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Ein bodenständiger Elektriker
Subaru hat sich einen exzellenten Ruf als Hersteller mit Boxermotor, Allradantrieb und ausgeprägter Kundenzufriedenheit erarbeitet. Nach dem Mittelklasse-SUV Solterra führt das nagelneue Kompakt-SUV Uncharted nun den Übergang in die Elektrowelt weiter.
Von Gundel Jacobi
Kompakt-SUV mit Front- oder Allradantrieb. Zugegeben: Man stutzt schon kurz beim englischen Namen Uncharted, da diese international genutzte Bezeichnung für den Subaru-Neuzugang in etwa unentdeckt oder unerforscht bedeutet. Sobald ein bisschen um die Ecke gedacht wird, löst sich diese Irritations-Verspannung aber auf. Denn schließlich ist nicht das Fahrzeug unerforscht, sondern mit ihm kann man sozusagen in die unendlichen Weiten hiesiger Galaxien aufbrechen – oder so ähnlich.
Fakt ist, dass Subaru mit dem Uncharted nach drei Jahren ein weiteres komplettes Elektromodell an die Seite des größeren Mittelklasse-SUV Solterra stellt. Dabei kann man dem japanischen Hersteller nicht vorwerfen, dass er die Erklimmung stromernder Gipfel im Sauseschritt durchführt. Sei’s drum, der gut viereinhalb Meter lange Uncharted ist im Grunde seines Herzens ein Abkömmling seines Vetters CH-R+ vom Kooperationspartner Toyota und somit alles andere als unerforscht. Obendrein kommt hinzu, dass gut zwei Drittel der in Deutschland zugelassenen SUV-Fahrzeuge mit Frontantrieb ausgestattet sind. Mag sein, dass Subaru deshalb seine Marken-Richtschnur weiter gelockert hat: Der Solterra ist ein unbedingter Allradler, den Uncharted gibt es wahlweise mit Antrieb auf zwei oder vier Räder.
Ganz schön frische Linienführung. Subaru hat nie einen Hehl daraus gemacht, hierzulande die Rolle eines Nischenanbieters innezuhaben. Im Gegenteil: Man kokettierte sogar damit, abgesehen vom stets exotischen Boxermotor beim Design eher auf Bodenständigkeit als auf trendige Gestaltung zu setzen. Schaut man sich den Uncharted an, handelt es sich zwar nicht gerade um eine revolutionäre Linienführung, aber das Zusammenspiel der Rundungen und Kanten sowie die insgesamt munter gezeichnete Karosserie lassen erahnen, dass möglicherweise neue Kunden angesprochen werden könnten. Mit anderen Worten: Eindeutig einer Marke zuordnen kann man den Uncharted nicht, dazu ist er denn doch zu beliebig – erst der Blick aufs Markenemblem zerstreut die Ungewissheit.
Freudige Überraschung im Cockpit. Hier fällt vor allem eins auf: das viereckig gezimmerte Lenkrad, also zumindest nicht klassisch rund. Es liegt richtig gut in der Hand, auch wenn gewohnheitsorientierte Naturen sein unförmigeres Gleiten im Kurvenradius anprangern mögen. Aber wann fährt man schon mal anhaltend im Kreis? Und selbst das haben wir probiert: reine Gewohnheitssache! Gut gelöst ist der auf die Armaturentafel aufgesetzte Bordcomputer, welcher jegliches Head-up-Display ersetzt. Das ist alles nicht neu erfunden, gibt’s bei anderen auch. Aber warum sollte man Sinnvolles nicht ebenfalls einsetzen? Noch eine positive Bemerkung gilt dem Drehrad für die Getriebe-Automatik – auch wenn dessen Platz auf der Mittelkonsole ein bisschen weiter nach vorne hätte gerückt werden können. Denn die Hand vom Lenkrad wäre somit einen Tick näher und schneller und womöglich ergonomisch perfekter dran. Die beiden dortigen Mobiltelefonladeschalen hätten genau so gut weiter hinten positioniert werden können. Der Touchscreen trägt noch gewisse bekannte Subaru-Gene in der Darstellung, vielleicht ein bisschen hausbacken, aber in jedem Fall übersichtlich. Was heutzutage schon lobeshymnenwürdig ist: Spiegeleinstellung und Fensteröffner sitzen dort, wo sie hingehören: in den Türen und nicht irgendwo versteckt im Monitor. In der zweiten Reihe geht es ganz gewöhnlich zu: kein erstaunlicher Platz zum Abwinken, zwei Erwachsene sitzen bequem, aber eingepasst in Kopf- und Beinfreiheit – in der Mitte reicht es kompaktorientiert nur für Schmalhüftige. Der 400-Liter-Kofferraum ist durchschnittlich. Legt man die Rücksitzlehnen um, entsteht eine nur leicht ansteigende Fläche – auch hier Mittelmaß.
Gute Bandbreite beim Antriebssammelsurium. Auf den Punkt gebracht: zwei Antriebsarten, zwei Batteriegrößen, drei Leistungsstufen und drei Reichweiten. Die beiden Fronttriebler verbinden entweder 167 PS/123 kW mit einer 58-kWh-Batterie (ab 36.990 Euro) oder 224 PS/165 kW mit der stärkeren 77-kWh-Batterie (ab 43.490 Euro). Im ersten Fall liegt die WLTP-Reichweite bei 451 Kilometer, die zweite Version hat im besten Falle bis zu 592 Kilometer zu bieten. Wer einen Allradantrieb bevorzugt, hat ebenfalls den 77-kWh-Akku an Bord und bedient sich mittels zweier Elektromotoren einer Systemleistung von 343 PS/252 kW (ab 47.990 Euro). Hierbei kommt man im Idealfall bis zu 490 Kilometer weit. Da sollte jeder fündig werden können, wobei sich augenscheinlich spätestens bei der Preisfindung die Geister voneinander scheiden werden. Nicht ganz unwichtig bei eingefleischten Subaru-Fahrern, die gerne zu einer Anhängerkupplung greifen, dass die Anhängelast in der zweiradgetriebenen Ausführung 750 Kilogramm beträgt, der Allradler kann 1500 Kilogramm an den Haken nehmen.
Strom-Ladefähigkeiten und Verbrauch. Die Verbrauchsangaben laut Werk liegen über die drei Leistungsstufen zwischen 13,7 und 15,7 kWh/100 km. Wir hatten die Gelegenheit, mit dem stärkeren Fronttriebler auf der Autobahn und über Land eine Tour zu absolvieren. Nimmt man seinen WLTP-Normverbrauch von 13,8 kWh als Messlatte, lagen wir mit 17,9 kWh deutlich drüber. Es herrschten warme Temperaturen um 20 Grad, und wir ließen es auf der Autobahn auch streckenweise fliegen – die abgeregelte Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h erreichte das Auto natürlich mühelos. Alles in allem ist unser Verbrauch wohl alltagsnäher.. Das Allradfahrzeug stand nur fürs Gelände zur Verfügung. Noch eine Portion Theorie bezüglich Strom-Ladefähigkeit: Das 400-Volt-System erlaubt eine maximale Wechselstromladeleistung von 22 kW und eine Leistung von höchstens 150 kW am Gleichstrom-Schnelllader. Somit kann in 28 Minuten von zehn auf 80 Prozent Strom geschlürft werden. Das ist keine Pionierleistung, sondern heutzutage gerade mal gängige Praxis.
Was er im Gelände. kann. Auch ein Uncharted ist und bleibt ein SUV und verkörpert keinen Geländewagen. Trotzdem haben ihm die Ingenieure einiges mit auf den Weg gegeben, von dem wir uns bei einer Tour durch Matsch und Schlamm sowiean an steilen Steigungen und Gefällen überzeugen konnten – in der Allradversion. Das A und O liegt in der Bodenfreiheit von 21 Zentimeter, und soweit wir erlebten, in einer gewissen Ungerührtheit beim leichten Aufsetzen auf den Grund. Es hat schon was, wenn man mit dem aktivierten X-Mode-Allradsystem über Stock und Stein kriechen kann. Apropos kriechen: Dies passiert quasi automatisch dank der Grip Control mit Berganfahr- und -abfahrhilfe. Ist dieses System aktiviert, kann man eine Geschwindigkeit zwischen zwei und zehn km/h eingeben, den Fuß vom Gaspedal nehmen und fortan fast wie auf Schienen vorankommen – lenken muss man allerdings selbst! Spielereien? Ja und nein, denn dies alles passiert ja nicht nur im von uns befahrenen abgesperrten Motocross-Gelände, sondern kann auch über Feld-, Wald- und Wiesenwege notwendig werden. Nicht nur Förster sind dort unterwegs, von etwaigen Straßenbeschaffenheiten bei Schnee und Schotter ganz abgesehen. Wie gesagt: Es handelte sich um eine Leistungsschau, bei der wir selbst ans Steuer durften – Böschungswinkel vorne 17,2 Grad, hinten 27,4. Rampenwinkel 19,1. Da kann man durchaus mit den Ohren schlackern.
Autogramm
Subaru Uncharted 58 FWD Trend
Typ: Kompakt-SUV; Preis: 36.990 Euro; Länge: 4,54 Meter; Breite: 1,87 Meter; Höhe: 1,63 Meter; Radstand: 2,75 Meter; Leergewicht: 1891 Kilogramm; Zuladung: 649 Kilogramm; Kofferraum: 403-1331 Liter; Sitze: fünf; Motor: Elektromotor, Permanentmagneterregte Synchronmaschine; Leistung: 167PS/123 kW; Drehmoment: 268 Newtonmeter; Spitze (abgeregelt): 140 km/h; 0 auf 100 km/h: 8,4 Sekunden; Batterietyp: Lithium-Ionen-Akku; Batteriekapazität: 58 Kilowattstunden (kWh); Reichweite (WLTP): 451 Kilometer; Ladestation Gleichstrom 150 kW: 28 Minuten (80 Prozent), Stromverbrauch (WLTP): 13,7 kWh/100 Kilometer; CO2-Ausstoß: 41 Gramm/Kilometer (Strommix Deutschland).


