


Die Zweimotorige mit Allradantrieb
Sie ist da! Die stromernde C-Klasse tritt zunächst als C400 4Matic an: mit zwei Elektromotoren und zusammen 489 PS Leistung, Luftfahrwerk, gut 700 Kilometer Reichweite, einem riesigen Hyperscreen-Bildschirm und schier zahllosen Sternen. Los geht’s ab 67.711 Euro.
Von Gundel Jacobi
Limousine mit kurzer Heckklappe. Bevor andere Begehrlichkeiten auftauchen, sei eins klargestellt: Die Elektroversion der C-Klasse steht einzig als Limousine mit kurzer Heckklappe zur Verfügung – eine Kombiausführung ist nicht geplant. Sie bedient sich der MB.EA-Plattform, auf der auch der Elektro-GLC aufgebaut ist. Mit Hinweis auf diesen SUV-Mercedes werden all diejenigen vertröstet, die womöglich auf eine Kombi-Lösung spekuliert haben. Sei’s drum, die fast fünf Meter lange Elektro-C-Klasse hat es in sich und kann schon äußerlich eine Menge bieten. Zur Markteinführung fährt einzig das Spitzenmodell C400 4Matic in die Ausstellungsräume.
In der von uns gefahrenen Ausführung ist am Bug das Markenemblem in Form eines ziemlich großen Sterns untergebracht. Drumherum gruppieren sich auf dem kühlerartigen Grill genau 942 feinsäuberlich angeordnete Lichtpunkte – zweifellos beeindruckend und nicht gar so verspielt wie die vielen Sternchen früherer Modelle der jüngeren Vergangenheit. Wobei: In den beiden Scheinwerfern sitzt jeweils ein stilisierter Stern, was ganz nett aussieht. Coupéhaft fällt das Dach nach hinten ab, wo ein bulliger Wagenabschluss samt breitem Leuchtenband mit weiteren fünf Sternen aufwartet: einer in der Mitte als Markenzeichen und jeweils zwei in den Heckleuchten integriert.
Wow-Effekt: der Hyperscreen. Im Inneren des C400 4Matic wartet edles Gestühl auf die Passagiere. Beim Blick auf den Bildschirm, der sich über die gesamte Breite der Armaturentafel zieht, geht einem spontan die Bezeichnung „irre groß“ durch den Kopf. In der Diagonalen misst selbiger 99,3 Zentimeter! Sogar die beiden äußeren Lüftungsdüsen sind von ihm umschlossen. Hyperscreen nennen die Verkaufsstrategen diesen enormen Blickfang; raffiniert gemacht, das muss man den Innenarchitekten lassen. Der Beifahrer mag somit während der Fahrt zum Beispiel einen Film anschauen, den der Mensch am Steuer aber aus guten Gründen nicht betrachten kann.
Im Fond lässt es sich auch bequem sitzen, wobei der Einstieg bei einer maximalen Dachhöhe von 1,50 Meter nicht üppig ist, wenn man an die Türausschnitte von SUV-Fahrzeugen denkt. Aber dafür duckt sich die Elektro-C-Klasse mit abfallender Dachlinie zum Heck auch eleganter und strömungsgünstiger auf die Straße. Ein Sahnehäubchen ist übrigens von der Position in der zweiten Reihe besonders gut einzusehen: Das Panoramadach ist mindestens so eindrucksvoll wie der Hyperscreen. Hier hat man sich wieder der beliebten Sterne bedient: 162 solcher Leuchtpunkte passen perfekt ins Glasdach, das überdies in neun Stufen von transparent bis matt gedimmt werden kann. Da fehlen einem nur noch die Sternschnuppen, da das Ambientelicht rundum eine mehr als wohnliche Atmosphäre erzeugt. Die Beine kann man je nach Menschengröße ganz problemlos unterbringen, was bei einem Radstand von fast drei Metern kaum verwunderlich ist.
Ein bisschen beengter geht es im 470 Liter fassenden Kofferraum zu, der zudem mit seiner kurzen Heckklappe gewisse Grenzen beim Befüllen aufzeigt – abgesehen davon erfordert die Ladekante in ordentlicher Höhe von 78 Zentimeter, nach der es 16 Zentimeter auf den Fahrzeugboden geht, auch ein bisschen Schmackes beim Hochwuchten schwerer Gegenstände. Von feinem Zusatznutzen ist der 101 Liter bunkernde Frunk im Vorderwagen. Er ist geschmeidig per Druck auf den griffgünstig platzierten kleinen Stern auf der Haube zu öffnen und kann mehr aufnehmen als nur das Ladekabel.

Große Lust auf Rekuperation. Los geht’s auf Testfahrt mit dem vollausgestatteten C400 4Matic – und zwar unmittelbar nach dem Einsteigen und Anschnallen: Es bleibt beim Fahrstufenhebel am Lenkrad, einen Start-Stopp-Knopf haben die Techniker eingespart. Wie beschreibt man 489 Pferde, die in völliger Stille vor sich hintraben? Das ist beinahe unwirklich und doch stromernd inzwischen fast normal. Hinzu kommt eine vorbildliche Außenlärm-Isolierung, ein Luftfahrwerk einschließlich Hinterachslenkung vom Feinsten, fünf Fahrprogramme von Eco bis Individual und zahlreiche Assistenzsysteme, die nach Lust und Laune anwählbar sind. Hier kann man innerlich chillen oder sporteln, also selbst eingreifen, um gleitenderweise oder zackig unterwegs zu sein.
Unser Favorit bei der Tour in der Stadt und über Land waren die vier Rekuperationseinstellungen, die direkt am Lenkrad per Schaltwippen verändert werden können. Hier zeigte die Einstellungsstufe mit der selbststeuernden intelligenten Energie-Rückgewinnung eine verblüffend treffsichere Übereinstimmung mit unserem angenehmen Fahrgefühl im Verkehrsfluss. Großes Lob an die Entwickler! Letzteres kann man auch dem Luftfahrwerk zuordnen, das man mit Fug und Recht ebenso intelligent nennen kann. Denn aufgrund von gesammelten Daten anderer Mercedes-Modelle in einer Cloud berechnet das System bereits im Vorfeld die reale Straßenbeschaffenheit, und das Fahrwerk kann diese wertvollen Informationen einbeziehen und sich schon vorab auf entsprechende Veränderungen präzise einstellen. Das Ergebnis: komfortables Abfedern, nur Schweben wäre weniger spürbar.
Mitmischen in der 800-Volt-Oberliga. Leistung ist das eine, Reichweite das andere, was die Stromwelt in Atem hält. Hier schafft die Elektro-C-Klasse mit der 800-Volt-Architektur und ihrer 94-kWh-Batterie sehr respektable Voraussetzungen – auch wenn die angegebenen 753 Kilometer Reichweite nur unter Idealbedingungen und zurückhaltendem Druck aufs Fahrpedal zu verwirklichen wären. Das Maß aller Schnelllader-Dinge sind zehn bis 80 Prozent binnen 22 Minuten auch nicht, es liegt aber knapp unter dem aktuellen Spitzenniveau. Was wir nicht nachprüfen konnten, jedoch eine Ahnung für den praktischen Fahrbetrieb vermittelt: Mercedes spricht von einer Reichweite bis zu 325 Kilometer nach zehn Minuten Schnellladen. Eine erste individuelle Messung nach gut 100 Kilometer Fahrt im gemischten Stadt-Land-Betrieb wies einen Verbrauch von 14,5 kWh aus – womit nur 0,2 kWh mehr als im WLTP-Normverbrauch benötigt wurden.
Der in Ungarn produzierte Elektro-Mercedes C400 4Matic steht ab 67.711 Euro in der Preisliste. Damit wird also zunächst mal die Kundschaft im anspruchsvollen 4Matic-Allradsektor bedient. Nachfolgend gibt es die elektrisierte C-Klasse in heckgetriebenen Ausführungen.
Autogramm
Mercedes C400 4Matic Elektro
Typ: Limousine; Preis: 67.711 Euro; Länge: 4,88 Meter; Breite: 1,89 Meter; Höhe: 1,50 Meter; Radstand: 2,96 Meter; Leergewicht: 2460 Kilogramm; Zuladung: 505 Kilogramm; Kofferraum: 470 Liter; Sitze: fünf; Motor: 2 Elektromotoren, Permanentmagneterregte Synchronmaschinen; Gesamtleistung: 489 PS/360 kW; Drehmoment: 800 Newtonmeter; Kraftübertragung: zweistufiges Automatikgetriebe; Spitze: 210 km/h; 0 auf 100 km/h: 4 Sekunden; Batterietyp: Nickel-Mangan-Kobalt-Akku (NMC); Batteriekapazität: 94 Kilowattstunden (kWh); Reichweite (WLTP): 753 Kilometer; Wallbox Wechselstrom 11 kW: 10,5 Stunden, Ladestation Gleichstrom 330 kW: 22 Minuten (10-80 Prozent), Stromverbrauch (WLTP): 14,3 kWh/100 Kilometer; CO2-Ausstoß: 43 Gramm/Kilometer (Strommix Deutschland).


