Es dieselt weiter in Rüsselsheim

Nach fünf Jahren hat Opel seinen kompakten Astra modellgepflegt. Die gute Nachricht: Neben viel Feinarbeit bei allen Motorisierungen bietet man auch den Dieselmotor weiterhin an. Wir waren auf einer ersten Testfahrt mit ihm unterwegs.

Von Detlef Schollmeier

Es ist kein Geheimnis, dass alle europäischen Hersteller in ihren Werken mehr Autos bauen könnten, als sie verkaufen. Das Gespenst von Werksschließungen geht nicht nur im Stellantis-Konzern um, unter dessen Dach Opel nach Jahrzehnten als General- Motors-Tochter gelandet ist. Deshalb trommelt man in Rüsselsheim in eigener Sache, und das hört sich so an: „Wir bauen Qualität, sind in der Technik flexibel, und bezahlbar sollen unsere Fahrzeuge auch sein.“ Opel hat eine lange Tradition in Sachen wirtschaftlicher Produktion: Als erster europäischer Hersteller führte das Unternehmen schon vor über 100 Jahren 1924 die Fließband-Produktion in Deutschland ein. Jetzt ist man stolz auf die neue Produktionslinie, auf der alle Astra-Modelle mit allen Antriebsarten kombiniert werden können. Man hofft auf die Zukunft des Standorts: Auch der nächste Opel Astra soll hier entwickelt und produziert werden.

Überall Feinarbeit. Den in diesem Frühjahr modellgepflegten Astra bietet Opel weiterhin mit Dieselmotor an, und dies keineswegs als Randerscheinung: Rund 30 Prozent aller Astra-Modelle werden von einem Selbstzünder bewegt. Außerdem erhältlich: ein mild hybridisierter Benziner, ein Plug-in-Hybrid und eine vollelektrische Ausführung – alles im kompakten Steilheck-Astra und im Kombi mit dem Beinamen Sports Tourer. Überall gibt es Feinarbeit und Neuerungen: verbesserte Antriebe, Chrom wird zum Teil durch Lichteffekte ersetzt, ein neues Intelli-Lux-HD Licht sorgt dafür, dass andere Verkehrsteilnehmer weniger geblendet werden. AGR zertifizierte Intelli-Sitze bieten einen noch entspannteren Fahrkomfort, es gibt neue Farben und Over-the-Air-Updates. Geblieben sind die straffe Fahrwerksabstimmung, die übersichtliche Bedienung, viele Tasten und Knöpfe sowie ausreichend Platz für Mensch und Gepäck.

Mehr Reichweite. Als Electric hat der Opel Astra nun eine nach WLTP-Norm auf 454 Kilometer erhöhte Reichweite. Das gelingt mit einem um drei auf jetzt 55 Kilowattstunden erstarkten Akku und motorischen Verbesserungen. Der Verbrauch sinkt auf 15,3 bis 15,8 Kilowattstunden pro 100 Kilometer. Die Ladeleistung bleibt allerdings auf dem Niveau des Vorgängers. 32 Minuten von 10 auf 80 Prozent sind nicht rekordverdächtig. Gegen Aufpreis bekommt man eine Vehicle-to-Load-Einrichtung (V2L). Damit können Elektrogeräte bis zu 3,6 Kilowatt betrieben oder E-Bikes geladen werden, wenn man zum Beispiel im Urlaub ist. Der Plug-in-Hybrid hat ebenfalls mehr elektrische Reichweite: Jetzt kann man nach WLTP bis zu 84 Kilometer unter Strom fahren. Die Leistung wurde auf 196 PS/144 kW angehoben. Für Vielfahrer oder Fahrer, die nicht zu Hause laden können oder sich nicht mit dem immer noch herrschenden Lade-Wirrwarr beschäftigen wollen, bleibt der Mild-Hybrid mit kleinem Akku im Programm.   

Diesel wirtschaftlich wie gewohnt. Schließlich lässt Opel den Diesel nicht in die Schmuddelecke drängen, der sich bei Vielfahrern, die auf Langstrecke eher herkömmlich reisen möchten oder müssen, weiterhin beträchtlicher Beliebtheit erfreut. Zu einer ersten Testfahrt sind wir in den Diesel-Astra mit 1,5 Liter Hubraum, 130 PS/96 kW und Achtstufen-Automatikgetriebe in der einfachen Edition-Ausstattung eingestiegen. Von außen sieht der Wagen vertraut aus. Na gut, es gibt den neuen beleuchteten Blitz. Das fällt auf. Innen hat sich mehr getan. Schon in der Einstiegsvariante sind die neuen Intelli-Sitze eingebaut. Man sitzt ausgesprochen gut und rückenschonend auch auf längeren Fahrten. Im Fond ist ebenfalls ausreichend Platz, und für den Transport von sperrigen Gütern steht bei umgeklappter Rückbank eine Fläche von 1,02 mal 1,59 Meter zur Verfügung, allerdings nicht stufenlos.

Viele Funktionen wie das Öffnen der Fenster, das Einstellen der Spiegel oder das Betätigen der Scheibenwischer sind wie gewohnt über Schalter bedienbar. Auch die Steuerung über den zentralen Bildschirm gibt keine allzu großen Rätsel auf. Die Menüführung ist einleuchtend und intuitiv. Allerdings kann man den Warnton bei Geschwindigkeitsüberschreitungen leider nicht direkt ausschalten: Die Deaktivierung versteckt sich in einer tieferen Ebene der Menüs und muss wie vom Gesetzgeber gewollt bei jedem neuen Anlassen bewerkstelligt werden.

Das Fahrwerk des Opel Astra ist wie gewohnt straff, aber nicht zu hart. Die Lenkung arbeitet sehr direkt, der Wagen fährt sich handlich, bremst gut. Seine Leistung reicht aus, entfaltet sich angenehm gleichmäßig. Aber beim Überholen und auf der Autobahn bei höheren Geschwindigkeiten wirkt der Motor etwas träge. 130 Pferdestärken für anderthalb Tonnen Leergewicht machen das Auto nicht zum Sprinter, obwohl das höchste Drehmoment schon ab 1750 Umdrehungen pro Minute abgerufen werden kann. Das dieseltypische Verbrennungsgeräusch ist deutlich vernehmbar, tritt bei höheren Geschwindigkeiten aber in den Hintergrund. Nach der ersten kurzen Testfahrt durch die Stadt und über die Stadtautobahn zeigt uns der Verbrauchsmesser 4,8 Liter pro 100 Kilometer an – bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 65 km/h.

Autogramm

Opel Astra 1,5 Diesel Edition

Typ: Kompaktwagen; Preis: 36.540 Euro; Länge: 4,37 Meter; Breite: 1,86 Meter; Höhe: 1,47 Meter; Radstand: 2,68 Meter; Leergewicht: 1.438 Kilogramm; Zuladung: 502 Kilogramm; Sitze: fünf; Tankinhalt: 52 Liter; Motor: Otto-Vierzylinder ; Hubraum: 1498 Kubikzentimeter;  Leistung: 130 PS/96 kW bei 37500 U/min; Drehmoment: 300 Newtonmeter bei 1750 U/min; 0 auf 100 km/h: 10,6 Sekunden; Spitze: 209 km/h; Normverbrauch (WLTP): 5,0 Liter Diesel; CO2-Ausstoß: 130 g/km.


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