


Innere Wandelbarkeit ist seine Stärke
Kia erweitert mit dem EV2 das Angebot seiner Elektrofahrzeugpalette um ein Mini-SUV und markiert somit den Einstieg der Marke in die vollelektrische Viermeter-Klasse – einschließlich der Technologien, Ausstattungsmerkmale und Außengestaltung wie aus den größeren Modellen bekannt.
Von Klaus Hagenlocher
Reizvoller Kontrast im Viererpack. Mit einer Länge von 4,06 Metern, 1,80 Meter Breite und 1,57 Meter Höhe kommt der EV2 deutlich erkennbar als kleinster elektrischer Vertreter des südkoreanischen Herstellers daher. In erster Linie wirkt er stämmig, was ihn wohl ganz bewusst als vollwertigen Stromer im Kleinformat auszeichnen soll. Als Hingucker entpuppen sich einmal mehr die markentypischen LED-Scheinwerfer, die klammerartig in die Karosserie eingearbeitet sind. Damit folgen die Designer deutlich dem Anspruch der Wiedererkennbarkeit mit Merkmalen der größeren Brüder. Der Vorderwagen wirkt ebenso knuffig wie wuchtig, was dem Kleinen gut zu Gesicht steht. Auch am Heck wird die Breite durch extrem außen angeordnete Leuchten betont. Ob es schon aus Gründen der Erkennbarkeit jedoch sinnvoll ist, sie so weit nach unten plumpsen zu lassen, scheint mindestens fraglich. Vorbildlich hingegen ist der Wagen rundum kunststoffummantelt – und somit kleinen Remplern nicht hilflos ausgeliefert. Im Seitenblick fallen die eckig gezeichneten Radhausplanken auf: ein reizvoller Kontrast zu den naturgemäß runden Rädern.
Pfiffiges Konzept mit vier oder fünf Sitzen. Bei Kia hat sich eine dreigeteilte Bildschirmanordnung eingebürgert. So ganz zufrieden sind wir mit dem mittleren Teil mit berührungsempfindlicher Klimadarstellung nicht, da die Infos durch den Lenkradkranz nicht gut einsehbar sind. Aber erfreulicherweise findet sich in der Mitte der Armaturentafel am unteren Teil eine Schalterleiste zur alternativen Bedienung der Klimafunktionen. Zeitgemäß gibt es die übliche Anbindungsmöglichkeit für mobile Endgeräte und natürlich eine Ladeschale zum kabellosen Laden eines Handys. Obendrein sind USB-C-Anschlüsse vorne und hinten vorhanden.
Welcher Autohersteller wirbt nicht mit einem großzügigen Raumangebot und hohen Variabilität? Beim EV2 haben sich die Verkaufsstrategen zusammen mit den Gestaltern zweifellos etwas Pfiffiges ausgedacht: Man kann nämlich zwischen einer vier- oder fünfsitzigen Variante wählen. In der Basisvariante Light gibt es grundsätzlich vier Sitze, deren zwei Plätze im Fond geteilt umklappbar sind; letzteres ist in allen Ausführungen möglich. Man kann ihn aber auch in höherwertigeren Ausstattungen als Fünfsitzer bestellen. Zusätzlich wird noch eine viersitzige Variante angeboten, deren Fondsitze verschiebbar und deren Rückenlehnen in der Neigung verstellbar sind. Dies verschafft tatsächlich interessante Spielarten für Passagierkomfort und Kofferraumgröße. Dadurch fasst beim EV2 Light der Gepäckraum 362 Liter, die bis zu 403 Liter in der verschiebbaren Viererkonstellation zu vergrößern sind. Maximal stehen bei umgeklappten Lehnen zwischen 1160 (Vier- und Fünfsitzer) und 1201 Liter (Viersitzer mit verschiebbarer Rückbank) zur Verfügung. Wir wollen aber nicht verschweigen, dass es sich neben aller Flexibilität beim EV2 trotz allem um ein B-Segment-Fahrzeug handelt – beim Ein- und Ausstieg in die zweite Reihe verlangen die Türausschnitte aufmerksames Hinein- oder Hinausfädeln.

Unterwegs mit der Standardbatterie. Fahrer und Beifahrer finden auf bequemen, vielfach verstellbaren Sitzen sehr einfach eine angenehme aufrechte Position. Durch die ziemlich steile Frontscheibe entsteht ein großzügiges Raumgefühl, der Fußraum vorn und die Kopffreiheit sind absolut ausreichend. Die Rundumsicht ist relativ gut, die etwas eingeschränkte Sicht nach hinten wird durch eine Rückfahrkamera ausgeglichen. Dankenswerterweise projizieren Kameras in den Seitenspiegeln beim Einparken und beim Fahrspurwechsel eine Seitenansicht des Fahrzeuges ins Zentraldisplay, was wir als angenehm und sicherheitsfördernd empfunden haben. Der Kia EV2 wird in zwei Batterievarianten angeboten. Der Standard-Akku mit 42,2 kWh versorgt einen 146 PS/108 kW leistenden Elektromotor mit Strom und ermöglicht eine Reichweite bis zu 317 Kilometern.
Mit dieser Version waren wir unterwegs. Die größere Batterie mit 61 kWh und einer etwas stärkerer E-Maschine (135 PS/99 kW) bietet indes eine Reichweite bis zu 453 Kilometern. Wir haben unsere theoretische Reichweite nicht ganz ausgereizt, konnten aber mittels Bordcomputer am Ende der Testfahrt über Land und in Ortschaften notieren, dass wir mit unserem durchschnittlichen Verbrauch von 14,3 kWh/100 km erfreulicherweise unterm WLTP-Normverbrauch von 15,1 kWh lagen. Dies gelang uns nicht zuletzt auch deshalb, weil wir immer wieder ordentlich Bremsenergie rückgewinnen konnten – per Schaltwippen in vier Stufen einstellbar, bis hin zum vollständigen Stillstand (Ein-Pedal-Fahren). Das Fahrwerk ist jeder Situation gewachsen; es rollt geräuscharm und rumpelfrei selbst über schlechte Straßen. Die Lenkung ist erfreulich frei von Antriebseinflüssen und der Komforteindruck des gesamten Fahrzeuges überraschend hoch und ohne störende Geräusche im Innenraum.
Ladephilosophie mit 400 Volt. Anders als die die größeren 800-Volt-Brüder basiert der EV2 auf einer Elektro-Plattform mit 400 Volt. Wesentlich sind die unterschiedlichen Lademöglichkeiten, was in der stromernden Welt ein bisschen kompliziert, zumindest aber gewöhnungsbedürftig ist: Beim AC-Wechselstromladen mit 11 kW dauert das Stromschlürfen von zehn auf 100 Prozent rund vier Stunden. Stehen 22 kW zur Verfügung (was ab der zweitbesten Ausstattung Earth angeboten wird), gelingt’s in zweieinhalb Stunden. Mit DC-Gleichstromladung und 50 kW ist die Batterie von zehn auf 80 Prozent in 42 Minuten befüllt. An schnelleren Säulen steigt die Ladeleistung auf bis zu 118 kW an und die 80 Prozent sind binnen 29 Minuten erreicht.
Markteinführung, Preise und Ausstattungen. Bereits in der Basis verfügt der Kia EV2 über eine recht umfangreiche Serienausstattung. Neben LED-Scheinwerfern und Klimaautomatik umfasst diese ein breites Spektrum aktueller Fahrerassistenzsysteme. Kia hat dem EV2 die technischen Ausstattungsmerkmale der größeren Brüder fast komplett übertragen. Es gibt das Mini-SUV in den vier Linien Light, Air, Earth und GT-Line, die schrittweise zusätzliche Komfort- und Sicherheitseinrichtungen beinhalten.
Der in Europa entwickelte und im slowakischen Žilina produzierte EV2 kostet ab 26.600 Euro; allerdings ist diese Light-Ausführung hierzulande erst ab Oktober verfügbar. Bereits ab 18. April beginnt die EV2-Markteinführung in Kombination mit der Standardbatterie zu Preisen ab 28.990 Euro in der Air-Variante. Im Juli folgen die Modelle mit dem größerem Akku ab 33.490 Euro. Bei Kia gilt auch für den EV2 die siebenjährige Herstellergarantie. Für die Batterie wird eine Garantie von acht Jahren oder 160.000 Kilometern gegeben.
Autogramm
Kia EV2 Light
Typ: Mini-SUV; Preis: ab 26.600 Euro; Länge: 4,06 Meter; Breite: 1,80 Meter; Höhe: 1,57 Meter; Radstand: 2,56 Meter; Leergewicht: 1620 Kilogramm; Zuladung: 400 Kilogramm; Kofferraum: 362-1160 Liter; Sitze: vier; Motor: Elektromotor, Permanentmagneterregte Synchronmaschine; Leistung: 146 PS/108 kW; Drehmoment: 250 Newtonmeter; Spitze: 161 km/h; 0 auf 100 km/h: 8,7 Sekunden; Batterietyp: Lithium-Eisenphosphat-Akku (LFP); Batteriekapazität: 42,2 kWh Kilowattstunden (kWh); Reichweite: 317 Kilometer; Laden Wallbox Wechselstrom 11 kW: 4 Stunden, 5 Minuten; Ladestation Gleichstrom 50 kW: 42 Minuten (10-80 Prozent), Schnellladung Gleichstrom 118 kW: 29 Minuten; Stromverbrauch (WLTP): 15,1 kWh/100 Kilometer; CO2-Ausstoß: 45 Gramm/Kilometer (Strommix Deutschland).

