Das Auto, das es gar nicht geben sollte

Im Sommer 2024 lief der Fiat 500 mit mildhybridem Benzinmotor aus. Ein Nachfolger mit Verbrennungsmotor war nicht geplant – die Italiener setzten auf den 2020 eingeführten 500 Elektro. Aber es kam anders.

Von Bernd-Wilfried Kießler

Was ist das für ein Auto? Wir kennen den aktuellen 500 als Elektro aus dem Straßenbild. Der neue 500 Hybrid gleicht ihm äußerlich völlig. Wir kennen auch seinen Antriebsstrang – aus dem Panda: Hier wie dort arbeitet ein mild hybridisierter Einliter-Dreizylinder mit 65 PS/48 kW, den ein elektrischer Startergenerator beim Anfahren und Beschleunigen unterstützt. Das vergleichsweise bescheidene Drehmoment von 92 Newtonmeter soll durch sechs handgeschaltete Gänge etwas in Vergessenheit geraten, mit denen man immer in günstigen Drehzahlen unterwegs sein kann. Mit einer Außenlänge von 3,63 Meter sind die Konkurrenten der beiden Fiats schnell genannt: Hyundai i10 und Kia Picanto aus Korea, dazu die vollelektrischen Dacia Spring und Leapmotor T03. Den Fiat 500 Hybrid gibt’s Anfang 2026 als Dreitürer mit festem Dach und mit weit nach hinten reichendem Verdeck als Cabrio-Limousine. Die 3+1-Karosserie mit zwei Türen auf der rechten Seite, mit welcher der Elektriker angeboten wird, soll in Deutschland mit Hybrid-Motorisierung noch im ersten Quartal nachgeschoben werden.

Wie fühlt man sich in diesem Auto? Der Einstieg auf die Vordersitze gelingt dank 1,53 Meter Dachhöhe aufrechten Hauptes. Nach hinten – ein wesentlicher Grund für die Tatsache, dass Dreitürer fast vom Markt verschwunden sind – sind die Beherrschung von Kletterkunst und Akrobatik günstige Voraussetzungen für Zustieg und Verlassen. Der 3+1er wäre ein Kompromiss, auch wenn sich die zweite Tür für die Hinterbänkler auf der Fahrbahnseite befindet. Die Armaturentafel aus Kunststoff ist in Wagenfarbe lackiert – eine Erinnerung an den Ur-500er; allerdings war diese Fläche damals aus Blech. Im Gegensatz zum Panda, in dessen zweiter Reihe wahlweise zwei oder drei Personen – letztere mit Tuchfühlung – sitzen können, ist der 500 als Viersitzer ausgelegt. Der Platz im Kofferraum hinter der großen Klappe mit Dachkantenspoiler reicht für einen Wochenendausflug zu zweit; wenn’s länger auf Reisen gehen soll, muss die hintere Lehne vorgeklappt werden.

Was bietet das Auto? Der 500 der neueren Zeit seit 2007 war noch nie ein Schnäppchen: Fiat ließ sich das putzige Äußere mit einem kräftigen Hauch Nostalgie schon immer gut bezahlen – und blieb dabei immer noch deutlich unter dem Mini, der die gleichen Gefühle anspricht. Die Preise beginnen bei 19.990 Euro für die Pop-Ausstattung und schwingen sich bis auf 24.990 Euro für den La Prima. Jeweils 3000 Euro mehr kostet die Cabrio-Limousine mit weit nach hinten öffnendem Dach. Die zweite rechte Tür der 3+1-Ausführung wird mit 1000 Euro veranschlagt. Schon das Einstiegsmodell hat in Sachen Sicherheit unter anderem automatische Notfallbremse, Tempomat, Verkehrszeichenerkennung, Spurhalteassistent, Parkpiepser hinten, elektrische Parkbremse und sechs Airbags, natürlich auch das elektrische Stabilitätsprogramm ESP mit ABS und ASR (Antischlupfregelung) an Bord. Rückfahrkamera und Fernlichtassistenz gibt es erst in der besten Ausstattung.

Wie fährt sich dieses Auto? Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit reichen fürs Mitschwimmen, Außenkürze und 2,32 Meter Radstand ermöglichen einen Wendekreis von weniger als zehn Metern. Der Dreizylinder tuckert hörbar unter der vorderen Haube, aber in Tonhöhen, die nicht nerven. Die 15-Zoll-Stahlfelgen des Einstiegsmodells (weiter gibt’s 17-Zöller aus Aluminium) sind keine Schlaglochsucher – das Fahrwerk ist über den Erwartungen abgestimmt, die man gemeinhin an diese Fahrzeugklasse hat.

Autogramm

Fiat 500 Hybrid 1.0 Pop

Typ: Kleinstwagen; Preis: 19.990 Euro; Länge: 3,63 Meter; Breite: 1,68 Meter; Höhe: 1,53 Meter; Radstand: 2,32 Meter; Leergewicht: 1066 Kilogramm; Zuladung: 400 Kilogramm; Kofferraum: 183/440 Liter; Sitze: 2+2; Tankinhalt: 38 Liter; Motor: Otto-Dreizylinder; Hubraum: 999 Kubikzentimeter; Leistung: 65 PS/48 kW bei 5500 U/min; Drehmoment: 92 Newtonmeter bei 3500 U/min; Getriebe: Sechsgang-Schaltung; Spitze: 155 km/h; 0 auf 100 km/h: 16,2 Sekunden; Normverbrauch (WLTP): 5,3 Liter Super, CO2-Ausstoß: 120 Gramm/km.


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