Auf Expedition durchs Wohngebiet

Radläufe aus robustem Plastik, Schmutzfänger und eine speziell genarbte Kühlergrill-Blende: Dank seiner Abenteuer-Schminke hebt sich die Cross-Country-Version des Volvo EX30 von den zivilen Geschwistern ab. Was bringt einem das Experience-Paket im Alltag?

Von Paul-Janosch Ersing

Was ist das für ein Auto? Bis heute stechen die kunststoffbeplankten, um einige Zentimeter höhergelegten Volvo-Kombis der 2000er- und 2010er-Jahre mit dem Namenszusatz Cross Country im Stadtbild ins Auge. In den Straßenschluchten angesagter Wohnviertel wirken sie mitunter so, als hätten sich ihre Besitzer verfahren. Mit Allradantrieb kombiniert duften diese besonderen Modellvarianten nach Lagerfeuer und Abenteuer. Als exotischster Vertreter dieser speziellen schwedischen Zunft dürfte die zum Crossover aufgebockte Limousine S60 Cross Country in die Annalen eingehen.

Was bietet einem dieses Auto? Mit dem kompakten Elektro-EX30 betritt die Cross-Country-Idee Neuland: Nun werden also auch SUVs mit einer erweiterten Robustheit ausgestattet, im Falle unseres Testwagens sogar mit einem zusätzlichen Experience-Paket (Aufpreis 2.990 Euro), das neben grobstolligen Reifen (All-Terrain), den dazu passenden 18-Zoll-Leichtmetallrädern und Schmutzfängern vorn und hinten auch einen grobmaschigen Lastenkorb fürs Dach enthält.

Im Cockpit wird Verzicht geübt: Ein einziges Hochkant-Display muss genügen, um sowohl alle relevanten Informationen für den Fahrer anzuzeigen als auch für eine möglichst abwechslungsreiche Bordunterhaltung zu sorgen. Auch gegen Ende des zweiwöchigen Testzeitraums konnten wir mit dem konsequenten Verzicht auf echte Schalter und Knöpfe (zum Beispiel für die Spiegelverstellung) nicht warm werden. Während der Fahrt ist die Toucherei auf dem Bildschirm ein Unsicherheitsfaktor; die kamerabasierte Fahrer-Überwachung moniert auch prompt diese erzwungenen Ablenkungen. Die EX30-Preisliste beginnt bei 38.490 Euro für einen Hecktriebler mit 272 PS/220 kW und klettert für die einfachste Plus-Ausstattung unseres zweimotorigen Testwagens auf 51.890 Euro. Unterm Strich waren’s am Ende sogar über 60.000 Euro.

Was für einen Antrieb hat das Auto? Die Performance-Version des EX30 zählt zweifelsohne zu den am meisten übermotorisierten Elektro-Vehikeln unserer Zeit. Der theoretisch mögliche Spurt von null auf 100 km/h in 3,7 Sekunden verrät, dass es an Leistung kaum mangelt. Auch wenn dieser Wert mit der Geländebereifung nicht zu schaffen sein wird, ist die Power an Hinter- und Vorderachse dennoch im Überfluss vorhanden. Bei rutschigen Straßenverhältnissen verlangt das vom Menschen hinterm Lenkrad einen behutsamen Umgang mit dem Fahrpedal.

Wenn längere Autobahnabschnitte auf der Route liegen, schmilzt die WLTP-Reichweite von 427 Kilometern auf einen tatsächlichen Radius von 250 bis 300 Kilometer. Mit einem entsprechend vorkonditionierten Akku konnten wir unterwegs am Schnelllader bis zu 152 kW Strom zapfen.

Wie fühlt man sich in diesem Auto? Stets bereit fürs spontane Abenteuer – diese Ausstrahlung bringt der EX30 Cross Country serienmäßig mit. Wer den Dachkorb dauerhaft montiert lässt, passt zwar weiterhin in die meisten Tiefgaragen und Parkhäuser, muss jedoch ab Tempo 80 sowohl mit einem pfeifenden Hörerlebnis als auch mit einem spürbarn Mehrverbrauch klarkommen. Daher haben wir das Zubehörteil vor längeren Autobahnfahrten abgenommen und in der Garage verstaut.

Was werden wir nie vergessen? All-Terrain-Reifen mögen auch abseits befestigter Wege für ordentlich Grip sorgen, auf einer geschlossenen Schneedecke tun sie es bedauerlicherweise nicht sonderlich gut. Auf einer abendlichen Fahrt durchs Münchener Schneegestöber fühlte sich jeder Ampelstart an wie eine Rutschpartie auf rohen Eiern: Das hohe Drehmoment aus dem Stand lässt die Hinterräder jedes Mal für einen Wimpernschlag durchdrehen, bevor das elektronisch geregelte Allradsystem die Vorderräder zur Hilfe ruft.

Autogramm

Volvo EX30 Twin Motor Performance Cross Country

Typ: Kompakt-SUV; Preis: 57.290 Euro; Länge: 4,23 Meter; Breite: 1,84 Meter; Höhe: 1,57 Meter; Radstand: 2,65 Meter; Leergewicht: 1.960 Kilogramm; Zuladung: 375 Kilogramm; Kofferraum: 318 + 7 Liter; Sitze: fünf; Antrieb: E-Motor hinten: 272 PS/200 kW, 343 Newtonmeter; E-Motor vorn: 156 PS/115 kW, 200 Nm; Spitze: 180 km/h (abgeregelt); 0 auf 100 km/h: 3,7 Sekunden; Batterietyp: Lithium-Ionen-Akku; Batteriekapazität (nutzbar): 65 Kilowattstunden (kWh); Ladeleistung: bis zu 175 kW; Reichweite (WLTP): 427 Kilometer; Stromverbrauch (WLTP): 18,7 kWh/100 Kilometer; entsprechender CO2-Ausstoß (deutscher Strommix 2024: 263 g/kWh): 49,2 Gramm/Kilometer; Testverbrauch: 22,9 kWh/100 Kilometer.


Beitrag veröffentlicht

in

,

von