Außen groß – innen wunderbar wandelbar

Sieben Sitze auf fünf Meter Länge – das ist ein Fall für den Ioniq 9, der grundsätzlich batterieelektrisch daherkommt. Beherzt eine Siebener-Gruppe im Wagen aufnehmen oder den voluminösen Stauraum beladen und ihn über die Straßen zirkeln: Kommt da uneingeschränkte Freude auf?   

Von Gundel Jacobi

Porträt von Gundel Jacobi

Was ist das für ein Auto? Man muss nicht drum herum reden: Dieses Fahrzeug ist ein Koloss, denn fünf Meter in der Länge und 1,98 Meter in der Breite sprechen eine deutliche Sprache. Samt Außenspiegel sind es sogar 2,25 Meter. Dies dient jedoch nicht einem aufgeplusterten Erscheinungsbild, sondern soll ein klares Ziel erfüllen, nämlich bis zu sieben Personen befördern zu können oder aber eine Menge Transportgut durch die Lande zu karren. Am wuchtigsten wirkt das Hyundai-E-Flaggschiff am hochaufragenden Bug, die Lichtgrafik mit quadratischen Leuchtdioden verstärkt den Kasteneindruck. Wer sich häufiger auf engem Parkraum tummeln muss, legt sich besser ein Gelassenheitskostüm zu, auch hier zeigen sich alltägliche Grenzen in der Länge und Breite; jawohl, auch die großen Türen benötigen zum Öffnen vor allem eines: Platz. Dafür kommt der 1,79 Meter in die Höhe ragende Koreaner ungestreift locker in nahezu alle Parkhäuser. Eins muss man den Designern echt lassen: Sie haben konsequent gearbeitet. Das Kastensystem wurde bis zu den versenkbaren Tür-Bügelgriffen durchgezogen, die keine feingliedrigen Schlaufen verkörpern – im Gegenteil, hier können bullige Pranken beherzt zugreifen. Das passt zum Wagencharakter und ist nicht respektlos gemeint.      

Wie fühlt man sich in dem Auto? Erhöhte Sitzposition, ein leicht gebogener und in zwei Monitore unterteilter Bildschirm neigt sich dem Menschen am Steuer zu. Zudem zeugen erstaunlich viele Schalter sowie eine breite Mittelkonsole von einer wunderbar übersichtlichen Zentrale zum Schalten und Walten. Wer sich da nicht wohl und geborgen fühlt, kann es jedenfalls nicht auf das Raumkonzept schieben. In der zweiten Reihe gibt es viel Platz für individuelle Vorlieben. Denn die Dreierbank lässt sich im Verhältnis 1:2 verschieben, die Lehnen kann man neigen oder ganz umklappen – übrigens ist dies auch vom Gepäckraum aus zu dirigieren.

Diese Flexibilität erstaunt nicht, ist gewissermaßen naturgemäß erforderlich, weil es ja noch eine dritte Sitzreihe mit zwei weiteren Plätzen gibt. Daher muss der Durchstieg nach hinten möglich sein, wozu die Sitze in Reihe 2 möglichst weit nach vorne bugsiert werden. Dann ist es relativ bequem, nach ganz hinten zu gelangen. Dort befinden sich die beiden faltbaren Einzelplätze, deren Sitzflächen sich nahe am Fahrzeugboden befinden. Das bedeutet, dass man seine Gehwerkzuge je nach Länge derselben recht angewinkelt platzieren muss. Für kürzere Strecken ist dies kein Problem, auf längeren Touren ist zu hoffen, dass dort idealerweise Kinder oder Kurzbeinige untergebracht sind.

Erstaunlich: Bei voller Besetzung zu Siebt gibt es immerhin noch 338 Liter fürs Gepäck. Ist man zu Fünft mit eingeklappten Plätzen sechs und sieben unterwegs, steht das Ladeabteil mit eindrucksvollen 908 Litern zur Verfügung. Sofern mal ein Umzug oder ähnliches ansteht, kann der Ioniq 9 bei komplett umgeklappten Passagierplätzen bis zu 2,4 Kubikmeter aufnehmen. Da sind dann selbst Waschmaschine und eine zerlegte Schrankwand problemlos zu transportieren. Alles in allem fühlt man sich im Cockpit wie in einem Mittelklassewagen, beim Rangieren spürt man dann schnell die Begrenztheit des Rundumblicks und eines Wendekreises von 12,5 Metern.        

Welchen Antrieb hat das Auto? Wir haben uns für die Einstiegsmotorisierung entschieden: Der heckgetriebene Stromer hat damit 218 PS/160 kW an Bord und kann wegen des ab der ersten Umdrehung anliegenden Drehmoments von 350 Newtonmeter mit Schmackes in Bewegung gesetzt werden. Gemäß der Erkenntnis, dass es aus Gründen der Umwelt- und Reichweitenschonung jedenfalls sinnvoller ist, einen gemäßigteren Schub anzuweisen, können sensible Lotsen durchaus wahrnehmen, dass sie einen schweren Zweieinhalbtonner durch die Gegend kutschieren – das kann sich bei entsprechender Beladung schnell auf drei Tonnen addieren! Aufgrund des hohen Leergewichts hat man keineswegs den Eindruck, mit dem Hecktriebler übermotorisiert unterwegs zu sein. Ein bisschen fühlt es sich in Bewegung an wie auf einer Schiffsbrücke – mit Bedacht sind die Fahrmanöver für alle Beteiligten komfortabel erlebbar. Zumindest ein Quäntchen Verwunderung löste das leichte Zittern des Lenkrads ab Tempo 120 aus.   

Beim Laden der 110-kWh-Batterie vergehen am 350 kW-Schnelllader laut Werksangaben 24 Minuten von zehn bis 80 Prozent. Wie bei der Konzernschwester Kia hat die 800-Volt-Technologie bei den neuen Modellen Einzug gehalten. Unsere Ladeerfahrungen zeigten durchweg flinke Vorgänge, wobei in voll besuchten Ladeparks der E-Saft etwas dezimiert durch die Leitungen geflossen ist. 

Der Durchschnittsverbrauch pendelte sich mit zurückhaltendem Temposchub bei 19,8 kWh ein, womit wir sogar etwas besser als nach der Norm waren. Kein schlechter Wert für solch einen Koloss bei mild-sommerlichen Temperaturen. Mit anderen Worten: Im gemischten Stadt-Land-Verkehr und Autobahngeschwindigkeit um 120 km/h lassen sich gut 500 Kilometer mit einer Ladung verwirklichen. Wer das Fahrpedal streichelt, kann sogar mit reichlich 15 kWh auskommen, jedenfalls in der warmen Jahreszeit.

Was bietet einem das Auto? In einer Fahrzeugklasse, deren Preisliste ab 69.850 Euro beginnt, muss man sich über gängige Komfort- und Fahrassistenzsysteme keine grundsätzlichen Gedanken machen. Unser muskelbepackter Einstiegs-Ioniq 9 mit 218 PS/160 kW bot in der mittleren Techniq-Ausstattung für 9000 Euro mehr unter anderem folgende über die Basis hinausgehenden Merkmale: 20-Zoll-Reifen, Matrix-LED-Scheinwerfer in Pixeldesign, Head-up-Display, 360-Grad-Kamera, digitalen Fahrzeugschlüssel, Parkassistenten mit Fernbedienung und Bose-Soundsystem mit 14 Lautsprechern. Wer sich mit Allradantrieb bestücken möchte, ist ab 82.850 Euro dabei – einschließlich einer auf 307 PS/226 kW erhöhten Leistung.    

Autogramm

Hyundai Ioniq 9 2WD Techniq

Typ: SUV; Preis: 78.850 Euro; Länge: 5,06 Meter; Breite: 1,98 Meter; Höhe: 1,79 Meter; Radstand: 3,13 Meter; Leergewicht: 2549 Kilogramm; Zuladung: 631 Kilogramm; Kofferraum: 338-908-2419 Liter; Sitze: sieben; Motor: Elektromotor, Permanentmagneterregte Synchronmaschine; Leistung: 218PS/160 kW; Drehmoment: 350 Newtonmeter; Spitze: 190 km/h; 0 auf 100 km/h: 9,4 Sekunden; Batterietyp: Lithium-Ionen-Akku; Batteriekapazität: 110 Kilowattstunden (kWh); Reichweite: 620 Kilometer; Wallbox Wechselstrom 11 kW: 10 Stunden (10-100 Prozent), Ladestation Gleichstrom 350 kW: 24 Minuten (10-80 Prozent), Stromverbrauch: 19,9 kWh/100 Kilometer; CO2-Ausstoß: 59 Gramm/Kilometer (Strommix Deutschland) Testverbrauch: 19,8kWh/100 Kilometer.


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