Ein Elektro-SUV wie viele andere?

Der neue EV5 von Kia ist ein SUV, mit 4,61 Meter deutlich kleiner als der EV9, aber größer als der EV3. Der Wagen fährt sich trotz seiner 2,1 Tonnen Leergewicht leichtfüßig und bietet bei guter Ausstattung erstaunlich viel Platz.

Von Bernd-Wilfried Kießler

Sitzprobe und Bedienung. Der Kia EV5 bietet vorn wie hinten genug Platz. Auf den gut konturierten Vordersitzen geht es für die Klasse luftig zu. Mühelos findet man eine passende Einstellung, zumindest für mittelgroße Personen. Platz nach oben ist reichlich vorhanden. Auch auf den Rücksitzen kann man komfortabel sitzen. Die Rückbank lässt sich mit einem Griff im Verhältnis ein Drittel zu zwei Drittel zu einer ebenen Ladefläche umfunktionieren, indem die Sitzfläche vorgeschoben und die Rückenlehne gleichzeitig umgeklappt werden. Die angegebenen zwei Meter Ladeflächenlänge sind allerdings diagonal gemessen. Wenn die Vordersitze in der mittleren Position eingerastet sind, beträgt die Ladelänge von der Rücksitzlehne bis zur Heckklappe etwa 1,77 Meter. Das dürfte für die meisten Transportprobleme mit einem Auto dieser Klasse ausreichen.

Einmal Platz genommen, fallen sofort die Tasten auf. Fensterheber, die Einstellung der Außenspiegel oder die Auswahl der Menüs auf den beiden Bildschirmen sind auf diese Weise recht schnell und komfortabel zu bedienen. Über Tasten auf der rechten Lenkradhälfte lassen sich Funktionen auf dem zentralen Bildschirm ansteuern, auf der linken Seite beeinflussen die des Bildschirms im direkten Blickfeld – sehr praktisch. Man findet sich schnell zurecht, alles ist da, wo es hingehört.

Die Inhalte auf den Bildschirmen und auf dem zusätzliches Head-up-Display in den höheren Ausstattungen sind auch bei Sonneneinstrahlung gut ablesbar. Die von der EU vorgeschriebenen Sicherheitsfunktionen melden sich bei  Geschwindigkeitsüberschreitung im EV5 mit dezentem Ton. Durch etwas längeres Drücken auf eine programmierbare Taste verstummen sie bei Bedarf – auch sehr praktisch. Schon die Air-Grundausstattung ist reichhaltig. Wie bei allen Kia-Modellen gibt es einen aktiven Totwinkelassistenten. Sobald der Blinker gesetzt ist, wird ein Kamerabild eingeblendet, das nahezu 180 Grad der jeweiligen Seite einsehbar macht. Außerdem an Bord: Spurhalte- und KI-basierter Sprachassistent, vier Fahrprogramme, Kartennavigation, intelligenter Geschwindigkeits- und Spurfolgeassistent.

Testfahrt Stadt und Land. Auf der etwa neunzig Kilometer langen Runde bei vormittäglichen Temperaturen von 5 bis 12 Grad durch die Stadt, über die Autobahn und die Hügel rund um Barcelona konnten wir einen Eindruck vom Fahrverhalten des Kia EV5 gewinnen. Das Gewicht von knapp über zwei Tonnen merkt man dem Kia EV5 kaum an, der Wagen lässt sich erstaunlich handlich bewegen. Die gute Übersicht wird durch die Außenkameras noch einmal verbessert. Auf der Autobahn mit Tempobegrenzung zwischen 80 und 120 km/h geht es ruhig und entspannt dahin. Geräusche vom Auto oder vom Verkehr dringen bis zu diesen Geschwindigkeiten kaum in den Fahrgastraum. Die Schildererkennung mit Hilfe der Kamera ist gut, das Tempo wird angenehm angepasst. Wie in der Stadt lässt sich der Kia EV5 auch auf kurvenreichen Straßen spielerisch fahren. Allerdings kommt einem bei zügiger Fahrweise spätestens bei scharfem Bremsen das Gewicht des Wagens zu Bewusstsein. In schnell gefahrenen Kurven schiebt er etwas über die Vorderräder, aber die elektronischen Helfer regeln sanft ein und halten den Kia EV5 sicher in der Spur. Die vier Fahrprogramme Eco, Normal, Sport und Snow sind spürbar voneinander abgegrenzt.

Ein Rennwagen für die Straße mit gewaltigem Vorwärtsschub ist der Kia EV5 nicht. Sicheres, ruhiges Fahren mit der Familie oder das Erledigen von Transportaufgaben entsprechen eher seinem Charakter. Mit 218 Pferdestärken ist er zu diesen Zwecken gut ausreichend motorisiert. Kia hat sich für ein 400-Volt-System entschieden, geladen wird daher nur mit höchstens 150 Kilowatt. Trotz Vorheizung bedeutet das 30 Minuten Ladezeit von 10 auf 80 Prozent. Die WLTP-Reichweite von 530 Kilometern, sofern sie erreicht wird, lässt zumindest relativ weite Distanzen zu. Wer hin und wieder rauen oder rutschigen Untergrund meistern will oder muss, muss noch warten. Ein Allradmodell mit vermutlich etwas mehr Leistung ergänzt den Fronttribler und ist noch im Verlauf dieses Jahres angekündigt. 

Verbrauch und mehr. Bedingt durch die Form ist der cW-Wert mit 0,29 bis 0,30 nach heutigen Maßstäben recht hoch. Das ist verbesserungsbedürftig. Durch die große Stirnfläche ist bei höheren Geschwindigkeiten sicherlich keine allzu hohe Reichweite zu erwarten. Nach unserer ruhig gefahrenen Testrunde von 88 Kilometern errechneten wir eine Gesamreichweite von etwa 450 Kilometer, wobei dieser Wert nur erreicht wurde, weil wir überwiegend in der Eco-Einstellung gefahren waren. Die Geschwindigkeit auf der Autobahn war meistens auf 100 km/h beschränkt, in der Stadt gab es viele 30er Zonen, auf der Landstraße ging es höchstens mit 80 km/h voran.  

Der Einstiegspreis liegt bei 45 990 Euro, in den höheren Ausstattungen Earth, GT-Line und GT-Line Launch Edition kann man die ordentliche Basis noch erweitern, etwa mit einem 220-Volt-Anschluss im Kofferraum, Wärmepumpe und Massagesitzen. Komplett ausgestattet kostet der Kia EV5 bei 52.990 Euro – für das Gebotene klingt das fair. Wie gewohnt gibt Kia sieben Jahre Garantie auf das Fahrzeug und acht Jahre auf die Batterie.

Autogramm

Kia EV5 Air

Typ: SUV; Preis: 45.990 Euro, Länge: 4,61 Meter; Breite: 1,88 Meter; Höhe: 1,68 Meter; Radstand: 2,75 Meter; Leergewicht: 2069 Kilogramm; Zuladung: 511 Kilogramm; Sitze: fünf; Kofferraum: 566/1650 Liter; Batterie: Lithium-Ionen; Batteriekapazität: 81,4 Kilowattstunden; Leistung: 218 PS/160 kW; Drehmoment: 295 Newtonmeter; 0 auf 100 km/h: 8,4 Sekunden; Spitze: 165 km/h (abgeregelt); Reichweite (WLTP): 530 Kilometer; Normverbrauch (WLTP): 16,9 -17,8 Kilowattstunden auf 100 Kilometer; Ladedauer DC 10-80%: 30 Minuten bei maximal 150 kW; Ladedauer AC 10-80%: 7:20 Stunden bei maximal 11 kW.


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