


Schneller als die Ladesäule
Bevor der zweisitzige Smart als #2 in wenigen Tagen sein öffentliches Comeback erlebt, sorgt der auf 4,70 Meter gestreckte #5 für die besten Zahlen der inzwischen mehrheitlich chinesischen Marke.
Von Paul-Janosch Ersing
Was ist das für ein Auto? Der #5 ist so etwas wie der Blech gewordene Abschied von Smart als Kleinwagenmarke. Und in der Brabus-Variante ist er noch mehr: ein rollendes Ausrufezeichen. Denn mit seinen vollelektrischen 646 PS/475 kW in der Spitze muss man ihn nach allem, was einem so einfällt, als ziemlich unvernünftig einstufen. Die rot lackierte Schminke an Bug, Seitenspiegel, Schweller und Heck kennt man irgendwie von einer früheren Generation des Citroën C3: Sie bettelt geradezu um Aufmerksamkeit – und führte während unseres Tests wiederholt zu anerkennenden Blicken von anderen Ladesäulen-Besuchern.
Was bietet einem dieses Auto? Noch mehr Anerkennung als für sein Aussehen verdient hätte der #5 allerdings vielmehr dank seines beeindruckenden Ladeverhaltens. Bis zu 400 kW sind technisch drin, wenn die unterwegs angesteuerte Infrastruktur mitmacht. Bei uns war eine 300-kW-Station das höchste der Gefühle, und der XXL-Smart füllte seinen – in diesem Fall nicht extra vorkonditionierten – Stromspeicher spontan mit bis zu 205 kW (SOC bei Ladebeginn: 62 Prozent). Das ist schneller als die meisten Wettbewerber.
Was für einen Antrieb hat das Auto? Wo Brabus draufsteht, ist auch Brabus drin. Dieser Satz klingt nach einem Werbetext, hat aber teilweise einen gewissen Wahrheitsgehalt. Die oben bereits erwähnte Leistung der beiden Elektromotoren kann – wenn es allen Passagieren gefällt – für Beschleunigungsmanöver einer anderen Dimension genutzt werden. Schon nach dem ersten Selbstversuch wird klar: Auf öffentlichen Straßen haben derartige Raketenstart-Simulationen wenig zu suchen. Gerade die auf Landstraßen mitunter recht praktischen Zwischenspurts von Tempo 70 auf 100 spielen sich in so unfassbar kurzer Zeit ab, dass der Tacho stets im Blick bleiben sollte. Neben dem Brabus-Modus stehen auch gemächlicher ausgelegte Fahrprogramme zur Wahl. Wenn Eco oder Komfort ausgewählt wird, lässt sich der #5 zahm und effizient von A nach B bewegen.



Wie fühlt man sich in diesem Auto? Das mit griffgünstigem Alcantara bezogene Lenkrad und der beleuchtete Brabus-Schriftzug auf der unteren Speiche geben einem immer ein bisschen das Gefühl, in einem auf Krawall gebürsteten SUV zu sitzen. Doch solange man nicht die Torheit begeht, die synthetischen Motor-Innenraumklänge ein- oder gar auf „Roaring“ zu schalten, bleibt alles angenehm still und leise. Die für den Innenraum gewählten Materialien sind sehr kunststofflastig, fühlen sich aber dennoch hochwertig an und sehen auch gut aus. Dank der scharf arbeitenden 360-Grad-Rundumkameras brauchen auch Menschen, die von einem zweisitzigen Smart Fortwo in einen #5 wechseln, keine Scheu vor Einparkmanövern zu haben.
Was werden wir nie vergessen? Auch ausschließlich über die Sprachbedienung lässt sich dieses Auto fast ohne Einschränkungen befehligen. Dieses nicht ganz freiwillige Experiment erwartete uns in der ersten Hälfte des zweiwöchigen Testzeitraums, als der berührungsempfindliche Zentralbildschirm zwar fehlerlos seine bunten Bildchen anzeigte, allerdings auch nach mehrmaligem guten Zureden nicht auf Berührungen reagierte. Ein System-Neustart bei stehendem Fahrzeug brachte die ab Werk versprochene Touch-Funktion wieder zum Arbeiten.

