


Alle Alfisti lieben Leistung
Der Alfa Tonale Diesel ist der kleinere Bruder des Stelvio und schon seit Einführung vor vier Jahren auch als Diesel auf dem Markt. Er gilt als kompakter Allrounder mit einer Reichweite bis zu 1000 Kilometer und hat nun eine Modellpflege bekommen. Kann der Selbstzünder die Alfisti an der Wurzel ihrer Emotionen packen?
Von Gundel Jacobi
Ein typisches Alfa-Merkmal weniger. Es gibt nur wenige Marken, die solch ein gefühlsbetontes Erbe aufgebaut haben wie Alfa Romeo, und natürlich muss man sich nichts vormachen: Alfisti lieben Leistung! Da darf es dann gern ein bisschen mehr Pferdegetrappel sein als unbedingt nötig. Nun kommt die Gretchenfrage: Wie um alles in der Welt soll das ein Tonale mit nicht gerade weltbewegenden 130 PS/96 kW schaffen? Die Antwort ist ganz einfach – und fängt beim Gesamtkonzept an. Der Tonale ist schon äußerlich durch und durch ein Alfa. Dazu gehören flache LED-Scheinwerfer, die förmlich mit dem stattlich-typischen Scudetto-Grill verwachsen scheinen. Dessen überarbeitete Lamellen und Lufteinlässe samt der sogenannten Asole („Knopflöcher“) neben dem Scudetto sind jetzt in ihrer Größe auf einem Niveau.

Was vielleicht zuerst auffällt: Das Nummernschild ist von der Seite in die Mitte gerückt – ein typisches Alfa-Merkmal weniger. Als Ausdruck klassischer Schönheit präsentiert sich das Alfa-Romeo-Logo ab sofort in Schwarz-Weiß. Design-Liebhaber mit Sinn für Feinheiten schätzen die dreifach gesetzten LED-Bremsleuchten am Heck, deren Dreifaltigkeit schon den Vorderwagen stilvoll in Szene setzt. Wer sich weitere Details zu Gemüte führen mag, kommt auch an der leicht verbreiterten Spur nicht vorbei, die den Tonale satter auf der Straße stehen und fahren lässt. Wie bringt Anco van Driel, Alfa-Produktmanager Deutschland, es so schön auf den Punkt: „Der Tonale ist nicht nur schnittig gezeichnet, er besticht durch sein elegant-organisches Design – das bedeutet für Alfisti ein optisch wichtiges Statement.“
Klassische runde Formen. Was ist mutmaßlich immer wieder das Erste, was nach dem Einstieg im Tonale auffällt? Richtig, der auf dem Lenkrad platzierte Motorstartknopf. Anco van Driel bezeichnet dies ebenfalls als ein starkes Bekenntnis zum fahrerorientierten Cockpit. In der Gesamtschau fällt der mit runden Formen gestaltete Innenraum auf – weit entfernt von heutzutage häufig minimalistisch gezeichneten Schaltzentralen. Der Tonale hat noch echte Rundinstrumente, die gut vor Sonneneinstrahlung geschützt sind; ebenfalls rund sind Fahrprogramm- und Automatik-Fahrstufenschalter an der Mittelkonsole. Beinahe bescheiden dimensioniert mutet der berührungsempfindliche Bildschirm in der Mitte der Armaturentafel an. Eine Etage tiefer haben die Gestalter eine schnell nutzbare Knopfleiste für Klimafunktionen gesetzt.
Alles in allem gefällt die angenehm hohe Sitzposition, wobei die Sicht vor allem in vordere und seitliche Gefilde gut ist. Nach schräg hinten verbaut die dortige breite Dachsäule einschließlich hoch gesetztem Heckfenster ungetrübte Blicke. Hier hilft – allerdings nur beim Rangieren die Rückfahrkamera. Sowohl die zweite Reihe als auch der Kofferraum bieten ordentliche Platzverhältnisse für ein Kompakt-SUV, wobei die Ladekante mit 82 Zentimeter in schwindelerregender Höhe liegt. Klappt man die Rückenlehnen um, so entsteht eine nur leicht ansteigende Fläche.
Kraft von unten heraus abrufbar. Es wäre natürlich vermessen, den Diesel-Tonale als Temperamentsbolzen zu bezeichnen. Aber sein 130 PS/96 kW starker 1,6-Liter Selbstzünder kann mit einem bemerkenswerten Drehmoment von 320 Newtonmeter glänzen, das bereits ab 1500 Umdrehungen anliegt. „Hiermit ist ein kräftiger Durchzug von unten heraus gegeben, was den Tonale zu einem munteren Alfa macht“, erläutert Anco van Driel. Abgesehen davon weist er darauf hin, dass hierzulande ein Diesel-Anteil bis zu 20 Prozent deutlich mache, dass für den Tonale dieser Motor durchaus wichtig ist: „Traditionalisten und Vielfahrer greifen freudig zu, kein Wunder, bei einer Reichweite um 1000 Kilometer.“

Bei einer Testfahrt durch hügelige Landschaften lässt sich der Charakter des Fahrzeugs gut nachempfinden. Dabei zerren keine brachialen Kräfte an der Vorderachse, sondern die Pferdestärken sind allesamt bereits bei niedrigen Drehzahlen spürbar zu starkem Trab bereit. Je nach Gasfuß wechseln die Fahrstufen des Doppelkupplungsgetriebes ausgesprochen sanft und fließend oder eben mächtig fordernd, aber keinesfalls aufgeregt. Ein Alfa wäre kein Alfa, wenn das Fahrwerk nicht eine gewisse Straffheit vermitteln würde – das kommt auch beim Diesel-Tonale deutlich zur Geltung.
„Der Tonale ist gerade in seiner Diesel-Ausführung ein Allrounder für den Alltag, mit dem man auch knackig unterwegs sein kann, das weiß die Kundschaft zu schätzen“, sagt van Driel und fügt noch hinzu, dass selbige sich ungefähr zur Hälfte aus Männern und Frauen zusammensetzt. Uns hat während der Testrunde das Spiel mit der Fahrdynamikregelung gefallen – Dynamic, Natural und Advanced Efficiency stehen zur Verfügung und haben deutlichen Einfluss auf das Motor-Ansprechverhalten. Obendrein besticht die direkte Lenkübersetzung, ohne einen nervösen Eindruck zu hinterlassen.
Er überzeugt allein auf weiter Flur. Der Alfa Tonale Diesel steigt innerhalb der Ausstattungen erst mit der zweiten von fünf Varianten ein. Damit steht er ab 41.980 Euro beim Händler – und unterbietet seine Benzin- oder Plug-in-Hybrid-Brüder im einen Fall um 1500 Euro beziehungsweise beim Hybriden zum Einstöpseln in die Steckdose um 10.880 Euro. In dieser Sprint-Ausführung sind unter anderem enthalten: 18-Zoll-Felgen, Alu-Pedale und -Einstiegsleisten, Klimaautomatik, LED-Scheinwerfer, 10.25-Touchscreen mit Navi, Ambientebeleuchtung und dunkles Privacyglas ab der zweiten Reihe. Ein Pfund, mit dem der Selbstzünder-Tonale besonders wuchern kann, ist laut van Driel die Tatsache, dass in diesem Segment entscheidende Wettbewerber keinen Diesel mehr im Angebot haben. „Wir sind entschlossen, den Diesel-Tonale mit seinem sparsamen Verbrauch von fünfeinhalb Litern so lange wie möglich anzubieten. Er bleibt ein wesentlicher Bestandteil unseres Modellprogramms.“
Autogramm
Alfa Tonale 1.6 VGT-D Sprint
Typ: Kompakt-SUV; Preis: 41.980 Euro; Länge: 4,52 Meter; Breite: 1,84 Meter; Höhe: 1,61 Meter; Radstand: 2,64 Meter; Leergewicht: 1655 Kilogramm; Zuladung: 530 Kilogramm; Kofferraum: 500-1550 Liter; Sitze: fünf; Tankinhalt: 55 Liter; Motor: Diesel-Vierzylinder; Hubraum: 1598 Kubikzentimeter; Leistung: 130 PS/96 kW bei 3750 U/min; Drehmoment: 320 Newtonmeter bei 1500 U/min; Getriebe: Sechsstufen-Doppelkupplung; Spitze: 194 km/h; 0 auf 100 km/h: 10,9 Sekunden; Normverbrauch: 5,5 Liter Diesel, CO2-Ausstoß: 145 Gramm/km.Alle


