


Eine Rarität in der Nische
Der koreanische Pick-up ist arbeitswillig mit weit oben angesiedelten Belastungsgrenzen diesseits und jenseits der Straße. Er steht auch nach der Modellerneuerung mit Dieselmotor und stets als Doppelkabine bereit – interessanterweise in zwei Längen. Sein Einstiegspreis beträgt 40.990 Euro.
Von Gundel Jacobi
Er zieht die Blicke auf sich. Bullig und mit auffälligem Kühlergrill von robustem Kunststoffgehäuse ummantelt: Die kastige Bugpartie könnte nicht eindrucksvoller sein. Dazu gehört auch ein LED-Band oberhalb des Kühlergrills, das die ebenfalls beeindruckenden, klammerartigen Tagfahrlichter optisch miteinander verbindet. Tatsächlich ist der Musso dergestalt eine Rarität in seiner Nische mit offener Ladefläche, dass er sich schon in Standardversion 5,15 Meter in die Länge zieht oder als Musso Grand eine Außenlänge von 5,46 Meter bietet – jene 31 Zentimeter mehr kommen der Ladefläche zugute: Beim Musso misst sie 1,30 x 1,57 Meter, beim Musso Grand ist sie auf 1,61 x 1,57 Meter vergrößert. Der Längenzuwachs ist nicht nur bei der Parkplatzsuche spürbar, auch die Ladungsmöglichkeiten variieren somit zwischen 1011 Liter beim Standard-Musso und 1262 Liter in der verlängerten Ausführung .
Wahl zwischen Sechsgangschaltung oder Automatikgetriebe. Die Koreaner bauen weiterhin einen klassischen Leiterrahmen-Pick-up, der auf robuste Einsätze abzielt. Beim Antrieb setzt KGM auf seinen 202 PS/148 kW leistenden 2,2-Liter-Diesel. Er bringt den Zweitonner zuverlässig voran – entweder als Sechsgang-Handschalter oder in der Sechsstufen-Automatikausführung. Ob entlang asphaltierter Routen oder im Gelände, mit einer Nutzlast bis zu 865 Kilogramm (1085 Kilogramm in der Langversion) kommt er problemlos zurecht. Obendrein nimmt er in Verbindung mit dem Sechsstufen-Automatikgetriebe 3,5 Tonnen an den Haken. Das ist nicht nur für Boots- und Pferdeanhänger das Maß aller Dinge. Der handgeschaltete Musso muss sich mit 2,8 Tonnen im Schlepptau begnügen.
Für ganz Hartgesottene, die mit entsprechendem Untergrund konfrontiert sind, steht neben dem zuschaltbaren Allradantrieb mit Untersetzung wie gehabt auch ein Sperrdifferenzial zur Verfügung – alles per Drehschalter auf der Mittelkonsole einstellbar. Auf den ersten Blick nicht sichtbar: Gegenüber der Vorgängergeneration verfügt der Musso nun über rund drei Zentimeter mehr Bodenfreiheit – 24,5 Zentimeter beim Musso und 24,8 Zentimeter beim Musso Grand. Alles in allem geht’s weithin mühelos über Stock und Stein. Praktische Alltagshelfer wie acht Verzurrösen, LED-Ladeflächenbeleuchtung und zwei Trittstufen, die auch bei geöffneter Klappe das Besteigen der hinteren Fläche vereinfachen, sind für den mobilen Lademeister grundsätzlich an Bord.

Cockpit mit Pkw-Atmosphäre. Was spielt sich im Inneren der fünfsitzigen Doppelkabine ab? Hier herrscht Pkw-Flair, das heißt, sobald die erhöhte Sitzposition erklommen ist, kann man sich dem vor dem Steuer angeordneten digitalen Bordcomputer widmen. Rechts daneben wartet auf der Mitte der Armaturentafel der 12,3-Zoll-Touchscreen, auf dem man sich schnell zurechtfindet. Darunter sind die Lüftungsdüsen und sehr gut zu bedienende Klima-Drehschalter sowie eine Etage tiefer ein paar Softflächen zum raschen Aktivieren von Umluft oder Scheibenheizung. Im vorderen Teil der Mittelkonsole befindet sich neuerdings die Ladeschale fürs kabellose Mobiltelefon. Gleich daran anschließend gibt es passend zum Charakter des Fahrzeugs einen massiven Knüppel zum Wechseln der Schaltstufen; ebenfalls griffbereit: das schon erwähnte 2H-4H-4L-Drehmodul samt Sperrdifferenzial, das ein Durchdrehen der Hinterräder vermindern hilft.
Tiefes Motorgrollen passt zum Fahrzeugcharakter. Auf einer ersten Testfahrt mit dem Automatik-Musso, bei der die Straßentauglichkeit im Vordergrund stand, kam eindeutig sein bäriges Drehmoment von 441 Newtonmeter zur Geltung. In einer Elektro-Zeit, in der Selbstzünder eher verpönt sind, mutet das Motorgrollen aus der Musso-Tiefe beinahe seltsam, wenn auch absolut stimmig an. Spätestens im Hinblick auf die vielschichtigen Einsatzzwecke mit hohen Lasten und auf mitunter unwegsamem Untergrund erscheint einem diese Antriebsvariante mit ihrer hohen Durchzugskraft schier unumgänglich. Wer umweltfreundlich fahren will, ist mit dem HVO100-Kraftstoff mit bestem Gewissen unterwegs.
Das Fahrwerk zeigt unmissverständlich, dass der Musso ein kerniger Bruder ist. Sagen wir mal so: Stöße von Bodenunebenheiten werden ziemlich ungeniert in die Doppelkabine weitergeleitet. Die Lenkung hat eine gewisse Tendenz zur Schwammigkeit, wobei: Das ist es ja gerade, was den Pick-up zum etwas anderen Gefährten als all die vollverschalten SUV-Lastesel macht. Denn im Gelände wäre ein Gokart-Gefühl völlig fehl am Platze. Aber damit kein falscher Eindruck entsteht: Grobschlächtig ist der Musso keinesfalls. Im Gegenteil: Fahrassistenten und Komfortmerkmale sind je nach Ausstattungsvariante bestellbar. Dann sind etwa nicht nur beheizte, sondern auch kühlende Sitze eine Option.
Ordentlich aufgestelltes Händlernetz. Handgeschaltet steht der KGM Musso ab 40.990 Euro bei den bundesweit 140 Händlern. Der Musso Grand kostet ab 42.490 Euro. Automatik schlägt jeweils mit 2000 Euro zu Buche. Durchforstet man die Preislisten der Pick-up-Wettbewerber, deren derzeit in Deutschland angebotene Menge auf eine einstellige Zahl geschrumpft ist, ist der modellerneuerte Südkoreaner zweifellos ein attraktives Angebot – garantiert ohne jegliche Schicki-Micki-Allüren.
Autogramm
KGM Musso Diesel Core
Typ: Pick-up; Preis: 40.990 Euro; Länge: 5,15 Meter; Breite: 1,95 Meter; Höhe: 1,87 Meter; Radstand: 3,10 Meter; Leergewicht: 2085 Kilogramm; Zuladung: 865 Kilogramm; Ladefläche: 1,30 x 1,57 Meter; Sitze: fünf; Tankinhalt: 75 Liter; Motor: Diesel-Vierzylinder; Hubraum: 2157 Kubikzentimeter; Leistung: 202 PS/148 kW bei 3800 U/min; Drehmoment: 400 Newtonmeter bei 1400 U/min; Getriebe: Sechsgang-Schaltung; Spitze: 177 km/h; Normverbrauch: 9,1 Liter Diesel, CO2-Ausstoß: 238 Gramm/km.


