


Zurück zur Vernunft
Viele warten auf das Ende der SUV-Welle, die mit großer Stirnfläche und hohem Gewicht den Verbrauch in die Höhe treibt – ganz gleich, ob Benzin, Diesel oder Strom. Da kommt die Modellpflege des kompakten Peugeot 308 und seines SW-Kombis gerade recht.
Von Bernd-Wilfried Kießler
Die Peugeot-Marktforscher haben für das erste Halbjahr 2025 bei ihrer Kundschaft eine Veränderung der Kaufentscheidungen wahrgenommen: Vermehrt steigen Familien und Paare vom SUV auf Kompaktkombis und Steilheck um. Zudem ist der Peugeot 308 für viele der einzige Wagen im Hause, dient also für alle möglichen Einsatzzwecke. Die aktuelle Modellpflege betrifft die dritte 308-Generation, die seit 2022 auf dem Markt ist und sich im Stellantis-Konzern die Plattform mit dem Opel Astra und dem DS Nr.4 teilt. Peugeot fächert weiterhin viele Antriebsarten auf: 48-Volt-Hybrid, Plug-in-Hybrid, vollelektrisch und Diesel.
Verfeinert. An allen Antriebsarten wurden Verfeinerungen vorgenommen. So hat etwa die Pufferbatterie im Plug-in-Hybrid jetzt 17,2 Kilowattstunden Energieinhalt. Damit kommt man elektrische 81 Kilometer weit, was immerhin 20 Kilometer mehr als im Vorgänger sind. Im vollelektrischen Peugeot E-308 beträgt der Energieinhalt des Akkus 55,4 Kilowattstunden, vier Kilowattstunden mehr als bisher, was zu einer Normreichweite nach WLTP von 450 Kilometern führt. Die Einführung von Vehicle-to-load (V2L) ermöglicht ab sofort, den Elektrowagen als Stromquelle für Gartengeräte, Werkzeuge oder sonstige Wechselstrom-Geräte zu nutzen. Ab Frühjahr 2026 beherrscht die 308-Elektrovariante das System Plug & Charge: Die Ladesäule erkennt dann beim Einstecken des Ladekabels bei entsprechendem Vertrag und passender Säule den Wagen, gibt den Strom frei und rechnet automatisch ab. Eine Ladekarte braucht man nicht mehr.
Außen/Innen. Über die gesamte erneuerte 308-Modellpalette erstrecken sich Änderungen wie etwa sogenannte Air Curtains („Luft-Vorhänge“), die Verwirbelungen im Bereich der Vorderräder vermindern und ebenso wie verbesserte Felgen zur Verbrauchssenkung beitragen. An Bug- und Heckpartie durften die Designer neue Eindrücke für die Betrachter schaffen. Die Zeit der Säbelzahn-Tagfahrlichter ist schon länger vorbei. Sie vermittelten zwar einen hohen Wiedererkennungswert, gefielen aber nicht allen. Derzeitiger Blickfang ist der Kühlergrill, der sich auffächert, als ob ein Pfau ein Rad schlägt.
Innen gibt natürlich das Peugeot-typische i-Cockpit mit kleinem Lenkrad und wesentlichen Armaturen darüber Auskunft über diverse Fahrzustände. Neben einem neuen zehn Zoll großen Bildschirm werden so genannte i-Togels eingeführt. Das sind fünf echte Tasten, die mit verschiedenen Funktionen belegt werden können, um nicht alles über den berührungsempfindlichen Bildschirm zu steuern.
Unterwegs. Auf einer ersten Testfahrt nahmen wir den Peugeot E-308 als Steilheck in der GT-Ausstattung unter die Lupe. GT steht für eine nahezu vollständige Ausstattung, etwa Sitze mit AGR-Gütesiegel, Matrix-LED-Scheinwerfer, schlüsselloser Zugang, Navigationssystem mit Kartenaktualisierung über das Internet und vielem mehr; wir haben nichts vermisst. Der Wagen fährt im positiven Sinne unspektakulär. Seine Lenkung ist angenehm direkt, das Fahrwerk federt und dämpft Unebenheiten wie Kanaldeckel und schlechte Fahrbahnoberflächen ordentlich weg. Insgesamt ist der Wagen eher komfortabel abgestimmt. Dazu passen die verschiedenen Fahrprogramme, die eher zu entspanntem Fahren verleiten.
Selbst in der Fahrwerkabstimmung Sport ist die Agilität begrenzt. Bei flotter gefahrenen Streckenabschnitten reagiert der Wagen sowohl bei kurzen wie langen Kurvenradien leicht übersteuernd. Das Heck wird aber jederzeit durch das ESP wieder eingefangen. Die Bremsen sind gut dosierbar, bei schneller Betätigung des Bremspedals reagieren sie sogar ausgesprochen scharf. Beim Abbremsen und Ausweichen an einem unvorhergesehenen Hindernis hinterließ der Peugeot E-308 jedenfalls einen guten Eindruck. Die Rundumsicht ist zumindest in dem von uns gefahrenen Steilheck gut.
Verbrauch. Wir waren überwiegend in der Einstellung Eco unterwegs. Nach unserer ruhig gefahrenen Testrunde über 141 Kilometer Landstraße, Stadt und Autobahn notierten wir eine angezeigte Restreichweite von 280 km. Auf der Landstraße wurde das Fahrpedal bei Überholvorgängen kräftig gedrückt, auf der Autobahn hielten wir uns an Geschwindigkeiten nicht über 120 km/h. Bis zu diesem Tempo sind die Fahr- und Windgeräusche erfreulich leise. Die Temperatur lag bei etwa 18 Grad. Unter diesen Bedingungen erreichten wir fast die WLTP Reichweite: Wir wären mit einer Batterie-Ladung etwa 420 Kilometer weit gekommen. Noch immer kann der Peugeot E-308 nur mit höchstens 100 Kilowatt geladen werden, im weiteren Verlauf lässt die Ladeleistung schnell nach. An einer entsprechenden Ladesäule kommt man in etwa 32 Minuten von 20 auf 80 Prozent. Das können die meisten Wettbewerber mittlerweile besser.
Preise. Sie beginnen für den überarbeiteten Peugeot 308 beim Steilheck für den Hybrid in der einfachen Style-Ausstattung bei 34.110 Euro und erreichen bei der Elektroversion in der besten Ausstattung GT Exklusive 49.690 Euro. Der 27 Zentimeter längere SW-Kombi mit 225 Liter größerem Stauraum kostet jeweils einen Tausender mehr. Die Garantie ist mit acht Jahren und bis zu 160.000 Kilometer rekordverdächtig,
Autogramm
Peugeot E-308 Style
Typ: Kompaktwagen; Preis: 42.435 Euro; Länge: 4,37 Meter; Breite: 1,85 Meter; Höhe: 1,44 Meter; Radstand: 2,68 Meter; Leergewicht: 1749 Kilogramm; Zuladung: 361 Kilogramm; Sitze: fünf; Batterie: Lithium-Ionen; Batteriekapazität: 55,4 Kilowattstunden; Leistung: 156 PS/115 kW; Drehmoment: 270 Newtonmeter; Reichweite (WLTP): 450 Kilometer; Normverbrauch (WLTP): 15,6 Kilowattstunden auf 100 Kilometer; Anhängerbetrieb: nicht möglich; Stützlast für einen Fahrradträger an der Anhängerkupplung: 80 Kilogramm.

(Foto: Peugeot)

(Foto: ds)

