

(Foto: bwk)

Leuchtende Botschaft
Der C5 Aircross ist ein waschechtes SUV und gilt nun in seiner zweiten Generation als Citroen-Flaggschiff im Pkw-Angebotsfächer, nachdem der C5 X eingestellt wurde. Es gibt diesen 4,65 Meter langen Franzosen in drei Antriebsvarianten – als Hybriden, Plug-in-Hybriden sowie komplett batterieelektrisch. Wir sind mit dem Hybriden unterwegs gewesen, der von einem Dreizylinder-Benziner samt kleinem Elektromotor bewegt wird.
Von Gundel Jacobi
Neuer Doppelwinkel als Piktogramm-Plakette. Man könnte sich vortrefflich darüber streiten, ob der Aircross ein Kompakt-SUV oder schon darüber hinausgewachsen ist. Sagen wir mal so: Er kratzt definitiv an der Grenze zum längeren Lulatsch, was man ihm auch ansieht – vor allem von der Seite betrachtet. An der Bugpartie geht es recht wuselig zu mit unterschiedlichen Formen, feinen Linien und ausgeprägten Absätzen zwischen Blech und Kunststoffeinsatz. Markant prangt oberhalb des Kühlergrills in der Mitte der dunklen Spange zwischen den Scheinwerfern natürlich der Citroen-Doppelwinkel. Da lohnt es sich, mal genauer draufzublicken, denn diese Zeichnung geht eindeutig wieder weg von der eleganten fließenden Form in jüngerer Vergangenheit. Nun ähnelt es wieder eher einer Piktogramm-Plakette wie einst zur Gründerzeit der Marke anno 1919.
Seitlich fallen rund-eckige schwarze Beplankungen auf, aber der Hingucker im besten Sinne sitzt an der hinteren Dachsäule: Kammartige Striche weisen aus aerodynamischen Gründen den Weg vom dortigen Fenster zum Heck, wo um die Ecke herum auch die Leuchten in zwei Stockwerken aus der Karosserie hervortreten – hier waren ebenfalls Argumente der Windschlüpfigkeit von entscheidender Bedeutung. Klingt kompliziert, ist gestalterisch sicher auch nicht ganz einfach einzufügen gewesen. Wie gesagt: Da schaut man schon hin und vergisst es so leicht nicht mehr. Was ebenfalls auffällt, ist die steil abfallende Heckklappe, also kein abgeschrägter Abschluss. Das ist insofern praktisch, als der Kofferraum in seiner vollen Größe nutzbar ist. Dadurch weist das Datenblatt satte 654 Liter unter der Abdeckung aus, zumindest wenn der doppelte Ladeboden rausgenommen ist.
Tolle Platzverhältnisse, zurückhaltendes Innenraumkonzept. Das Cockpit ist zweckmäßig ausgelegt. Die meisten Funktionen werden über den senkrecht angebrachten berührungsempfindlichen Bildschirm in der Armaturentafelmitte gesteuert. Für Klimafunktionen und Lautstärkeregelung gibt es darunter eine extra Leiste. Ablageflächen hat’s genug, die sichtbar größte ist dem Mobiltelefon vorbehalten. Kleinteilig-fummelig harrt links daneben die Automatik-Schaltkulisse – Massenware aus dem Stellantis-Konzern. Das unten abgeflachte Lenkrad macht sich ganz gut, auch die darauf befindlichen Bedienoberflächen für den Bildschirm vor dem Steuer sind tadellos.
So weit so gut, aber denkt man an das eingangs erwähnte Flaggschiff, will einfach kein Gefühl des dazu passenden Innenraum-Konzepts aufkommen. Sprich: Irgendwie scheint den Gestaltern ein bisschen die Stimmung zur Material- und Gestaltungspfiffigkeit abhanden gekommen zu sein. Hier sticht nichts heraus oder animiert zum Anfassen, schade eigentlich. Zurück zu den Pluspunkten: Sofort spürbar ist der Sitzkomfort, da bekommt man Lust zur Brenner-Überquerung in einem Rutsch. Auch der Fond besticht durch seine Größe, was nicht zuletzt an der bequemen Kopf- und Beinfreiheit auf den drei Einzelsitzen liegt. Feines Detail: Die Rückenlehnen kann man in der Neigung verstellen. Komplett nach vorn geklappt entsteht im Kofferraum eine ebene Ladefläche, wenn der doppelte Boden eingehakt ist. Getrübt wird das praktische Raumkonzept durch die 77 Zentimeter hohe Ladekante.
Zurückhaltung zahlt sich aus. Vollmundig nennt sich der hier vorgestellte C5 Aircross Hybrid 145. Dahinter steckt genauer gesagt ein Mildhybridler mit 48-Volt-Technologie und kleinem Elektromotor. Auch wenn das in heutigen Stromzeiten gewissermaßen die unterste Stufe in der E-Pyramide darstellt, hat es die Kombination doch faustdick unter der Motorhaube, vor allem, wenn man an den vergleichsweise geringen technischen Aufwand denkt. Fakt ist, es handelt sich zum einen um einen 136 PS/100 kW starken 1,2-Liter-Dreizylinder, der sich munter vom Elektromotor mit den gut 21 Pferdestärken unterstützen lässt. Letzterer trägt dazu bei, dass der Verbrauch im Zaum gehalten wird – durch Bremsenergierückgewinnung und Stromerzeugung während Schubphasen. Nach der Norm sind es rund fünfeinhalb Liter Super, die als Durchschnittsverbrauch in der Praxis durchaus zu erreichen sind, wenn man mit zurückhaltendem Gasfuß fährt.
Ehrlicherweise haben wir dies schon intuitiv gemacht, denn je stärker der Benziner beansprucht wird, umso schnarrender meldet er sich zu Gehör – keinesfalls störend, aber eben doch deutlich, was man spielend leicht mit entsprechender Fußbewegung verhindert. Ein Spring-auf-den-Asphalt ist der Aircross Hybrid eher nicht, er braucht gut zehn Sekunden von null auf 100. Aber das ist ja das Schöne: Wer sich mit vernünftig motorisiertem Vorankommen zufrieden gibt, kann zum Hybriden eine innige Beziehung aufbauen. Wer lieber flott durchmarschiert, sollte den C5 Aircross als Plug-in-Hybrid oder in kompletter Batterieausführung in Augenschein nehmen – einschließlich Preisaufschlag. Sehr gut gefallen hat uns das komfortabel abgestimmte Fahrwerk – da hat Citroen den Anschluss zu einst vorbildhaften Zeiten wiedergefunden.
Taugt dieser Franzose zum Flaggschiff? Sieht man mal von der eingangs erwähnten Askese von gestalterischen inneren Blickpunkten ab, hat man es beim C5 Aircross Hybrid mit einem klasse Wagen zu tun, dessen Verarbeitung keinerlei Grund zum Stirnrunzeln hervorruft. Er wird im französischen Werk Rennes gebaut und hat mit geräumiger Karosserie schon in seiner Basis ab 33.990 Euro folgende Merkmale an Bord: ein eifriges Sechsstufen-Doppelkupplungsgetriebe, das insbesondere beim gemütlichen Fahren jene Ruhe verkörpert, die einem das sorglose Dahingleiten einfach macht. In Kombination mit den auch auf Langstreckenkomfort getrimmten Sitzen, seiner herausragenden Federung, Parkpiepsern vorne sowie einer 180-Grad-Rückfahrkamera steht ein gelungenes Konzept mit maßhaltender Hybridmotorisierung auf vier 18-Zoll-Felgen.
Die Preise schrauben sich in zwei weiteren Ausstattungen nach oben bis auf 39.990 Euro: Hier sind dann Annehmlichkeiten wie beheizbare Vordersitze, Head-up-Display, elektrische Heckklappe, Matrix-LED mit adaptivem Fernlicht und Fahrerassistenzsysteme bis hin zu halbautomatischem Spurwechsel an Bord. Zusätzlich buchbar sind für kompromisslose Flaggschiffer verschiedene Pakete samt wohliger Massagefunktion und 360-Grad-Kamera und als kleine Krönung ein Panoramaschiebedach. Ein Fitzelchen Erstaunen ruft allenfalls die Information aus der Preisliste hervor, dass es den C5 Aircross als einzige nicht-aufpreispflichtige Farbe in Rot gibt. Pourquoi pas – warum eigentlich nicht? Die Franzosen trauen sich, die Farbe als leuchtende Botschaft zu setzen.
Autogramm
Citroen C5 Aircross Hybrid 145
Typ: Kompakt-SUV; Preis: 33.990 Euro; Länge: 4,65 Meter; Breite: 1,87 Meter; Höhe: 1,67 Meter; Radstand: 2,79 Meter; Leergewicht: 1629 Kilogramm; Zuladung: 471 Kilogramm; Kofferraum: 654-1668 Liter; Sitze: fünf; Tankinhalt: 55 Liter; Motor: Otto-Dreizylinder; Hubraum: 1199 Kubikzentimeter; Leistung: 136 PS/100 kW; Elektromotor: 21,7 PS/15,6 kW; Systemleistung: 145 PS/107 kW; Drehmoment: 230 Newtonmeter bei 1750 U/min; Getriebe: Sechsstufen-Doppelkupplung; Spitze: 201 km/h; 0 auf 100 km/h: 11,2 Sekunden; Normverbrauch: 5,6 Liter Super, CO2-Ausstoß: 126 Gramm/km.



