Luftgitarren dürfen zu Hause bleiben

Der Atto 3 war eines von drei Modellen, mit denen sich der chinesische Hersteller BYD im Herbst 2022 auf den deutschen Markt wagte. Im Alltag bewegt sich das vollelektrische SUV angenehm unauffällig und bietet auch im Winter viel Komfort.

Von Paul-Janosch Ersing

Was ist das für ein Auto? Die Klasse, in welcher der Atto 3 antritt, ist seit einigen Jahren recht vielfältig. Fast alle Autohersteller haben ein entsprechendes Modell im Angebot – inzwischen auch als vollelektrische Ausführung. Der 4,45 Meter lange Atto 3 von BYD reiht sich hier unauffällig ein. Sein dezent gestaltetes Äußeres sorgt im Stadtbild weder für irritierte, noch für allzu neugierige Blicke.

Wie fühlt man sich in diesem Auto? Wie ein Rockstar. Denn Luftgitarren sind an Bord des Atto 3 überflüssig: In allen vier Türen stecken E-Gitarren in den Verkleidungen. Naja, zumindest sieht die Kombination aus Lautsprecher und Staufach exakt so aus. Werden die jeweils drei Saiten gezupft, erklingt tatsächlich ein Ton, der als Musik durchgehen kann. Die Gummi-Schnüre sind auch dazu gedacht, Flaschen und andere Gegenstände zu fixieren.

Dieses gestalterische Detail ist nicht die einzige Überraschung, an dem das Auge länger hängen bleibt als am äußeren Blechkleid. Dort, wo die Mittelkonsole auf die Armaturentafel trifft, sitzt ein enormer Luftausströmer mit senkrechten Streben und einer per Hand zu bedienender Luftmengenregelung. Die Türgriffe für Fahrerin und Beifahrer sind in Form von Handballenauflagen auf den kreisrunden Hochtönern (inklusive farbenfroher Ambientebeleuchtung) ausgeführt.

Was für einen Antrieb hat das Auto? Die 204 PS/150 kW leistende Elektromaschine zerrt mit bis zu 310 Newtonmeter an der Vorderachse. Während diese Elektro-Power im normalen Fahrmodus zurückhaltend bleibt, geht es bei angewähltem Sport-Modus zügig voran. An der Schnellladesäule bleibt der Atto 3 allerdings etwas hinter den Erwartungen zurück: Die maximale Ladeleistung von 88 kW scheinen heutzutage kaum noch zeitgemäß. Um diesen kleinen Makel zu kaschieren, gibt BYD auf seiner Website 29 Minuten für die Ladung von 30 (!) auf 80 Prozent an. Üblicherweise wird hier die Zeit von 10 auf 80 Prozent ausgewiesen.

Bei vollständig geladenem Stromspeicher und 1 Grad Celsius vermeldete der Bordcomputer eine zu erwartende Reichweite von 409 Kilometern. Angesichts eines Durchschnittsverbrauchs von 19,5 kWh/100 km und einem Akku-Energiegehalt von nutzbaren 60,4 kWh sollten Realisten eher mit knapp 300 Kilometern (abseits der Autobahn) rechnen.

Was bietet dieses Auto? Abgesehen vom berührungsempfindlichen 15,6-Zoll-Bildschirm, der sich auf Knopfdruck oder Sprachbefehl von der Horizontalen in die Vertikale schwenken lässt, gibt es im Atto 3 recht wenig Schalter und Knöpfe zu bedienen. Erfreuliche Entdeckung auf der Mittelkonsole (neben dem massiven Fahrstufen-Hebel): die silberne Walze zur Steuerung der Lautstärke. In der kalten Jahreszeit hilft die serienmäßige Wärmepumpe dabei, den Innenraum schnell auf Temperatur zu bringen. Die Möglichkeit, das Fahrzeug vor der Abfahrt vorzuheizen, erspart einem im Alltag das mühselige Kratzen der Scheiben.

Was werden wir nicht vergessen? Panorama-Glasdächer, die sich auch öffnen lassen, sind selten geworden. Im Atto 3 gibt es so etwas – und die Frischluftzufuhr von oben war allen Passagieren eine wahre Freude – sogar bei leichtem Schneetreiben.

Autogramm

BYD Atto 3 Design

Typ: SUV; Preis: 40.990 Euro; Länge: 4,46 Meter; Breite: 1,88 Meter; Höhe: 1,62 Meter; Radstand: 2,70 Meter; Leergewicht: 1750 Kilogramm; Zuladung: 410 Kilogramm; Kofferraum: 440-1338 Liter; Sitze: fünf; Akku: LFP, 64 kWh; Motor: Permanenterregte-Synchronmaschine; Leistung: 204 PS/150 kW; Drehmoment: 310 Newtonmeter; Spitze: 160 km/h; 0 auf 100 km/h: 7,3 Sekunden; Reichweite: 420 Kilometer; Stromverbrauch (WLTP): 16 kWh/100 Kilometer, entsprechender CO2-Ausstoß (deutscher Strommix 2024: 280 Gramm/kWh): 44,8 Gramm/Kilometer; Testverbrauch: 19,5 kWh/100 Kilometer.


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