer, Lufteinlässe unter der steil stehenden Windschutzscheibe sowie die Tür- und Kofferraumgriffe. Das Staufach ist übrigens im Studio nicht zu öffnen. Was sich wohl dahinter verbirgt?   

Im Inneren saugt einen erst mal ein hinreißend gelber Farbton auf – egal, ob man diese Schattierung im wirklichen Leben mag oder nicht. Der Rest ist schnell erfasst und ein erneut wesentlicher Teil des 2CV-Konzepts: Minimalistisch-fröhlich ist Trumpf! Eine Sitzbank vorne und eine hinten, Schlaufen zum Zuziehen der Türen, Pedale, Lenkrad und Bedieneinheit samt Bildschirm sowie unterhalb der Windschutzscheibe ein breites Band für Bordinfos, alles ohne Schnickschnack, auf der Beifahrerseite gibt’s ein Radio und zwischen den Sitzen ersetzt offenbar eine Art stabiler Korb aus hippem leichtem Material die Mittelkonsole. Ein Gag, der zwangsläufig augenzwinkernd auf den Baguette-Korb in Renault-Retro-Modellen Bezug nimmt: Auf dem Korbdeckel ist ein vertieftes Fächlein fürs Croissant. Nicht zuletzt wegen fehlender Kopfstützen darf an der 1:1-Umsetzung dieses Innenraums gezweifelt werden. Darauf kommt es in diesem Stadium aber auch nicht an.

Fakt ist: Die Ente drängt zurück ins Leben. Bunt, stromernd und – aufgepasst: finanziell erschwinglich. Dies könnte ein Garant dafür sein, dass in vielen Bereichen strikt Maß gehalten werden muss. Denn einen Einstiegspreis von rund 15.000 Euro verkündet Citroen bereits jetzt als gesetzt. Dies werden wir uns genau merken und dieses vollmundige Versprechen der Verkaufsstrategen an ihren künftigen Taten messen. Klar kann man ein abgespecktes Basismodell auflegen, das häufig mit dem Begriff „pur“ positiv verbandelt wird. Zusätzliche Pakete, die mit größeren Batterien, Komfortausstattungen und speziellen Extras den Preis nach oben schnellen lassen, sind keine Seltenheit. Aber um sich eine gewisse Glaubwürdigkeit von Anfang an zu verdienen, sind die Marketing-Fachleute gut beraten, das Konzept der bezahlbaren Mobilität im Auge zu behalten.


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