


(Foto: Gundel Jacobi)
Aus Fünf mach Sieben!
Der Frontera verkörpert im Opel-SUV-Programm die goldene Mitte zwischen Mokka und Grandland. Der mildhybride Kompakte mit einer Außenlänge von 4,39 Meter ist aber weit mehr als ein Kompromiss, denn wir fuhren ihn mit sieben Sitzen.
Von Gundel Jacobi
Was ist das für ein Auto? Zugegeben, es ist nicht ganz leicht, innerhalb der derzeit beliebtesten Fahrzeugklasse alle anderen Kompakt-SUV auszublenden und auf die Außenhaut des Frontera zu schauen, ohne einen anderen mit ihm zu vergleichen – schon gar nicht, wenn man an seinen Konzernzwilling Citroen C3 Aircross denkt. Doch es ist möglich, und dann kann man sagen: Es ist gelungen, eine Karosserie zu entwerfen, die mit ausdrucksvollen Kanten und sparsam eingesetzten Wölbungen ein ansehnliches Bild abgibt – ohne aufgeregte Zickzacklinien. Was uns nur verwundert: In der mittleren GS-Ausführung unseres Testwagens verschwimmt die dunkel gehaltene Blende zwischen den Scheinwerfern komplett mit dem ebenfalls schwarzen Opelblitz. Was also bei anderen Autos gelingt, sie mittels flüchtigem Blick aufs Markenzeichen einem Hersteller zuzuordnen, geht hier nicht. Was leider auch nicht gelingt: Die Türen mit Hilfe der Bügelgriffe ohne etwas Kraftaufwand zu öffnen. Irgendwie hakelt es da, jedenfalls sind sie schwergängig. Ansonsten handelt es sich beim Frontera um ein ganz normales mittelgroßes SUV – mit einer absoluten Besonderheit: der Wahl zwischen fünf und sieben Sitzen!

Wie fühlt man sich in dem Auto? Da ist erstmal Wohlbefinden, denn man kann sich gleich heimisch fühlen. Das liegt vor allem daran, weil die Sitze bequem sind, das unten abgeflachte Lenkrad genau die richtige Größe zum Zupacken hat und der zentrale Bildschirm zum Wischen und Tippen in der Armaturentafelmitte einfach durchschaubar aufgebaut ist. Zudem erleichtert eine Schalterleiste unterhalb der Lüftungsdüsen die direkte Zugriffsmöglichkeit für Klimafunktionen. Wieso immer mehr Hersteller auf Haltegriffe am Dachhimmel verzichten, ist uns schleierhaft – vom daran früher üblicherweise befestigten Haken für Jacken mal ganz abgesehen. Wer nun sagt, das würde die Kundschaft nicht benötigen, soll sich einfach mal mit etwas älteren Passagieren oder in irgendeiner Art gehandicapten Insassen unterhalten.
In der zweiten Reihe gerät man, wenn nicht in Entzücken, so doch in freudiges Erstaunen: Knie- und Kopffreiheit sind üppig für einen Kompakten, selbst wenn die Vordersitze mit gut 1,80 Meter langen Menschen besetzt sind. Und nun zum Sahnehäubchen: Platz Nummer 6 und 7 ganz hinten. Man kann sie locker per Schlaufe vom Heck aus in einem Rutsch aufklappen. Um dann darauf zu sitzen zu kommen, bedarf es vom Fondeinstieg durch die zweite Reihe allerdings ein gewisses Hineinhangeln. Aber wenn man dann drin ist, ist es ganz in Ordnung – jawohl, auch für Erwachsene, nicht nur für Kinder – zumindest für überschaubare Strecken. Dass der Kofferraum im Falle der Siebener-Besetzung auf null schrumpft, ist logisch. Da geht es dann nur noch um Personenbeförderung. Sitzt ganz hinten indes nur einer, steht mit eingeklappter Lehne auf der anderen Seite der halbe Stauraum zur Verfügung.
Welchen Antrieb hat das Auto? Wir haben uns für den stärkeren der beiden 1,2-Liter-Benziner mit 136 PS/100 kW entschieden. Zusätzlich kommen durch den mildhybriden Antrieb noch 21 Elektro-Pferdestärken hinzu, sodass man mit einer Systemleistung von 145 PS/107 kW unterwegs ist. Das genügt für den Alltag vollkommen, und derart bestückt haben wir den Frontera auch über Land als munteren Begleiter mit herkömmlichem Dreizylinderbrummeln erlebt. Es gibt ihn einzig mit Doppelkupplungsgetriebe, das seine Aufgaben recht solide erledigte. Unter Volllast ruckelt’s beim entsprechenden Beschleunigen mal kurz hier und da – Schwamm drüber! Fahrwerkstechnisch kann man dem in der Slowakei produzierten Rüsselsheimer nichts vorwerfen, er bleibt mit tendenziell straffem Hang auf Linie. Schlaglöcher mag er nicht sonderlich, aber wer mag die schon? Mit dem Testverbrauch kann man richtig zufrieden sein, denn im Durchschnitt liefen im gemischten Stadt-Landverkehr unter winterlichen Bedingungen 5,8 Liter Super durch die Kraftstoffleitungen. Das ist gerade mal ein halber Liter mehr als der WLTP-Verbrauch auf 100 Kilometer ausweist.

Was bietet einem das Auto? Der Einstieg in die Frontera-Palette beginnt bei 24.190 Euro – in einer abgespeckten Version mit 110 PS/81 kW: einfache Klimaanlage, Einparkhilfe hinten, Spurassistent, ohne Infotainmentsystem. Diese Edition-Ausführung gibt es auch für das stärkere Modell mit 145 PS/107 kW ab 25.990 Euro; in beiden Fällen treibt ein 1,2-Liter-Dreizylinder-Benziner das Auto an. Letzteren hatten wir in der mittleren GS-Ausstattung ab 29.490 Euro unter der Haube. Hier gibt’s unter anderem Infotainment samt Navigation auf 10-Zoll-Bildschirm, Klimaautomatik, Dach in Schwarz, verdunkelte hintere Scheiben, 130-Grad-Panorama-Rückfahrkamera, Parkpiepser vorne und hinten, Toter-Winkel-Warner, 17-Zoll-Alu-Räder.
Da wir ihn als Siebensitzer fuhren, kommen für die zwei zusätzlichen Plätze noch 800 Euro hinzu. Für Sitzheizung, beheizbares Lenkrad und Windschutzscheibe lässt sich ein Winterpaket für 650 Euro bestellen. So gerät man letztlich doch recht rasch über die 30.000 Euro-Marke.
Autogramm
Opel Frontera Hybrid GS
Typ: Kompakt-SUV; Preis: 30.290 Euro; Länge: 4,39 Meter; Breite: 1,85 Meter; Höhe: 1,64 Meter; Radstand: 2,67 Meter; Leergewicht: 1450 Kilogramm; Zuladung: 644 Kilogramm; Kofferraum: 460-1600 Liter; Sitze: sieben; Tankinhalt: 44 Liter; Motor: Otto-Dreizylinder; Hubraum: 1199 Kubikzentimeter; Leistung: 136 PS/100 kW bei 5500 U/min; Elektromotor: 21 PS/15,6 kW; Systemleistung: 145 PS/107 kW; Drehmoment: 230 Newtonmeter bei 1750 U/min; Getriebe: Sechsstufen-Doppelkupplung; Spitze: 189 km/h; 0 auf 100 km/h: 9,7 Sekunden; Normverbrauch: 5,3 Liter Super, CO2-Ausstoß: 120 Gramm/km, Testverbrauch: 5,8 Liter.

