Der Doppelgänger mit der langen Garantie

Abgesehen vom Flaggschiff Outlander besteht das aktuelle Mitsubishi-Angebot aus leichten Abwandlungen von Modellen des Allianz-Partners Renault, die man mit traditionellen Namen der japanischen Marke mit den drei Diamanten schmückt. Der diesmal getestete Grandis läuft mit dem weitgehend baugleichen Renault Symbioz von einem französischen Band.

Von Bernd-Wilfried Kießler

Was ist das für ein Auto? Einst führte den Namen Grandis ein von 2003 bis 2011 gebauter Minivan, dessen Dieselmotor man bei Volkswagen zukaufte. Obwohl in Deutschland immerhin an die 10.000 Grandis zugelassen wurden, erinnert sich heute kaum noch jemand an das Auto. Die Gegenwart ist eine ganz andere, da SUV-Karosserien den Markt beherrschen: So, wie der Symbioz eine verlängerte Ausführung des Renault Captur darstellt, ist der Grandis ein vergrößerter Mitsubishi ASX. Die Außenlänge beträgt 4,41 Meter; bei gleichem Radstand wurden 17 Zentimeter angehängt. Sie kommen vor allem dem Gepäckraum zugute, dessen Fassungsvermögen von 326 auf 492 Liter steigt. Die Grandis-Preise beginnen bei 28.990 Euro für eine Benzinmotorisierung mit 140 PS/104 kW. Unser Hybrid-Testwagen in bester Diamant-Top-Ausstattung macht einen kräftigen Preissprung auf 40.890 Euro.

Wie fühlt man sich in diesem Auto? Im Innern geht es eher dunkel zu – selbst eine Art Holzleiste vor dem Beifahrer hat man mattschwarz eingefärbt. Zwar werden die Fahrgäste mit einem musikalischen Tusch begrüßt, sobald man auf dem Fahrersitz Platz genommen hat, aber die Gestaltung ist sehr sachlich und nutzorientiert – etwa mit einigen Ablagen auf der teilweise schwebenden Mittelkonsole. Licht ins Dunkel bringt ein großes Panoramadach, das sich zwar nicht öffnen lässt, aber auf Knopfdruck in Milchglas verwandelt, um die Sonneneinstrahlung zu mindern. Dieser Spaß ist in der besten Diamant-Top-Ausstattung im Preis inbegriffen, während es bei Renault 1500 Euro Aufpreis kostet.

Was für einen Antrieb hat das Auto? Der Vollhybrid-Antrieb stammt natürlich auch von Renault und kombiniert einen 109 PS/80 kW starken 1,8-Liter-Vierzylinder mit zwei Elektromotoren. Der eine davon leistet 49 PS/36 kW, arrangiert den Antrieb der Räder und erhält die Energie durch Bremsmanöver und im Schub – vor allem bergab. Diese Rekuperationsstärke kann man in mehrere Stufen einstellen. Der zweite E-Motor mit 20 PS/15 kW ermöglicht, dass die Kraftübertragung mittels Automatikgetriebe funktioniert. Alles zusammen stellt ein ausgeklügeltes System dar, wobei der Fahrer zwischen den Fahrprogrammen Eco, Komfort, Sport und Individual wählen kann, um das jeweilige Ansprechverhalten beim Beschleunigen zu beeinflussen. Wenn man den Automatikhebel auf D wie Drive schiebt, herrscht erst einmal Ruhe im Auto. Man fährt in jedem Fall elektrisch und damit lautlos los. Später wechseln sich die Antriebe ab – je nach Füllgrad der Speicherbatterie und Leistungsbedarf. Das alles ist nur hör- und fühlbar, wenn man sehr genau darauf achtet oder die Kraftströme auf dem Bildschirm sichtbar macht. Als Testverbrauch ermittelten wir 5,2 Liter Benzin, 0,9 Liter über dem Normverbrauch. Nach einer Volltankung wurden uns 980 Kilometer Reichweite vorhergesagt, wobei der Fahrstil im Verkehrsalltag durch die Stadt und über Land berücksichtigt wurde. Das Eco-Fahrprogramm ließ keine Mängel im Sinne eines Verkehrshindernisses erkennen. Wenn man zum Antriebsstrang auch das Fahrwerk zählt, so gleitet der Grandis auf ebener Fahrbahn tadellos dahin, ist aber kein schwebender Teppich. Auf holprigen Straßen mit geflickten Stellen und Kanaldeckeln wünschte man sich etwas mehr Fahrkomfort.

Was bietet dieses Auto? Variabel sind die Beförderungsmöglichkeiten: Mit Hilfe der in Längsrichtung verschiebbaren Rückbank kann der Stauraum kräftig vergrößert werden. Selbst wenn man diese Möglichkeit bis zum Anschlag nach vorn ausreizt, ist das Auto immer noch als Viersitzer nutzbar. Der Kofferraumboden in Höhe von 74 Zentimetern über der Fahrbahn kann um 13 Zentimeter abgesenkt werden. Weniger erfreulich ist die Sicht nach hinten, wobei es nicht ums Rangieren geht, bei dem eine Rückfahrkamera mit scharfen Bildern hilft: Während der Fahrt gleicht die Heckscheibe mehr einer Luke, die durch den nach oben gezogenen Gepäckraum in der Höhe und seitlich durch zwei großflächige, nicht versenkbare Kopfstützen eingeschränkt wird.

Was sind die Unterschiede zwischen Mitsubishi Grandis und Renault Symbioz? Zahlenmäßig sind sie geringer, als man nach der Größe der Händlernetze vermuten könnte: Vom Mitsubishi wurde in den ersten vier Monaten 2026 rund 1000 Stück neu zugelassen, vom Renault etwa 1400. Die Preise nehmen sich wenig, beginnen beim Grandis bei 28.990 Euro, beim Symbioz mit 190 Euro weniger. Der namhafteste Unterschied liegt in der Garantiedauer: Die Japaner geben acht Jahre, die Franzosen nur zwei. Ansonsten gibt es kleine Abwandlungen in den Ausstattungen – das Glasdach, das bei den einen Serie ist, bei den anderen Aufpreis kostet, erwähnten wir schon. Den Designern wurde bei Mitsubishi die Abwandlung von Bug- und Heckpartie überlassen, innen ziert das Drei-Diamanten-Markenzeichen statt der Renault-Raute das Lenkrad, und wer genau hinschaut, der erkennt diesen Unterschied auch in der Felgenmitte der vier Räder. 

Autogramm

Mitsubishi Grandis Hybrid 1.8 Diamant Top

Typ: SUV; Preis: 40.890 Euro; Länge: 4,41 Meter;  Breite: 1,80 Meter; Höhe: 1,58 Meter; Radstand: 2,64 Meter; Leergewicht: 1465 Kilogramm; Zuladung: 455 Kilogramm; Kofferraum: 492-1682 Liter; Sitze: fünf; Tankinhalt: 48 Liter; Motor: Otto-Vierzylinder; Hubraum: 1798 Kubikzentimeter; Leistung: 109 PS/80 kW bei 5750 Umdrehungen pro Minute; Elektromotor: 49 PS/36 kW; Systemleistung: 158 PS/116 kW; Drehmoment: 265 Newtonmeter; Getriebe: Multi-Mode-Automatik; Spitze: 180 km/h; 0 auf 100 km/h: 9,1 Sekunden; Normverbrauch: 4,3 Liter Benzin, CO2-Ausstoß: 98 Gramm/km: Testverbrauch: 5,2 Liter


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