Mit eigenem Gesicht

Es ist ein offenes Geheimnis, dass es sich beim Mazda 2 Hybrid technisch um einen eineiigen Zwilling des Toyota Yaris handelt, und zwar von dessen einfachster Motorisierung. Der Hintergrund: Toyota hält eine fünfprozentige Beteiligung an dem kleineren japanischen Hersteller, der immer wieder mit mutigen technischen Neuentwicklungen von sich reden machte und ein markentypisches Design von hohem Wiedererkennungswert entwickelt hat.

Von Bernd-Wilfried Kießler

Was ist das für ein Auto? Es handelt sich um einen knapp vier Meter langen Kleinwagen, dem nach anfänglicher völliger äußerer Gleichheit mit dem Toyota Yaris vor zwei Jahren ein Mazda-typisches Gesicht geschaffen wurde. Sein Grundpreis in der Prime-Line-Ausstattung liegt bei 24.990 Euro und damit genau zehn Euro unter dem vergleichbaren Toyota. Mazda bietet eine Garantie von sechs Jahren oder 150.000 Kilometer – doppelt solange wie Toyota, das drei Jahre oder 100.000 Kilometer gewährt. Wenn auch die Hybrid-Technik hochwertig ist, die Sicherheit und Fahrhilfen auf dem neuesten Stand und der Verbrauch günstig – die Zeiten, in denen man einen Kleinwagen mal eben so aus der Portokasse zahlte, liegen schon länger zurück: Unser sehr gut ausgestatteter Testwagen knackt die 30.000-Euro-Grenze mit Links. Um es mit einem anderen Bild zu sagen: Dafür muss nicht nur eine alte Frau lange stricken.

Wie fühlt man sich in diesem Auto? Innen ist der Kleine groß, zumindest vorn kann man es sich auf ordentlichen Sitzen bequem machen. Sofern sie nicht weit nach hinten gefahren werden, haben zwei sich in den Fond hineingefädelte Erwachsene ebenfalls die Möglichkeit, eine passable Sitzposition zu finden. Allerdings spürt man in der sachlichen Gestaltung – überwiegend in Anthrazit – die Toyota-Herkunft. Die Innenraumgestalter der Original-Mazdas haben heutzutage einen höheren Anspruch an sichtbare Handwerkskunst, um neben dem sicheren und zuverlässigen Transport auch ein gewisses Wohlgefühl im Inneren zu schaffen. Zeitgemäß ist die Einrichtung, was griffgünstige Schalter und den unübersehbar auf der Armaturentafel thronenden berührungsempfindlichen Bildschirm im Querformat betrifft. In der Sichtachse nach schräg oben mussten wir immer wieder den Kopf ein wenig ungeschickt recken, um an Ampeln freien Blick auf deren Lichter zu haben. Das ist der Preis fürs ausladende Kästchen mit all den modernen kamerabasierten Sicherheitssystemen vor dem Innenspiegel an der Windschutzscheibe.

Was für einen Antrieb hat das Auto? Wenn jemand Hybrid kann, dann Toyota. Denn dort hat man 1997 den ersten Vollhybrid der neueren Automobilgeschichte im Prius vorgestellt, viel belächelt von den Deutschen, die damals voll auf dem Diesel-Trip waren. Beide technischen Entwicklungen dienten der Verbrauchssenkung, wobei Toyota Energie aus Bremsvorgängen und im Schub in Strom verwandelte und zum Vortrieb nutzte – alle anderen folgten diesem Weg in der einen oder anderen Form.

Im Mazda 2 Hybrid führen ein 1,5-Liter-Benziner mit 92 PS/68 kW und sein Elektro-Partner mit 80 PS/59 kW zu einer Systemleistung von 116 PS/85 kW. Sofern das Fahrpedal nicht sofort stark durchgetreten wird, rollt man beim Anfahren die ersten langsamen Meter geräuschlos nur elektrisch dahin. Der Verbrennungsmotor schaltet sich aber schnell dazu – spätestens nach zwei Kilometern. Fortan unterstützt der Stromer selbstständig den Ottomotor oder übernimmt sogar streckenweise allein das Kommando. Dann erscheint in den Rundinstrumenten ein grünes EV für komplett elektrisches Fahren. Der EV-Betrieb soll insgesamt Verbrauchsspitzen abmildern, was bei uns zu einem Testverbrauch von 4,6 Liter Benzin führte.

Was bietet dieses Auto? Mazda bietet schon das Prime-Line-Einstiegsmodell mit adaptivem Tempomat und Spurhalteassistent an. Der Sicherheit dienen zudem sieben Airbags und eine Rückfahrkamera beim Rangieren. In unserem Testwagen in bester Ausstattung muss man eher fragen: Was fehlt? Da werden Verkehrszeichen und die Müdigkeit des Menschen am Steuer erkannt, es gibt LED-Leuchten überall, wo es Licht wird. Einparkhilfen vorn und hinten hauen die Bremse rein, wenn alle Warnungen nicht fruchten. Das Lederlenkrad ist ebenso beheizbar wie die Vordersitze, die Leichtmetallräder sind 17 Zoll groß, ein weit nach hinten reichendes Glasdach Ist ebenso im Preis inbegriffen wie abgedunkelte Scheiben hinten und ein Head-up-Display vorn. Neben all den vielen neuzeitlichen Einrichtungen wollen wir noch einen Blick auf so etwas Historisches wie den Kofferraum werfen: Für ein knappes Vier-Meter-Auto ist er mit 286 Litern Fassungsvermögen sehr ordentlich. Er wird über eine 68 Zentimeter hohe Ladekante erreicht, innen geht’s 14 Zentimeter abwärts. Bei der Verlängerung nach vorn entsteht leider eine deutliche Stufe, was die Nutzbarkeit einschränkt.

Wir haben den Mazda 2 als wendigen flotten Kleinwagen mit gut abgestimmtem Fahrwerk empfunden. Die stufenlose Automatik übernahm die Kraftübertragung gleichermaßen unauffällig im Stadtverkehr wie über Land.

Autogramm

Mazda 2 Hybrid Homura Plus

Typ: Kleinwagen; Preis: 32 890 Euro; Länge: 3,94 Meter; Breite: 1,75 Meter; Höhe: 1,51 Meter; Radstand: 2,56 Meter; Leergewicht: 1180 Kilogramm; Zuladung:  510 Kilogramm; Kofferraum: 286-768 Liter; Sitze: fünf; Tankinhalt: 36 Liter; Motor: Otto-Dreizylinder; Hubraum: 1490 Kubikzentimeter; Leistung: 92 PS/68 kW bei 5500 Umdrehungen pro Minute; Elektromotor: 80 PS/59 kW; Systemleistung: 116 PS/85 kW; Drehmoment (Benziner): 120 Newtonmeter bei 3600 U/min; Drehmoment (Elektromotor): 141 Newtonmeter ab 1 Umdrehung; Getriebe: Stufenlose CVT-Automatik; Spitze: 175 km/h; 0 auf 100 km/h: 9,7 Sekunden; Normverbrauch (WLTP): 3,8 Liter Benzin, CO2-Ausstoß: 87 Gramm/km, Testverbrauch: 4,6 Liter.


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