


Ein Praktiker, wie er im Buche steht
Beim kompakten Citroen C3 Aircross hat man ordentlich Platz bis ins Hinterstübchen hinein. Wir haben den Fünfsitzer getestet, ihn gibt’s aber auch mit sieben Sitzen. Sein 1,2-Liter-Benziner samt kleinem Elektromotor sorgen für unaufgeregtes Vorankommen.
Von Gundel Jacobi
Was ist das für ein Auto? Kaum zu glauben in dieser Zeit des weit verbreiteten Checkkarten-ähnlichen Zugangs: Der C3 Aircross hat noch einen Zündschlüssel mit Holm, dessen Knopf man drückt, um die Zentralverriegelung zu öffnen, und den man dann sogar ins Zündschloss steckt und zum Starten dreht. Damit ist er aber keinesfalls von gestern, sondern bietet vielmehr einfach ein handfestes Retrostück, das die Kundschaft durchaus schätzen mag. Schaut man sich den Bug an, fallen deutlich mehr Zacken in der Gestaltung auf als beim eng verwandten Opel Frontera – auch bei der Heckgestaltung wirkt er blockartiger als der optisch in die Breite gezogene Rüsselsheimer. Es gibt also durchaus schon in der Außenansicht deutliche Gestaltungsunterschiede. Aber bleiben wir nun konsequent beim französischen Modell. Das knapp viereinhalb Meter lange Kompakt-SUV ist ein praktisch orientiertes Fahrzeug ohne Schnickschnack und kann sowohl in der Motorisierung als auch dem Innenraumkonzept punkten – mit nur wenigen verzeihlichen Schwächen. Eine davon verbirgt sich in den erstaunlich schwergängigen Türen.
Wie fühlt man sich in dem Auto? Kaum setzt man sich in einen französischen Wagen, steigt automatisch die Erwartungshaltung, in weiches Gestühl niederzusinken. Das müssen wir mit der Muttermilch eingesogen haben, ein kollektives Überbleibsel der längst vergangenen 2CV-Entenepoche. Und was stellen wir tatsächlich fest? Der Sitzkomfort ist von der ersten Sekunde an gut, die Sitze sind angenehm elastisch und bieten auch nach längeren Strecken über Landstraßen den klassenüblichen Seitenhalt; eindeutiger Pluspunkt! Bordübliche Infos sucht man im Aircross vergeblich hinterm Steuer, geschweige denn Rundinstrumente. Hier geht Citroen einen hochmodernen Weg: Alle notwendigen Informationen sitzen digital angezeigt und prima einsehbar in einem schmalen Schacht zwischen Windschutzscheibe und Armaturentafel. Super Idee, denn die Blickrichtung ist perfekt, und man braucht kein teuer in die Windschutzscheibe eingespieltes Head-up-Display. Peugeot fährt einen ähnlichen Kurs schon länger, und selbst klar zugeordnete Premiumanbieter wie Volvo bringen solcherart angeordnete Anzeigen erstmals beim EX60 bald auf den Markt. Die Ausgewogenheit zwischen berührungsempfindlichem Bildschirm und einer extra Schalterleiste für den täglichen raschen Funktionszugriff zu allen Klimaeinstellungen ist passend. Sie sitzt im Vergleich zu allem anderen allerdings recht weit unten in der Mitte der Armaturentafel; genau genommen unterhalb dieser Fläche.
Es ist immer wieder bemerkenswert, welche unterschiedlichen Platzverhältnisse in der zweiten Reihe und im Kofferraum in der Kompaktklasse herrschen. Im Aircross-Fond sitzen Erwachsene ausgesprochen bequem, was die Beinfreiheit betrifft; auch nach oben ist genug Luft – bauartbedingt knapp wird es bei drei Mitfahrern nebeneinander. Aber auf kürzeren Touren dürfte man sich arrangieren können. Der Gepäckraum ist wirklich ordentlich: 460 Liter unter der Abdeckung, da geht einiges rein! Sofern man zwei weitere faltbare Plätze bestellt und aufgestellt hat, schmilzt die Ladekapazität naturgemäß gegen Null. Was uns gefehlt hat? Schade, dass man die Rückbank nicht verschieben kann, aber das ist wohl dem Rotstift zum Opfer gefallen.

Welchen Antrieb hat das Auto? Die Motorenpalette ist überschaubar: Den 1,2-Liter-Benziner gibt es in zwei Leistungsstufen – mit 101 PS/74 kW oder 136 PS/100 kW. Letzteren hatten wir an Bord, der durch seinen mildhybriden Antrieb noch weitere 21 Elektro-Pferdestärken im Köcher hat, sodass man mit einer Systemleistung von 145 PS/107 kW unterwegs ist. Damit ist der C3 Aircross gut bestückt, auch wenn man vollbesetzt oder vollbepackt auf Tour geht. Man muss wahrlich keine Ohrstöpsel tragen, um das dezente Brummeln der drei Zylinder auszublenden. Das ist kein Problemthema! Interessanterweise – und hier sei wieder ein Vermerk in Richtung Opel Frontera erlaubt –, hat man beim C3 Aircross die Wahl zwischen Basisbenziner mit Sechsgangschaltung oder grundsätzlich Doppelkupplungsgetriebe beim stärkeren Motor. Der Frontera hat in beiden Fällen eine Doppelkupplung eingebaut. Wenn man dem C3 Aircross die Sporen gibt, dann ruckelt es je nach Drehzahl ab und an mal, was wir aber als untragische Kleinigkeit abtun wollen.
Citroen wirbt mit besonders gut abgestimmtem Fahrwerk – wenn man sein Augenmerk während der Fahrt speziell aufs Popometer richtet, lässt sich dies weitgehend bestätigen. Nur sobald es außerordentliche Löcher im Asphalt gibt, rumpelt es gleich merklich nicht nur an der Vorderachse. Beim Testverbrauch in der Stadt und über Land lagen wir mit 5,7 Liter Super nicht mal einen halben Liter über dem Normverbrauch.
Was bietet einem das Auto? Wir haben es eingangs schon angedeutet: Der C3 Aircross ist ein Praktiker, wie er im Buche steht. Raumaufteilung und Materialien sind zweckmäßig. Die Preisliste beginnt bei 18.890 Euro für den handgeschalteten Basisbenziner, das leistungsstärkere Modell samt Doppelkupplungsgetriebe steigt mit höherer Ausstattung bei 25.390 Euro ein. In der von uns gefahrene Max-Ausführung ab 27.590 Euro sind einige Komfortmerkmale an Bord wie Klimaautomatik, vier elektrische Fensterheber, Parkpiepser vorne, hinten sowie seitlich, Rückfahrkamera, Navi mit 10,25-Zoll-Bildschirm, kabellose Smartphone-Anbindung für Android Auto und Apple Carplay, Mobiltelefon-Induktionsladung, Zweifarblackierung, 17-Zollfelgen. Zusätzlich zu zahlreichen Sicherheitssystemen à la Verkehrszeichenerkennung und Aufmerksamkeitsassistent kommt noch die Toterwinkel-Warnung hinzu. Wer die erwähnten faltbaren Plätze 6 und 7 haben möchte, ist mit weiteren 850 Euro dabei.
Autogramm
Citroen C3 Aircross Hybrid 145 Max
Typ: Kompakt-SUV; Preis: 27.590 Euro; Länge: 4,40 Meter; Breite: 1,80 Meter; Höhe: 1,67 Meter; Radstand: 2,67 Meter; Leergewicht: 1423 Kilogramm; Zuladung: 407 Kilogramm; Kofferraum: 460-1600 Liter; Sitze: fünf; Tankinhalt: 44 Liter; Motor: Otto-Dreizylinder; Hubraum: 1199 Kubikzentimeter; Leistung: 136 PS/100 kW bei 5500 U/min; Elektromotor: 21 PS/16 kW; Systemleistung: 145 PS/107 kW; Drehmoment: 230 Newtonmeter bei 1750 U/min; Getriebe: Sechsstufen-Doppelkupplung; Spitze: 197 km/h; 0 auf 100 km/h: 8,8 Sekunden; Normverbrauch: 5,3 Liter Super, CO2-Ausstoß: 120 Gramm/km, Testverbrauch: 5,7 Liter.


