Ein Großer im Kleinformat

Er ist ein echter Verkaufsschlager und somit ein ganz Großer unter den Kleinen: Mit beinahe 17 Millionen Einheiten trägt der Clio seit 35 Jahren zur wesentlichen Versorgung der Renault-Kundschaft bei. Nun tritt er in seiner sechsten Generation an – und siehe da: mit klassischem Dreizylinder-Benzinmotor oder als Vollhybrid mit Elektrounterstützung.

Von Gundel Jacobi

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Vorwärtsdrang äußerlich erkennbar. Wenn man sich beim Renault-Design auf eins verlassen kann, dann darauf, dass sie über die Jahre mehr auf Gestaltungsbrüche als auf Wiedererkennungsmerkmale setzen. Deshalb kann man auch beim neuen Clio einen komplett veränderten Vorderwagen ausmachen, der ihm zweifellos gut zu Gesicht steht. Der Kühlergrill mit seinen vielen Renault-Rhomben tanzt dabei im Vordergrund, aber auch die nunmehr wieder deutlich zusammengekniffenen Scheinwerfer sorgen für einen Hingucker; nicht zuletzt könnten die drunter sitzenden spangenförmigen Tagfahrlichter sich ins Gedächtnis künftiger Betrachter fräsen. Auffällig tritt obendrein die stark konturierte Motorhaube an, die äußerlich deutlich zum Vorwärtsdrang des Franzosen beiträgt. Auch wenn der Größenzuwachs des 4,11 Meter langen Clio nicht ausuferte, so hat er doch etwas zugelegt: überschaubare sieben Zentimeter in der Länge, vier in der Breite und nur ein Zentimeter in der Höhe.

Angemessen geräumig im Innern. Das Cockpit bietet keine wesentlichen Überraschungen, wobei der horizontal zweigeteilte Bildschirm auf der rechten berührungsempfindlichen Seite ebenso wie die darunter liegende Schalterleiste leicht dem Fahrer zugewandt sind. Das oben und unten abgeflachte Lenkrad liegt gut zur Hand, wohingegen die Türgriffe uns nicht hundertprozentig überzeugt haben, da sie etwas versteckt platziert wurden. Ansonsten ist der gesamte Innenraum angemessen geräumig. 1,80-Meter-Menschen haben vorne wie hinten Platz, im Fond wirkt aber die hohe Gürtellinie beengend und sorgt für eine gewisse Höhlen-Geborgenheit. Die Ladekante ist etwas nach unten auf 74 Zentimeter gerutscht, dahinter geht es allerdings 19 Zentimeter abwärts, was zu merklicher Anstrengung beim Gepäckwuchten führt. Der Kofferraum fasst 327 Liter; sofern die Sitzlehnen der Rückbank umgeklappt sind, entstehen 1176 Liter Stauraum bis unters Dach. Aufgrund des Batteriepacks bietet der Vollhybride im Hinterstübchen nur 301 Liter, womit auch die höchstmögliche Ladekapazität auf 1094 Liter schrumpft. Also aufgepasst bei der Motorenwahl, wenn’s um viel Platz im Heck geht!

Munterer Vollhybrid-Benziner. Zwei Antriebsvarianten im Clio-Angebot sind überschaubar. Grundsätzlich stellt Renault weiterhin auch eine Autogas-Ausführung her, die es jedoch in Deutschland nicht geben wird. Bei der Fahrvorstellung fehlte zudem der 115 PS/84 kW starke Dreizylinder-Basismotor. Es stand einzig der Vollhybride E-Tec 160 mit einer Systemleistung von 158 PS/116 kW zur Verfügung. Dahinter verbirgt sich ein munteres Gespann aus 1,8-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 109 PS/80 kW und 49 PS/36 kW-Elektromotor. Bei zurückhaltend eingesetztem Gasfuß kann man im städtischen Gebiet viel stromernd unterwegs sein. Sobald sich der Verbrenner zuschaltet, hört man ihn deutlich, aber nicht störend. Grundsätzlich läuft im Hintergrund ein Multi-Mode-Zusammenspiel aus vierstufigem Getriebe für den Benzinmotor und zweistufiger Elektro-Übersetzung – solange man den Clio nicht triezt, geht das recht geschmeidig vonstatten.

Ein cleverer Smart-Modus verbindet per Knopfdruck die ansonsten einzeln wählbaren Fahrprogramme Eco, Comfort sowie Sport und sorgt automatisch für die passende Leistungsanforderung. Wer also nicht nur konsequent von höchst vernünftig bis sehr flott unterwegs sein will und schon gar nicht ständig mit den Programmen spielen möchte, ist mit dem Smart-Modus gut beraten, wenn das Motormanagement sozusagen stets das Beste aus drei Welten zusammenstellt. Nach der gemischten Testtour wies der Bordcomputer 4,3 Liter Benzinverbrauch (0,2 Liter über Norm) aus. Interessant hierbei: Vergleicht man den Normverbrauch vom 115 PS/84 kW starken Einstiegs-Clio TCe 115 samt Sechsgang-Handschaltung, liegt dieser mit 5,1 Liter Super um genau einen Liter über dem Vollhybriden. Es wird auch ein TCe 115-Modell mit Sechsstufen-Automatikgetriebe angeboten, allerdings gab es dafür noch keine offiziellen Verbrauchswerte.

Einstieg knapp unter 20.000 Euro. In drei Ausstattungen schraubt sich der Renault Clio von Evolution über Techno bis zu Esprit Alpine nach oben – wenn man die höchste Linie auskostet, sind 29 Fahrassistenten an Bord. Bereits im Einstiegsmodell enthalten sind adaptiver Tempopilot, Verkehrszeichenerkennung, Einparkpiepser hinten, elektrische Fensterheber, elektrisch einstellbare und beheizbare Außenspiegel, manuelle Klimaanlage und Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung. Der manierlich gefederte Renault Clio kostet mit handgeschaltetem Basisbenziner ab 19.900 Euro; wählt man die Sechsstufen-Automatik, steht er ab 21.400 Euro in der Preisliste. In der von uns gefahrenen Vollhybrid-Ausführung mit Multi-Mode-Automatik ist er ab 24.200 Euro erhältlich.          

Autogramm

Renault Clio TCe 115 Evolution

Typ: Kleinwagen; Preis: 19.900 Euro; Länge: 4,12 Meter; Breite: 1,77 Meter; Höhe: 1,45 Meter; Radstand: 2,59 Meter; Leergewicht: 1202 Kilogramm; Zuladung: 453 Kilogramm; Kofferraum: 327-1176 Liter; Sitze: fünf; Tankinhalt: 42 Liter; Motor: Otto-Dreizylinder; Hubraum: 1199 Kubikzentimeter; Leistung: 115 PS/84 kW bei 4350 U/min; Drehmoment: 190 Newtonmeter bei 1750 U/min; Getriebe: Sechsgang-Schaltung; Spitze: 180 km/h; 0 auf 100 km/h: 10,1 Sekunden; Normverbrauch: 5,1 Liter Super, CO2-Ausstoß: 115 Gramm/km.


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