Nicht aufgeregt, sondern stimmig geordnet

Das kleine SUV aus dem französischen Peugeot-Stall sticht wohltuend aus der Masse mehr oder weniger gesichtsloser Wettbewerber heraus. Es gibt den 2008 entweder als komplett batterieelektrisches Fahrzeug oder als Benziner in zwei Leistungsklassen – die höhere davon trägt den Zusatz Hybrid. Diesen mildhybridisierten Antrieb mit 145 aktivierbaren Pferdestärken haben wir getestet.    

Von Gundel Jacobi

Was ist das für ein Auto? Man braucht sich in einer ruhigen Minute nur mal vor die Bugpartie stellen: welch eine Ansammlung von waagerechten und hochkantigen Linien! Das Beste daran ist, dass alles zusammen nicht aufgeregt wirkt, sondern wie eine geordnete Fläche mit stimmig sortierten Elementen erscheint. Denn der zweigeteilte Kühlergrill harmoniert aufs Feinste mit den Leuchten einschließlich vertikaler Tagfahrleuchten. Spätestens beim Rundgang um den 2008 sticht ein zweites Merkmal ins Auge – rote Karosserie mit schwarz lackiertem Dach. Muss das sein? Ja! Und nein. Sagen wir mal so: Wer ein Herzblatt in Kleid und passendem Hut haben möchte, wird damit glücklich sein. Es ist einfach eine Frage des Stils. Im unteren Bereich rundum kunststoffbemantelt steht der in ausgeprägter Keilform gezeichnete Wagen wuchtiger da, als er tatsächlich ist – in einer Länge von 4,30 Meter und der vergleichsweise zahmen Breite von 1,78 Meter ohne Außenspiegel. Soweit seine äußeren Werte.    

Wie fühlt man sich in diesem Auto? Stichwort wuchtig: Anfangs ist es tatsächlich beim Einsteigen passiert, dass wir das Dach leicht berührt haben. Das kann nur daher rühren, die Höhe das Autos überschätzt zu haben. Im Laufe der Zeit funktionierte es geschmeidig ohne kleine Kopfnuss. Kaum sitzt man drin, wird man von der Schaltzentrale am Steuer positiv eingenommen. Das sogenannte i-Cockpit, das ein kleines Lenkrad mit hoch angesetztem Instrumententräger kombiniert, ist im Prinzip blickfreundlich und handlich konstruiert – auch wenn je nach Sitzposition es passieren kann, dass der obere Teil des Lenkradkranzes die ungetrübte Sicht auf die eine oder andere Information einschränkt. Untadelig ablesbar ist der zentrale Bildschirm in der Mitte der Armaturentafel. Darunter blasen die Luftausströmer, und eine weitere Etage tiefer sitzen ungewöhnlich stark konturierte Direktzugriff-Schalter sowie ein klobiger Lautstärkeregler. Hier ist auch die Bedieneinheit für den Monitor angebracht – mit berührungsempfindlichen Flächen. Die kleinteilige Fahrstufen-Schaltkulisse à la Stellantis-Konzern sitzt auf der Mittelkonsole unterhalb zweier Ablageflächen. Der Fond wird bei den Tests ja häufig ein bisschen stiefmütterlich bedacht, da er vor allem mit statischen Sitzproben Vorlieb nehmen muss. Wir haben uns auch in diesem Fall ein bisschen in der zweiten Reihe gereckt und gestreckt – ohne besondere Auffälligkeiten in Sachen Bequemlichkeit. Die hohe Gürtellinie gibt einerseits ein Gefühl der Geborgenheit, nimmt aber auch etwas helle Fensterfläche weg. Beim Kofferraum bemängeln wir die Ladekante in 74 ZentimeterHöhe: Ufftata! Das ruft man bei schweren Gegenständen nach dem Hineinwuchten. Flaches Transportgut kann unter dem herausnehmbaren doppelten Ladeboden untergebracht werden. Die Rücksitzlehnen lassen sich im Verhältnis 40:60 nach vorn umlegen, wobei eine nahezu ebene Fläche entsteht.

Welchen Antrieb hat das Auto? Der getestete 2008 trägt zwar den Zusatz Hybrid, womit in diesem Falle aber nur ein mildhybridisierter Antrieb gemeint ist. Das heißt, der 1,2-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner mit 136 PS/100 kW leistet die Hauptarbeit, wohingegen der 21 PS starke E-Motor vornehmlich das Anfahren übernimmt und sich bei Beschleunigungsspitzen zuschaltet. Kurzfristig kann man im Stadtverkehr beim Ein- und Ausparken kleine Manöver elektrisch absolvieren. Auch bei Staufahrten gelingt dies. Für weitere Leistungsanforderungen ist die Pufferbatterie viel zu klein. Nur unter Strom hört man – nichts. Sobald sich der Dreizylinder dazuschaltet, ist dies gut zu vernehmen. Wir waren bei höheren Geschwindigkeiten viel über Land unterwegs und ermittelten einen Testverbrauch von 6,1 Liter. Das Sechsstufen-Doppelkupplungsgetriebe ist für eine alltäglich geruhsame Kraftübertragung völlig in Ordnung. Manchmal ruckelt’s ein bisschen, wenn sich der E-Motor hinzuschaltet oder vom Acker macht, aber da muss man schon spitzfindig an die Sache rangehen. Wer immer noch den jahrzehntealten Ruf französischer Fahrwerksabstimmungen im Kopf hat, wird beim 2008 eines Anderen belehrt. Der Wagen ist nicht unkomfortabel abgestimmt, tendiert jedoch eindeutig zur strafferen Gangart.

Was bietet einem dieses Auto? Die Einstiegsvariante mit 100 PS/74 kW und sechs handgeschalteten Gängen ist ab 28.540 Euro erhältlich. Entscheidet man sich für die von uns getestete Hybrid-Version mit 145 PS/107 kW und Sechsstufen-Doppelkupplungsgetriebe, dann beginnt die Preisliste bei 33.510 Euro. Im Falle des 2008 Hybrid schraubt sich der Preis mit fünf Ausstattungen nach oben. Wir hatten die höchste namens GT Exclusive zur Verfügung. Damit schlägt der Wagen mit 40.220 Euro zu Buche. Darin enthalten sind unter anderem folgende Merkmale: Zweifarblackierung, Alcantara-Kunstleder-Sitze, elektrisch verstellbarer Fahrersitz mit Massagefunktion, Sitzheizung vorn, Totwinkelassistent und Spurhalter, Rückfahrkamera mit 360-Grad-Umgebungssicht, adaptiver Tempomat, induktive Handy-Ladestation. 

Was ist uns besonders aufgefallen? Der Peugeot 2008 Hybrid neigt zu kleinen Denkpausen: Ein kurzer Druck auf den Startknopf bewirkt keine unmittelbare Bereitschaft zum Lostraben. Dies vermittelt er deutlich durch die Nicht-Bereitschaft der Fahrstufenwahl D. Entweder muss man länger auf dem Startknopf bleiben oder eben ein kurzes zweites Mal drücken. Auch die Monitorreaktion beispielsweise zur Navi-Eingabe dauert deutlich länger als der menschliche Eingabewille. Da steckt womöglich ein bisschen französisch entspannte Lebensart dahinter – und nicht ein Zackeldihopp-los-geht’s-Verhalten, wie man es früher den Deutschen zuschrieb. Was hingegen in Nullkommanichts funktioniert, ist die Sitzheizung – und zwar volle Pulle!  

Autogramm

Peugeot 2008 Hybrid 145 e-DSC6 GT Exclusive

Typ: Kompakt-SUV; Preis: 40.220 Euro; Länge: 4,30 Meter; Breite: 1,78 Meter; Höhe: 1,55 Meter; Radstand: 2,61 Meter; Leergewicht: 1623 Kilogramm; Zuladung: 407 Kilogramm; Kofferraum: 434-1467 Liter; Sitze: fünf; Tankinhalt: 44 Liter; Motor: Otto-Dreizylinder; Hubraum: 1199 Kubikzentimeter; Leistung: 136 PS/100 kW bei 5500 U/min; Drehmoment: 230 Newtonmeter bei 1750 U/min; Elektromotor: 21 PS/16 kW; Drehmoment: 51 Newtonmeter; Systemleistung: 145 PS/107 kW; Getriebe: Sechsstufen-Doppelkupplung; Spitze: 206 km/h; 0 auf 100 km/h: 8,3 Sekunden; Normverbrauch (WLTP): 5,0 Liter Super, CO2-Ausstoß: 113 Gramm/km, Testverbrauch: 6,1 Liter.


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