Freches Mini-SUV-Kerlchen  

Panda ist ein Manifest – wobei natürlich Ausnahmen die Regel bestätigen. Aber selbst wenn es nicht wissenschaftlich belegt werden kann: Die Haltung eines Panda-Fahrenden war schon in den 1980er dergestalt, dass man ein möglichst kleines, wendiges, praktisches und preisgünstiges Auto ohne viel Schnickschnack bewegen wollte – allerdings auch außerhalb des hügeligen Heimatlandes Italien durchaus gerne mal mit Allradantrieb. Ist das alles heute noch so?  

Von Gundel Jacobi

Was ist das für ein Auto? Die moderne mobile Welt ist kompliziert geworden, davon sind auch Kleinwagen betroffen – und sei es nur durch die Tatsache, dass es gar nicht mehr allzu viel Auswahl in dieser Klasse gibt. Panda kennt im Grunde jeder – aber was ist ein Pandina? Selbst unter Autointeressierten herrscht bei der Erwähnung des Begriffs Pandina eine gewisse Ratlosigkeit, als ob man sich verhört hätte. Ob es sich dabei um den Grande Panda handelt? Nein! Im Gegenteil: Pandina heißt soviel wie kleiner Panda – ein Kosename.

Deshalb sei nun ein für alle Mal erklärt: Pandina ist eine Panda-Ausstattung, die sich neben verschiedenen äußeren und inneren Merkmalen tatsächlich auch in ein bisschen mehr Länge und Höhe niederschlägt. Genau genommen wäre es also ein Panda Pandina, aber das klingt dann wirklich albern.     

Wie fühlt man sich in diesem Auto? Schon wenn man sich dem Wägelchen nähert, freut sich das Herz mit Sinn für muskelbepacktes Cross-Design: rundum üppig kunststoffbeplankt, angedeuteter, auffällig gelochter Unterfahrschutz, markante Dachreling – im Vergleich zum Panda erschließt sich damit eine neue Welt. Fast wie ein freches Mini-SUV-Kerlchen kommt der Pandina daher. Innen besticht er durch eine muntere rundliche Formgebung und hellen Dekorelementen entlang der Armaturentafel. Beim Einstieg lohnt sich ein Blick auf die hell untermalten Sitzlehnen, wo der Pandina-Schriftzug für gute Laune sorgt. Mit fünf ausgewachsenen Personen kommt das Wägelchen logischerweise an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit – vor allem, was die hintere Reihe in Sachen Beinfreiheit und Sitzbreite betrifft. Aber auf kürzeren Strecken kann man schon ein Menschen-Trio hineinbugsieren, die einander gut kennen. Im hintersten Stübchen geht es bauartbedingt mit dem 225 Liter fassenden Kofferraum ganz passabel zu. Sofern man nicht zwecks Personentransports unterwegs ist, kann zum Verstauen von allerlei Ladegut die gesamte Fondbank am Stück umgeklappt werden – bis unters Dach passen 870 Liter rein.

Welchen Antrieb hat das Auto? Der Kleinwagen wieselt mit seinem Einliter-Dreizylinder samt 70 PS/51 kW vor allem selbstbewusst durch städtisches Gefilde. Hinter dem vollmundigen Zusatz Hybrid steckt ein kleiner Elektromotor und die heutzutage schon allseits gängige Stopp-Start-Automatik. Genau gesagt handelt es sich also um einen mildhybriden Pandina. Das Sechsgang-Getriebe lässt sich gut bedienen, besonders auf Landstraßen und der Autobahn darf man sich eifrig damit beschäftigen. Auch leichte Steigungen erfordern entsprechendes Zurückschalten, um im Verkehr über Tempo 100 mitzuschwimmen. Es ist kein Problem, wenn man sich darauf einstellt, dass der sparsam motorisierte Zwerg seine Qualitäten nicht unbedingt auf Langstrecke entfaltet. Wer sich jetzt überlegt, einen stärkeren Motor zu ordern, wird sich gleichzeitig auf ein anderes Modell einlassen müssen, denn der Pandina ist antriebsseitig einzig wie beschrieben bestückt. Natürlich nimmt man während des Beschleunigens wahr, dass da nur drei Töpfe unter der Haube arbeiten, aber etwas Charakter darf ein solches Auto schließlich zeigen und hören lassen. Gute Nachricht aus der Federungsabteilung: Beim Fahrwerk hat Fiat einen guten Kompromiss zwischen Härte und Komfort hingekriegt. Auf unseren Testfahrten, die über Land stattgefunden haben, können wir vermelden, dass der Italiener wie schon zu Urzeiten durchaus Vergnügen bereitet – sofern man sich den Gedanken an Allradantrieb verkneift, denn einen solchen gibt es nicht mehr. Beim Verbrauch lagen wir mit durchschnittlich 5,4 Liter Super gerade mal 0,2 Liter über der Norm.     

Was bietet einem dieses Auto? Neben dem bereits erwähnten Cross-Design gibt’s solche Annehmlichkeiten wie elektrische Fensterheber vorn – hinten muss von Hand gekurbelt werden. Der Sieben-Zoll-Bildschirm ist klein, aber fein, Mobiltelefone können via Apple Carplay/Android Auto angeschlossen werden. Darüber läuft dann auch das Navi; sogar ein einfacher, aber zweckmäßiger Schlitz als Halterung fürs Handy ist vorhanden, eine kabellose Ladeschale sucht man jedoch vergebens. Die Klimaanlage funktioniert auch bei südländischer Hitze einwandfrei. Trotz überschaubarer Außenabmessungen sind die hinteren Parkpiepser kein Luxus. Als Assistenten stehen einem unter anderem Tempomat, Verkehrszeichenerkennung und Spurhalter zur Verfügung. Auch ein etwas nerviger Aufmerksamkeitswarner verrichtet seinen Dienst.    

Kommen wir zurück zu den praxisorientierten Fragen, die wir am Anfang gestellt haben: Ja, der Pandina ist ein handlich-wendiger Kleinwagen mit dem bestimmten Quäntchen an italienischem Charme. Klar, die Türen klingen beim Schließen etwas blechern, Hartplastik statt wohlfeil geschäumter Flächen gibt’s zuhauf, und die Abdeckung der Kofferraumklappe im Inneren ist natürlich von sparsamem Material, aber hey: Der Kleine ist nun mal keine S-Klasse! Alles in allem, also tutto sommato hat der Pandina einen Preis, der nicht gerade auf ein Schnäppchen schließen lässt: Es geht bei 20.990 Euro los. Für Preisfüchse, die auf das schmucke Pandina-Kleid verzichten mögen: Der Fiat Panda ist mit gleichem Antriebsstrang ab 16.490 Euro zu haben.

Autogramm

Fiat Pandina Hybrid Cross

Typ: Kleinwagen; Preis: 20.990 Euro; Länge: 3,71 Meter; Breite: 1,71 Meter; Höhe: 1,61 Meter; Radstand: 2,30 Meter; Leergewicht: 1045 Kilogramm; Zuladung: 385 Kilogramm; Kofferraum: 225 Liter; Sitze: fünf; Tankinhalt: 38 Liter; Motor: Otto-Dreizylinder; Hubraum: 999 Kubikzentimeter; Leistung: 70 PS/51 kW bei 5500 U/min; Drehmoment: 92 Newtonmeter bei 3500 U/min; Getriebe: Sechsgang-Schaltung; Spitze: 155 km/h; 0 auf 100 km/h: 14,7 Sekunden; Normverbrauch: 5,2 Liter Super, CO2-Ausstoß: 117 Gramm/km, Testverbrauch: 5,4 Liter.


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