Der Ausnahme-Kraxler auf der Straße

An der möglichen Durchquerung des Beinamen gebenden Flusses durch den Wrangler Rubicon von Jeep dürfte es keinen Zweifel geben – da er mit umfassenden Geländegenen ausgestattet ist. Aber auch auf Langstrecke und im alltäglichen Getümmel hiesiger Ballungsgebiete schlägt er sich mehr als passabel.

Von Gundel Jacobi

Was ist das für ein Auto? Schon der ganz normale Wrangler ist ein Geländewagen, der mit  Leiterrahmen, Starrachsen und umfassender Allradtechnik keinen Hehl aus seiner Bestimmung macht. Jedes Karosserieteil lechzt nach Offroad-Einsatz, und die kastige Form samt berühmtem siebenschlitzigem Kühler, der von den legendären Rundscheinwerfern eingerahmt ist, kann auch in der Dämmerung mühelos der Marke Jeep zugeordnet werden. Dem setzt die Rubicon-Variante noch eins drauf. Kenner und Liebhaber wissen, dass dessen zusätzliche Fähigkeiten nur in Ausnahmesituationen abseits der Straße zur Geltung kommen. Können, ohne zu müssen, das ist vermutlich das Alltagsbekenntnis eines Rubicon-Piloten. Dieser Maxime haben wir uns ebenfalls untergeordnet, von einem kleinen Ausflug ins Grüne zu Fotozwecken abgesehen.    

Wie fühlt man sich in dem Auto? Zunächst heißt es, den Fahrersitz zu erklimmen. Unwillkürlich kommt einem die Bodenfreiheit von 25 Zentimeter in den Sinn, während das schwungvolle Abdrücken an der einzigen Trittstufe eine erleichternde Zugangsvoraussetzung darstellt. Von der ersten Sekunde an verdeutlicht das Cockpit, dass es schier grenzenlose Möglichkeiten fürs Erkunden diesseits und jenseits des Äquators gibt. Davon zeugt die aufrechte Anordnung der Windschutzscheibe, der Lenksäule und eine ganze Armada von Systemen in der Mittelkonsole; teils integriert in den Bildschirm oder aber in die extra Schalt-Tafel darunter, wo es richtig zur Sache geht – einschließlich Geländeuntersetzung und Aktivierung der Differenzialsperren bis hin zum Entkoppeln des Stabilisators an der Vorderachse: Das bringt höchstmögliche Achsverschränkung in schwerem Gelände. Interessant übrigens, dass die hohe Sitzposition nicht unbedingt zur Übersichtlichkeit beiträgt. Denn das Ende der Motorhaube stellt längst nicht die Begrenzung des Rubicon-Gefährten dar. Sowohl die extrem karosserieschützende, weit nach vorne gezogene Stoßstange als auch die weit ausgestellten Radhäuser sind definitiv von der Kommandobrücke aus nicht einsehbar, vom hinten angeschlagenen Reserverad ganz abgesehen. Und ja: Dafür gibt’s Kameraunterstützung. 

Im Fond geht’s für ein 4,88 Meter langes Fahrzeug zwar nicht eingepfercht, aber doch eher dicht zu. Das liegt vor allem an den tief montierten Sitzen beziehungsweise dem hohen Boden; trotzdem fühlt man sich nicht wie der Affe auf dem Schleifstein. Ganz hinten lauert ebenfalls eine Besonderheit aus der Offroad-Szene: Die zweigeteilte Heckklappe ist rechts angeschlagen – erst öffnet sich der untere Teil, die darüber liegende Scheibe wird nach oben geklappt. Das Gebot der Stunde lautet in jedem Fall, außen für genügend Platz im hinteren Umfeld zu sorgen.      

Welchen Antrieb hat das Auto? Dass ein Geländewühler mit den untrüglichen Genen von vier Generationen und über 80 Jahre Allraderfahrung stets mit überquellenden Kraftreserven ausgestattet ist, mag niemanden verwundern. Unseren letzten Wrangler-Testwagen hatten wir ohne mit der Wimper zu zucken in Dieselausführung bestellt. Kein Mensch wäre auf die Idee gekommen, um einen Benziner zu bitten, vor allem aus Verbrauchsgründen. Längst hat sich das Karussell gedreht, einen Selbstzünder sucht man seit Ende 2022 vergeblich in den Preislisten. Unter der Haube unseres eindrucksvollen Wrangler Rubicon arbeitete ein 272 PS/200 kW leistender Zweiliter-Ottomotor. Aber das war nicht alles: Auf ultramodern getrimmt handelte es sich um einen Plug-in-Hybrid. Zusätzlich gab es einen 145 PS/107 kW starken Elektromotor an Bord, der nach jeder vollen Ladung rund 40 Kilometer pure elektrische Reichweite bereitstellt.

Das war für unseren Test keine sinnvolle Option. Mit einer feinen Achtstufen-Automatik ging es nämlich weniger über Stock und Stein oder nur kurz auf Tour, sondern weitgehend auf Langstrecke. Oh Wunder: Den Normverbrauch von 11,9 Liter unterboten wir locker um eineinhalb Liter. Wie das gelungen ist? Man gewöhnt sich im Wrangler ein gemütlich-schiffsähnliches Dahingleiten an. Dabei verbreitete das Auto keine störende Lärmkulisse, die einen zurückhaltend das Gaspedal bedienen ließe. Eher gebietet das kernige Fahrwerk eine ruhigere Fortbewegung – köstlich, wie er in der Stadt um Kurven ein sachte tänzelndes Gefühl vermittelt – und überhaupt: Mit einem Jeep hastet man nicht! Nur in unserer Phantasie haben wir Flüsschen mit einer möglichen Wattiefe von 76 Zentimeter durchquert, sind Böschungswinkel zwischen 31 und 36 Grad entlanggekrochen und konnten uns aus allen nur denkbaren festgefahrenen Situationen wieder selbst befreien.      

Was bietet einem das Auto? Der Jeep Wrangler Rubicon steht ab 72.900 Euro in der Preisliste. Den Jeep Wrangler-Komfort gibt es auf allen Infotainment-Kanälen, das heißt, der 12,3-Zoll-Touchscreen mit Navi und Bluetooth birgt auch die Bedienung aller gängigen Assistenzsysteme in sich. Voll-LED-Scheinwerfer, getönte hintere Scheiben, Ledergestühl, Sitzheizung, Zweizonenklimaautomatik, Alpine-Soundsystem mit neun Lautsprechern und Subwoofer sowie Park-Rück- und Bugkamera sind serienmäßig. Übrigens: Weil die Wrangler-Produktion eingestellt ist, sollte man sich als Interessent dringend bei einem Jeep-Händler melden. Laut Pressesprecher Nico Schmidt in der deutschen Zentrale in Rüsselsheim dürfte der Lagerbestand noch bis zum Jahresende reichen. Ein direktes Nachfolgemodell ist nicht geplant. Jim Ratcliff, den geistigen Vater des Ineos Grenadier, dürfte es freuen. Auch bei den Zulassungszahlen des Toyota Landcruiser und des Ford Bronco könnte sich das Auslaufen des Wrangler ab Anfang 2027 bemerkbar machen.

Was haben wir vermisst? Ob notwendig oder nicht, ein bisschen enttäuschend fanden wir schon, dass unser Test-Rubicon keinen verwegen aussehenden Luftschnorchel hatte. Um den Rubicon zu durchqueren, hätten wir ihn im Zubehörhandel beschaffen müssen.

Autogramm

Jeep Wrangler Rubicon 4xe 2.0 PHEV

Typ: Geländewagen; Preis: 83.500 Euro; Länge: 4,88 Meter; Breite: 1,89 Meter; Höhe: 1,84 Meter; Radstand: 3,01 Meter; Leergewicht: 2028 Kilogramm; Zuladung: 546 Kilogramm; Kofferraum: 533-2050 Liter; Sitze: fünf; Tankinhalt: 81 Liter; Motor: Otto-Vierzylinder; Hubraum: 1995 Kubikzentimeter; Leistung: 272 PS/200 kW bei 5250 U/min; Drehmoment: 400 Newtonmeter bei 3000 U/min; Elektromotor: 145 PS/107 kW; Getriebe: Achtstufen-Automatik; Spitze: 159 km/h; 0 auf 100 km/h: 7,6 Sekunden; Normverbrauch: 11,9 Liter Super (bei leerer Batterie), CO2-Ausstoß: 269 Gramm/km, Testverbrauch: 10,4 Liter.


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