


Über Berg und Tal
Ein vielfältiger Praktiker zum kleinen Preis? So heißt es zumindest in den Werbeversprechen von Dacia. Das gilt nicht nur für die Anschaffung, sondern auch für die laufenden Kosten. Jetzt kommt der Dacia Duster Hybrid G 150 4×4 mit neuem Antrieb dazu.
Von Bernd-Wilfried Kießler
Nach einer der ersten Testfahrt mit einem Dacia Duster im Jahre 2010 hatten sich die anfänglichen Zweifel an Qualität und Zuverlässigkeit weitgehend verflüchtigt. Immerhin wurden an den Standorten in Rumänien und Marokko bis heute 2,9 Millionen Fahrzeuge hergestellt, ein Viertel davon mit Allrad. Die Einstufung bei der Versicherung ist moderat, Verbrauch und Service-Kosten sind auf niedrigem Niveau, wobei der Bi-Fuel Antrieb mit Benzin sowie Autogas (LPG) und die damit verbundenen zwei Kraftstofftanks enorme Reichweiten gewährleisten. So wünscht man sich das.
Außen. Von vorn und hinten betrachtet wirkt der Duster gefällig und stahlt jenen Hauch von Abenteuer aus, der zumindest in der Allradfassung möglich ist. Ausdrucksvolles Gesicht, Heckspoiler zur Verbesserung des Luftwiderstandsbeiwerts, aerodynamisch geformte Felgen, Dachreling, Schutzleisten rund um den Wagen, ordentlich Bodenfreiheit, steile Böschungswinkel, Unterfahrschutz … alles dran.
Innen. Man findet schnell eine passende, bequeme Sitzposition, der Seitenhalt ist ordentlich. Das Einstellen der vielfältigen Funktionen erschließt sich wie von selbst: Griffgünstige Schalter in den Türen, an der Armaturentafel und auf dem Lenkrad sind nachvollziehbar angeordnet. Auf der Mittelkonsole: der Wählhebel für Fahrtrichtung und Parken sowie der Drehschalter für fünf Fahrprogramme. In allen Ausstattungen sind vier USB-C-Anschlüsse installiert. Die beiden Bildschirme können mit verschiedenen Funktionen belegt werden und spiegeln selbst in praller Sonne kaum. Auf der Basis von Google ist die Navigation aufgebaut. Ablagen für allerlei Krimskrams gibt’s reichlich. Bei alledem merkt man dem Wagen die niedrigen Produktionskosten wohl an: Ein gediegenes Wohngefühl komm nicht unbedingt auf. Die Sachlicheit und der Nutzfaktor stehen eindeutig im Vordergrund.
Antrieb. Der 1,2-Liter-Verbrennungsmotor für die Vorderachse kann sowohl mit Benzin als auch mit Autogas (LPG) betrieben werden. Da der Dreizylinder im Miller-Zyklus arbeitet, werden die Emissionswerte verringert. Ein neues Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe überträgt die Kraft auf die Vorderräder. Über die Vorderachse wird außerdem ein Generator angetrieben, der bis zu 12 Kilowatt Strom erzeugen kann.
Auf der Hinterachse ersetzt ein 48-Volt-Elektromotor mit Zweigang-Getriebe den bisherigen mechanischen Allrad-Antrieb mit Differenzialsperre. Er schiebt mit 31 PS/22 kW. Die Pufferbatterie zwischen Verbrennungs- und Elektromotor kann nur 0,83 Kilowattstunden speichern. Im Verbund mit dem Generator federt sie Leistungsspitzen ab und lässt sich auch schnell wieder aufladen – entweder durch Energierückgewinnung beim Bremsen und im Schub oder durch das eigene kleine Kraftwerk an Bord. Angefahren wird immer elektrisch. Vorteile des Systems: ein schnell verfügbares Drehmoment, zeitweises nur elektrisches Fahren und Verbrauchsminderung.
Unterwegs. Erste Testfahrten im neuen Dacia Duster Hybrid G 150 4×4 fanden unter unter extremen Bedingungen in Marokko statt. Die Wüstenlandschaft zwischen Marrakesch und dem Hohen Atlas bietet ausreichend Möglichkeiten, Allradantrieb und Fahrwerk auf Herz und Nieren zu prüfen. Zunächst verlassen wir Marrakesch auf asphaltierten Straßen. Da sich der Verkehrsfluss nicht unbedingt nach den bei uns üblichen Regeln richtet, kommt es immer wieder zu unfreiwilligen Ausweich- und Bremsmanövern. Das Fahrwerk erweist sich dabei als gutmütig, ist dabei aber nicht ganz frei von Wankbewegungen. Die Bremsen kommen mit Situationen wie diesen klar. Lässt man es ruhig angehen, bewegt man sich in den Fahrstufen Eco und Auto ziemlich verbrauchsarm. Die Gasannahme ist eher verhalten, der Motor mit 1,2 Liter Hubraum für ein über 1,5 Tonnen schweres Fahrzeug ausreichend – zum Mitschwimmen im Verkehr reicht es jedenfalls. In beiden Fahrstufen sind die Drehzahlen des Verbrenners niedrig, der elektrische Heckantrieb läuft bei Eco im zweiten Gang.
Im Gelände. Dann geht es weiter über unbefestigte Straßen und Pisten, um enge Felsnadeln herum, durch Wadis und über grobe Schotter-Passagen – nicht unbedingt das Terrain, das wir in Deutschland vorfinden. Aber auch bei uns gibt es mitunter vergleichbare Situationen, zumindest, wenn der Dacia beruflich im Gelände eingesetzt wird. Auf rauem Untergrund und heftiger Steigung sind die Fahrprogramme Mud/Sand oder Lock gefragt. Hier ist spürbar mehr Leistung abrufbar. Der Bi-Fuel-Verbrenner, der zunächst den Gasvorrat aufbraucht und dann automatisch auf Benzin umschaltet, läuft mit höherer Drehzahl, und der Elektromotor gibt im ersten Gang mehr Drehmoment frei. Die Antriebe arbeiten harmonisch zusammen, die Automatik unmerklich. Ist man mit dem gewählten Gang nicht einverstanden, kann er jederzeit über die Lenkrad-Paddel gewechselt werden. Besonders in hängigem und kurvigem Gelände macht der Dacia Duster Hybrid G 150 4×4 eine gute Figur. Bodenfreiheit und die Böschungswinkel reichen für mitteleuropäische Verhältnisse völlig aus. Steile Gefällstrecken lassen sich mit der Bergabfahrhilfe weitgehend automatisieren. Knopf drücken, und schon rollt er los. Die Geschwindigkeit lässt sich durch Antippen des Brems- oder Gaspedals in kleinen Schritten von fünf bis 30 km/h regulieren. So bleibt man auch bei steilsten Abfahrten auf der sicheren Seite. Das ESP greift hier deutlicher ein als in den anderen Fahr-Programmen. Nur Lenken muss man noch selbst.
Während der 90 Kilometer langen Gelände-Testfahrt kamen wir auf einen Verbrauch von unter 10 Liter auf 100 Kilometer – für die extremen Bedingungen ein guter Wert.. Auf unserem Straßenanteil zeigte der Bordcomputer mit 6,0 Liter exakt den WLTP-Wert an.
Was sonst? Zum Einsatz in schneereichen Gebieten gibt es noch das Fahrprogramm Snow. Hierbei laufen der Elektromotor im zweiten Gang und das Benzintriebwerk mit geringerem Drehmoment. Für 693 Euro kann eine abnehmbare Anhängerkupplung geordert werden. An den Haken dürfen gebremst bis zu 1500 Kilogramm. Die Ladefläche bei umgeklappter Rückbank erreicht mit 1,67 Meter Länge und 1,00 Meter Breite fast Kombiniveau. Wem der Duster zu klein erscheint, könnte sich für den Dacia Bigster interessieren. Der ist etwas größer und hat den gleichen Antriebsstrang. Was die Versicherung betrifft, zählt der Dacia Duster Hybrid G 150 4×4 mit der Einstufung KH/VK/TK 20/23/19 zu den eher günstigeren Autos. Die gesetzliche Garantie beträgt drei Jahre oder 100.000 Kilometer. Darüber hinaus gibt Dacia eine Garantie für weitere vier Jahre und maximal 160.000 Kilometer. Das Auto ist ab Frühjahr 2026 im Handel – zu Preisen für die günstigste Expression-Ausstattung ab 27.490 Euro, Extreme schlägt mit 28.990 Euro zu Buche, und Journey kostet 29.090 Euro.
Autogramm
Dacia Duster Hybrid G 150 4×4 Expression
Typ: SUV; Grundpreis: 27.490 Euro; Länge: 4,34 Meter; Breite: 1,81 Meter; Höhe: 1,66 Meter; Leergewicht: 1559 Kilogramm; Zuladung: 406 Kilogramm; Sitze: fünf; Tankinhalt: 50 Liter Benzin + 50 Liter Autogas (LPG); Motor: Otto-Dreizylinder; Hubraum: 1199 Kubikzentimeter; Leistung:140 PS/103 kW; Elektromotor: 31 PS/22 kW; Drehmoment: 230 Newtonmeter; Systemleistung: 154 PS/113 kW; Batteriekapazität: 0,8 kWh; Spitze: 180 km/h; 0 auf 100 km/: 10,2 Sekunden; Normverbrauch (WLTP): 7,3 Liter LPG/6,0 Liter Super; CO2-Ausstoß: 117 Gramm/km.


