


Blitz im Fadenkreuz
Der Blick in die Preisliste lässt einen etwas erstaunt zurück: Als Plug-in-Hybrid mit 196 PS/144 kW Systemleistung kostet der frisch überarbeitete Opel Astra rund 500 Euro mehr als die Elektro-Variante (156 PS/115 kW). Gibt es da noch Menschen, die sich beim Händler gegen den Stromer entscheiden?
Von Paul-Janosch Ersing
Ja, natürlich! – Denn noch immer sind die Voraussetzungen für eine komfortable Nutzung eines Elektroautos nicht überall gegeben: keine Lademöglichkeit zu Hause oder am Arbeitsplatz oder ein Fahrprofil mit häufiger Langstrecke mit Autobahntempo. Genau hier versucht der Plug-in, dem bisherigen Platzhirschen namens Diesel das Revier streitig zu machen: mit niedrigen Verbrauchswerten und der Möglichkeit, etappenweise auch vollelektrisch unterwegs zu sein. Neben den steuerlichen Vorteilen für Dienstwagen-Piloten (0,5-Prozent-Regel) spielen auch die aktuellen Förderkriterien dem Plug-in in die Karten: Mindestens 80 Kilometer elektrisch fahren oder weniger als 60 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen – so lautet der vom Gesetzgeber abgesteckte Rahmen. Dafür gäbe es hierzulande dann mindestens 1500 Euro Prämie. Dank des 17,2-kWh-Akkus und einem elektrischen WLTP-Radius von 83 Kilometern überspringt der Einstöpsel-Astra diese Hürde. Zumindest theoretisch.
Penlder-Distanzen. Unter Alltagsbedingungen war die vollgeladenen Batterie nach 71 Kilometern leer, der angezeigte Durchschnittsverbrauch ohne Stromvorrat lag bei 5,9 Liter Benzin pro 100 Kilometer. Als Fünftürer bringt der Wagen 1,7 Tonnen auf die Waage, die Höchstgeschwindigkeit von 225 km/h ist im flüsterleisen Elektro-Modus auf 135 km/h begrenzt. Für viele Pendler dürfte das ausreichen, im europäischen Ausland ist es ohnehin genug. Schade, dass die Ladegeschwindigkeit aufgrund der einphasigen Auslegung nicht mehr ganz zeitgemäß ist: Auch an 11-kW-Ladesäule sind nicht mehr drin als 4,6 kW.
Nicht nur technisch wurde der Astra überarbeitet. Auf der Automesse in Brüssel feierte Opel den Astra im Januar. wobei die Neuerungen überschaubar sind: Der Blitz kann jetzt leuchten und wird dabei von ebenfalls illuminierten horizontalen und vertikalen Streifen ins Fadenkreuz genommen. Verglichen mit der bis vor Kurzem noch als besonders modisch propagierten Idee, das Opel-Logo glänzend schwarz auf einem schwarzen Untergrund zu platzieren, ist das ein geradezu ins Auge fallender Ansatz. In jedem Fall wird der Wiedererkennungswert deutlich gesteigert. Davon konnten wir uns auf ersten Testfahrten mit einem Blick in den Rückspiegel gleich mehrmals überzeugen. Zwei echte Lichtblicke der Modellpflege: der Wegfall des empfindlichen Klavierlack-Plastiks im Innenraum und das neuartige LED-Licht mit höherauflösenden Leuchten zum Ausblenden anderer Verkehrsteilnehmer bei eingeschaltetem Fernlicht.
Autogramm
Opel Astra 1.6 Plug-in-Hybrid Edition
Typ: Kompaktwagen; Preis: 38 460 Euro; Länge: 4,37 Meter; Breite: 1,86 Meter; Höhe: 1,46 Meter; Radstand: 2,68 Meter; Leergewicht: 1682 Kilogramm; Zuladung: 438 Kilogramm; Tankinhalt: 40 Liter; Kofferraum: 310 bis 1236 Liter; Sitze: fünf; Motoren: Otto-Vierzylinder (150 PS/110 kW) und Elektromotor (125 PS/92 kW); Hubraum: 1598 Kubikzentimeter; Systemleistung: 196 PS/144 kW; Drehmoment: 360 Newtonmeter; Getriebe: Siebengang-Doppelkopplung; Spitze: 225 km/h; 0 auf 100 km/h: 7,6 Sekunden; Normverbrauch bei leerem Akku: 5,4-5,5 Liter Super, CO2-Ausstoß (gewichtet): 49-51 Gramm/km.


