Der letzte Mohikaner

Der XCeed, Kompakt-SUV oder Schräghecklimousine, einziger Überlebender aus dem ursprünglich weit aufgefächerten Ceed-Modellfächer, wird noch einmal richtig aufgefrischt – vor allem äußerlich. Die Motorenpalette bleibt mit den bekannten Turbobenzinern unangetastet.

Von Gundel Jacobi

Porträt von Gundel Jacobi

Verblüffend veränderter Bug. Wo gibt’s denn so etwas? Statt größer ist der überarbeitete XCeed kleiner geworden. Nun ja, es sind in der Länge zwar nur knapp zwei Zentimeter, aber entgegen dem weithin verbreiteten Wahn, sich von Zeit zu Zeit in den Außenmaßen ungehemmt aufzublähen, übt sich das Kompakt-SUV hier im Verzicht. Das fällt nicht weiter ins Gewicht, denn da es sich um eine Modellpflege handelt, bleibt die Grundstruktur unangetastet – nur der Bug ist etwas kürzer. Ansonsten streckt der 4,38 Meter lange Wagen seine Nase weiterhin gekonnt in den Fahrtwind. Dies geschieht jedoch verblüffend verändert und geht ziemlich über ein bisschen veränderten Pudereinsatz hinaus, wie man es von derartigen kosmetischen Stricheleien kennt. Klar, der XCeed trägt nun das aktuelle Kia-Gesicht. Stellt man den Vorgänger daneben, gibt’s keinerlei Ähnlichkeiten: Eine komplett neue Bugpartie – mit raffiniert gewölbter Lichtsignatur und einem prägnanten Kühler im Blockhausstil – wirkt etwas großspuriger als die vorigen Stockwerk-Zeichnungen. Dies setzt sich am Heck mit kastigen Grafiken fort: Die klammerartigen Leuchten rahmen das komplett durchgezogene Leuchtenband ein. Nur wer den XCeed seitlich betrachtet, wird schwerlich lediglich eine Veränderung mit seinen leicht modifizierten Seitenschwellern feststellen.

Klarer Bauhausstil an der Armaturentafel. Gab es eigentlich immer schon Modellpflegen mit solch deutlich veränderter Cockpitgestaltung? Vermutlich ja, man verdrängt meist die einstigen Anpassungen. Auf jeden Fall erkennt man auch im Inneren auf den ersten Blick, dass anders strukturiert wurde – wobei dies einmal mehr Geschmackssache ist: Während in der früheren geschwungenen Armaturentafel nur der Hauptbildschirm mit seinem Infotainmentsystem aufgesetzt wurde, hat man nun kurzerhand die gesamte Bordcomputer- und Touchscreen-Einheit quasi rausgenommen und in einen nahtlosen Block mit zwei Bildschirmen erkennbar vor die Armaturentafel gesetzt. Das sieht zweifellos sehr aufgeräumt und modern aus. Kritiker mögen bemerken, dass dadurch aber das Spiel mit unterschiedlichen Formen, an denen das Auge Gefallen finden kann, verloren geht. Unabhängig vom Aussehen funktioniert die Bedienung mit Wischen und Tippen einwandfrei, es gibt auch eine Leiste darunter, auf der man schalterähnliche Funktionen samt Drehknöpfen wie etwa die Klimaeinheit beeinflussen kann. Eine ganz lustige Veränderung hat am Automatikwählhebel stattgefunden: Er ist weiterhin ziemlich klobig, das Teil zum Zupacken sitzt nun aber nicht mehr längsseits obendrauf, sondern ist quer montiert. Wir meinen, das war der Ummodelmühe nicht wert. Im Fond sitzt man manierlich für das Kompaktmaß, auch der Kofferraum bietet mit 426 Liter keine weiteren Überraschungen, die Verarbeitung ist dort hinten in Ordnung – halt die üblichen aufgerauhten Flächen, Verzurrösen und Haken zur Gepäckbefestigung. Alles ist da, wo es hingehört.

Turbobenziner in drei Leistungsstufen. Beim Antrieb bleibt Kia beim bekannten XCeed-Mix aus Benzinern – der Bau des Plug-in-Hybrid wurde schon 2024 eingestellt. Einstiegs-Lockvogel mit Sechsgang-Handschaltung zu Preisen ab 28.390 Euro ist ein Einliter-Dreizylinder mit 115 PS/85 kW. Wer den mildhybridisierten XCeed samt 48-Volt-Bordtechnik und Siebenstufen-Doppelkupplungsgetriebe bevorzugt, ist ab 30.390 Euro dabei. Der Verbrauchsvorteil fällt mit 6,3 Liter gegenüber 6,4 Liter des Handschalters mager aus.

Zwei weitere Leistungsstufen stecken hinter den beiden 1,6-Liter-Vierzylindern mit 150 PS/110 kW ab 32.890 Euro oder 180 PS/132 kW ab 36.909 Euro – der deutliche Preissprung ist mit der unterschiedlichen Ausstattung nachvollziehbar. Die Normverbräuche liegen in beiden Fällen bei durchaus realistischen 6,9 Liter Super. Für die Testfahrt stand uns der bestens ausgestattete 150-PSler zur Verfügung, der uns vernünftig motorisiert erscheint, ohne jedoch komplett zu glänzen. Natürlich ist es auch eine Frage der Erwartungshaltung; allerdings hatten wir bei unseren Beschleunigungsvorgängen doch etwas mehr Zurückhaltung in der Geräuschentwicklung erwartet.  

Zuverlässiger Begleiter im Alltag. Man will es nicht so banal klingen lassen, aber es stimmt halt: Der XCeed ist ein solider Allrounder ohne herausragende Eigenschaften. Ob man ihn nun als Kompakt-SUV oder als eine Schräghecklimousine bezeichnet: Es gäbe Luft nach oben, was die Antriebstechnologie betrifft, aber da setzt Kia bewusst auf Bewährtes und verweist auf seine breite Modellpalette, die in Sachen Elektrifizierung und ultramodernen Infotainmentsystemen umfassende Alternativen zum XCeed  bietet. Grundsätzlich aber gilt, dass die drei Ausstattungen Core, Vision und Spirit von Komforteinrichtungen bis zu Fahrassistenten den gängigen Angebotsfächer bereithalten – auch beim Digital Key, also der Möglichkeit, das Mobiltelefon als Fahrzeugschlüssel zu nützen.

Mit Normverbräuchen zwischen 6,3 und 6,9 Liter Super sind die Motorisierungen keine ausgewiesenen Sparmeister und gelten somit nicht als Superknaller unter den Turbobenzinern. Müssen sie auch nicht, denn wir erinnern uns: Es handelt sich um eine Modellpflege, nicht um eine Neuentwicklung. Motorseitig noch einmal Hand anzulegen, hätte sich offenbar nicht gelohnt. Zu den Pluspunkten des koreanischen Herstellers zählt nach wie vor die Sieben-Jahres-Garantie.

Autogramm

Kia XCeed 1.0 T-GDI Core

Typ: Kompakt-SUV; Preis: 28.390 Euro; Länge: 4,38 Meter; Breite: 1,83 Meter; Höhe: 1,48 Meter; Radstand: 2,65 Meter; Leergewicht: 1355 Kilogramm; Zuladung: 475 Kilogramm; Kofferraum: 426-1378 Liter; Sitze: fünf; Tankinhalt: 50 Liter; Motor:  Otto-Dreizylinder; Hubraum: 998 Kubikzentimeter; Leistung: 115 PS/86 kW bei 6000 U/min; Drehmoment: 200 Newtonmeter bei 2000 U/min; Getriebe: Sechsgang-Schaltung; Spitze: 182 km/h; 0 auf 100 km/h: 11,7 Sekunden; Normverbrauch: 6,4 Liter Super, CO2-Ausstoß: 144 Gramm/km.


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