


Mit zwei Elektromotoren und Allradantrieb
Aussehen ist zweifellos Geschmackssache. Selten bekamen wir aber solch einhellige Stimmungsbilder wie beim E-3008: schickes Auftreten außen und innen. Da haben wir doch gleich zur Allrad-Leistungskrone gegriffen – mit Praxis-Einschränkungen.
Von Gundel Jacobi
Was ist das für ein Auto? Auch wenn es etwas sperrig klingt: Im Kfz-Schein ist der Begriff Mehrzweckfahrzeug vermerkt, und das passt bei näherem Nachdenken ganz gut. Denn die Karosserieform des E-3008 trägt die Merkmale eines kastigen SUV und gleichzeitig das Heck eines Coupés. Andererseits ist das Dach weiter gerade nach hinten gezogen als bei einem klassischen Coupé – dadurch können die Passagiere hoch erhobenen Hauptes im Fond sitzen. Also: ein echtes Mehr-Zweck-Fahrzeug!
In jedem Fall erregt der E-3008 Aufmerksamkeit, und das liegt nicht allein an der auffälligen blauen Lackierung unseres GT-Testwagens. Die wabenartige Maske samt der jeweils dreikralligen Tagfahrlichter und ebensolcher LED-Scheinwerfer am Bug ziehen die Blicke auf sich – mittendrin der brüllende Löwenkopf als Peugeot-Markenzeichen: stark! An den Flanken überwiegt gängiges glatt gebügeltes Blech. Das Heck mit seiner Mischung aus abfallender Dachlinie, zackigem Dachspoiler, kleinem Fenster und blockähnlich abgeschnittener Karosserie zeigt sich als raffiniert gestaltete Schokoladenseite. Das Beste für den alltäglichen Gebrauch: die große Klappe zum Beladen des Kofferraums. Was wir aber nicht verhehlen wollen: Unser Allrad-3008 hat einen Gepäckraum von 470 – 1.430 Liter. Die Single-Motor-Ausführung mit Frontantrieb bietet bei aufgestellten Lehnen im Fond 520 Liter, maximal passen 1480 Liter bis unters Dach.
Wie fühlt man sich in diesem Auto? Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Designer von scheinbar frei schwebenden Mittelkonsolen oder Bildschirmen sprechen. Da braucht man schon etwas Phantasie. Bei der trapezförmigen Anordnung des zentralen Monitors sieht es verblüffenderweise tatsächlich so aus, als würden dessen zwei verbundene Hälften über der Armaturentafel schweben. Dies liegt auch daran, weil jener breite Bildschirm dunkel gestaltet und die Armaturen darunter in hellem Kontrast ausgelegt sind – ohne sichtbare Verbindung. Die einfach und frei zusammenzustellenden Kacheln auf dem Monitor haben wir sogar immer mal wieder anders konfiguriert und dies auch genossen. Perfekt finden wir dabei die hochsitzende Informationszentrale, die definitiv kein zusätzliches Head-up-Display in der Windschutzscheibe benötigt.
Einziger Kompromiss für eine solche Anordnung besteht im vergleichsweise kleinen abgeflachten und zugegebenermaßen etwas tiefer als üblich angebrachten Peugeot-Lenkrad. Das muss man mögen. Ob man indes die gespiegelten Kacheln für die rechte Monitorhälfte wirklich zusätzlich unter den Lüftungsdüsen braucht, um einen Zugriff auf die Funktionen des Infotainments zu haben, sei dahingestellt. Gut gefallen hat uns die asymmetrische Mittelkonsole mit einigen Schaltern – etwa für Warnblinker, Fahrprogramme, Umluft und Lautstärke. In der Praxis hatten wir mit der zerklüfteten Anordnung von Ablagen nur insofern leichte Probleme, weil uns außer den Becherhaltern die Vertiefungen nicht ausgeschnitten genug waren. Schlüssel oder Brillen kann man dort nicht guten Gewissens deponieren. Unser Dauerbrenner-Kritikpunkt, die stummelartige Stellantis-Schaltkulisse fürs Getriebe – im Peugeot E-3008 neben dem Motorstartknopf rechts vom Lenkrad – ertragen wir mittlerweile in stummer Ergebenheit: Schön und praktisch ist anders. Aber eines Tages wird sicher eine andere Lösung erscheinen.
Gelungen sind die vorderen Sitze mit ihren individuellen Einstellungen und den zupackenden Seitenwangen. Wie schon angesprochen sitzt man auch in der zweiten Reihe für ein Viereinhalb-Meter-Auto angemessen; das Dach fällt erst knapp hinter den erwachsenen Passagieren ab, sodass die Kopffreiheit nahezu unbehelligt bleibt.

Welchen Antrieb hat das Auto? Da haben wir eine echte stromernde Leistungskrone gefahren: den allradgetriebenen E-3008 Dualmotor 325 AWD. Während nämlich die Elektro-Fronttriebler wahlweise mit 213 PS/157 kW oder 231 PS/170 kW ausgestattet sind, hatte unser Allradler zwei E-Motoren an Bord: vorne mit 213 PS/157 kW und hinten mit 113 PS/83 kW – Systemleistung: kraftvolle 325PS/239 kW. Man muss sich aber das Fahrzeug nicht wie einen übersatten Rennboliden vorstellen, schon gleich gar nicht als hypernervöses Rennpferd. Mit einem Leergewicht von rund 2,3 Tonnen steht der Wagen erst mal ganz solide auf seinen zwei angetriebenen Achsen. Längst hat es sich auch herumgesprochen, dass man mit dem wertvollen Strom kein Schindluder betreiben sollte, weil sich dies außer höheren Kosten einmal mehr als reichweitenverkürzendes Merkmal entpuppen könnte. Hier macht dieser Peugeot keine Ausnahme, auch wenn sein Höchsttempo anders als bei den beiden frontgetriebenen Elektrikern statt bei 170 km/h erst bei 180 km/h abgeregelt wird.
Seine unter Idealbedingungen angegebene höchste Reichweite liegt bei 497 Kilometern. Die Akkukapazität beträgt 73 kWh – der Basis-Stromer hat dieselbe Batterie an Bord und kommt bis zu 30 Kilometer weiter. Der mittlere E-3008 hingegen bezieht seinen Strom aus einer 97-kWh-Batterie und kommt im Idealfall bis zu 700 Kilometer weit, weshalb er den Zusatz Long Range trägt, also mit langer Reichweite. Des Pudels Kern liegt bei einem batterieelektrischen Auto nicht zuletzt in der Ladegeschwindigkeit, wofür in der Regel die Schnellladefähigkeit als Referenzwert angegeben wird. Sie liegt beim E-3008 in allen drei Fällen beim 100-kW-Gleichstromladen zwischen 27 und 30 Minuten – von 20 auf 80 Prozent. Wir haben mehrfach in der Praxis bei Plus-Temperaturen um die 10 Grad von knapp 50 Prozent auf gut 80 Prozent 30 Minuten am Schnelllader gebraucht.
Auch nicht uninteressant: Zwar weiß man als Stromer mittlerweile, dass der Akku nicht nur beim Handy, sondern auch beim Auto zugunsten der Lebensdauer nicht ständig auf 100 Prozent geladen werden soll – aber wir haben ihn wegen der maximalen Reichweite zuweilen voll zugedröhnt. Das Ergebnis: Nach weitgehend schonender Fahrweise im gemischten Stadt-Land-Verkehr wies der Bordcomputer bei zehn Grad Außentemperatur und 100-prozentiger Ladung eine Reichweite um 500 Kilometer aus. Bingo – Klassenziel erreicht!

Was bietet einem dieses Auto? Wir wollen noch einen Begriff ins Spiel bringen, der von Verkaufsstrategen bei Fahrzeugen der Mittelklasse gerne verwendet wird: Lounge-Atmosphäre. Da hat der E-3008 schon etwas zu bieten, allem voran die luftigen Platzverhältnisse, ein nach wie vor ungewöhnliches Cockpit mit feinen Materialmischungen. In der GT-Ausstattung besticht die nicht nur schmallippige Ambientebeleuchtung unter dem gebogenen 21-Zoll-Trapez-Bildschirm. Was wir wiederum als grenzwertig empfunden haben: Das mithin eher straff abgestimmte Fahrwerk – oder sind wir da zu sehr in französischer Erwartungshaltung? Unterwegs spielten wir weniger mit den Fahrprogrammen, die von sanft und wirtschaftlich gleitend bis hin zu knackig zupackend nach Lust und Laune zu justieren sind. Leistung hat das kompakte Zwitter-SUV-Coupé sowieso in Hülle und Fülle. Angenehm über die Lenkradpaddles zu bedienen sind die unterschiedlichen Rekuperationsstufen. Das ist praxisnah und gab uns ein gutes Gefühl zur Bremsenergierückgewinnung.
Was muss man für das Auto ausgeben? Beginnen wir nochmal mit dem Einstieg in die 3008-Elektromobilität: Es geht in der jeweils vergleichbaren Ausstattung los bei 48.900 Euro für den Basismotor, der etwas stärkere Long Range-3008 kostet ab 53.000 Euro. Wenn man statt eines Fronttrieblers Antrieb auf alle Viere möchte, fordert die Preisliste mindestens 51.400 Euro.
Autogramm
Peugeot E-3008 GT Dualmotor 325 AWD
Typ: Kompakt-SUV; Preis: 55.450 Euro; Länge: 4,54 Meter; Breite: 1,90 Meter; Höhe: 1,64 Meter; Radstand: 2,74 Meter; Leergewicht: 2.266 Kilogramm; Zuladung: 454 Kilogramm; Kofferraum: 470/1.430 Liter; Sitze: fünf; Motor: Elektromotor, Permanentmagneterregte Synchronmaschine; Systemleistung: 325PS/239 kW; E-Motor vorne: 213 PS/157 kW; E-Motor hinten: 113 PS/83 kW; Drehmoment vorne: 345 Newtonmeter; Drehmoment hinten: 166 Newtonmeter; Spitze: 180 km/h; 0 auf 100 km/h: 6,0 Sekunden; Batterietyp: Lithium-Ionen-Akku; Batteriekapazität: 73 Kilowattstunden (kWh); Reichweite (WLTP): 497 Kilometer; Wallbox Wechselstrom 11 kW: 4 Stunden 50 Minuten (20-80 Prozent), Ladestation Gleichstrom 100 kW: 30 Minuten (20-80 Prozent), Stromverbrauch: 18,0 kWh/100 Kilometer; CO2-Ausstoß: 54 Gramm/Kilometer (Strommix Deutschland); Testverbrauch: 22 kWh/100 Kilometer.


