Wendiger Elektro-Transporter

Wer einen elektrischen Transporter oder Kleinbus sucht, wird neuerdings auch bei Kia fündig: Der PV5 bietet viel Übersicht, ist bereits in der Basisversion gut ausgestattet und erweist sich in der Stadt als wendig und alltagstauglich.

Von Bernd-Wilfried Kießler

Einsteigen. Ein- und Ausstieg in den PV5 Cargo gelingen ohne große Anstrengung. Die Sitzflächen in dem Kastenwagen mit zwei Plätzen sind angenehm konturiert. Durch die tief heruntergezogenen Seitenscheiben ist die Sicht zur Seite ungewohnt frei. Auch durch die große Windschutzscheibe sieht man gut, was vor dem Auto passiert. Darüber hinaus wird die gute Rundumsicht durch große Außenspiegel unterstützt. Bereits in der einfachsten Ausstattung Essential bieten zwei Bildschirme ausreichend Informationen. Sie liegen gut im Blickfeld, auf ein Head-up-Display wird verzichtet. Die Basis-Ausführung beinhaltet unter anderem aktiven Spurhalteassistenten, Spurfolgeassistenten, drei Fahrprogramme, Kollisionswarner, adaptive Geschwindigkeitsregelanlage, Kartennavigation mit Apple Car Play oder Android Auto in Echtzeit. Der Aufbau der Menüs ist logisch, man findet sich leicht zurecht. Viele Funktionen lassen sich über Tasten steuern. Wie bei Kia üblich können auch die Menüs über Lenkradtasten nach Bedarf eingestellt werden, wobei allerdings einige sinnvolle Funktionen in den Paketen der höheren Ausstattungen versteckt sind.

Erste Testfahrt. Um praxisgerechte Bedingungen zu schaffen, wurde für die erste Testfahrt Ballastgewicht im Laderaum platziert und rutschfest befestigt. Die Leistung des Kia PV5 Cargo von 163 PS/120 kW erwies sich im teilweise steilen Stadtgebiet und im Umland von Barcelona ausreichend, zumindest in der Fahrstufe Normal. Für seine 4,70 m Länge wirkte der Kia PV5 Cargo erstaunlich wendig. Die Lenkung schien auf zügig gefahrenen Landstraßen etwas leichtgängig, und man vermisst den Kontakt zur Fahrbahn. In der Stadt erleichtert diese Eigenschaft jedoch das Fahren – wieselflink wechselt man die Fahrspur, wobei der serienmäßige Totwinkelassistent hilft. Mit ihm werden bei Betätigung des Blinkers auf der jeweiligen Seite Hindernisse auf dem Bildschirm dargestellt. Überholende Radfahrer, sonstige Fahrzeuge oder Personen lassen sich  wahrnehmen, der tote Winkel gehört der Vergangenheit an. Löblich!

Engste Kurven werden mühelos durchfahren, auch beim Rangieren behält man die Sichtkontrolle über den Wagen und die direkte Umgebung. Selbst im Rückwärtsgang ist es dank der Kameras ziemlich unproblematisch. Viele Sicherheitsfunktionen sind schon ab der Basisausstattung an Bord: Die Schildererkennung funktioniert gut, der Tempomat muss unter 70 km/h allerdings von Hand eingestellt werden. Was stört, ist die etwas schiefe Sitzposition. Der Grund dafür dürfte wohl sein, dass die Armablagen verschieden hoch angebracht sind. Nach Abschluss unserer kleinen Testrunde mit überwiegend Stadt- sowie kurzem Autobahn- und Landstraßenanteil bei etwa 15 Grad Celsius gab der Bordcomputer eine Restreichweite von 350 Kilometern an. Das scheint bei der WLTP-Angabe von 416 Kilometern plausibel. Für die meisten Fahrten von Handwerkern und Dienstleistern dürfte das ausreichen.

Laden und Zuladen. Der Kia PV5 ist ein Nasenlader, sein CCS-Anschluss ist vorn in der Mitte angebracht. So kann man das Ladekabel gut von beiden Seite einstecken. Mit maximal 150 Kilowatt geht es in 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Auch die Gegenrichtung ist möglich: Die Leistung bei der Stromentnahme beträgt bei 220 Volt 3,6 kWh, womit sich sicherlich einige Werkzeuge oder oder auch mal eine Kaffeemaschine betreiben lässt. Mit 690 Kilogramm ist die Zuladung für einen Lieferwagen eher mäßig. Das ist der Plattform geschuldet, die auch für die Pkw-Modelle EV3, EV4, EV5 und EV9 genutzt wird, wo keine höhere Nutzlast gebraucht wird. Wer die schwächere und somit leichtere Batterie wählt, kann zwar nicht so weit mit einer Ladung fahren, dafür aber etwas mehr zuladen. Hinter der Trennwand passen bis zu  4,4 Kubikmeter in den Stauraum, der zwischen den Radkästen etwas eingeengt ist. Zur seitlichen Schiebetür gesellt sich die weit aufschwingenden doppelte Flügeltür am Heck. 

Garantie und Preise. Wie bei Kia gewohnt gibt es eine Garantie für sieben Jahre auf das Fahrzeug und acht Jahre auf die Batterie. Die Preise beginnen bei 38.805 Euro. Weitgehend baugleich mit dem PV5 Cargo bietet Kia einen Kleinbus an, den PV5 Passenger. Er ist mit fünf, sechs oder sieben Sitzen ab 38.290 Euro zu haben. Kia rechnet in Deutschland mit 80 Prozent Transportern und 20 Prozent Kleinbussen.

Autogramm

Kia PV5 Cargo

Typ: Kastenwagen; Grundpreis: 39.805 Euro; Länge: 4,69 Meter; Breite: 1,89 Meter; Höhe: 1,90 Meter; Leergewicht: 1.860 Kilogramm; Zuladung: 690 Kilogramm; Sitze: zwei; Batterie: Lithium-Ionen; Batteriekapazität: 51,5 oder 71,2 Kilowattstunden; Elektromotor: 122 PS/89 kW oder 163 PS/120 kW; Drehmoment: 250 Newtonmeter; Höchstgeschwindigkeit: 135 km/h;  Maximale Reichweite (WLTP): 297 oder 416 Kilometer; Ladezeit DC von 10 auf 80%: 30 Minuten; Normverbrauch (WLTP): 19,0 – 19,1 Kilowattstunden auf 100 Kilometer.


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