Es ist – ein Zwilling!

Mit dem Eclipse Cross EV betritt der japanische Hersteller eine Art Neuland: Denn es ist das erste vollelektrische SUV der Marke, und es steht gewissermaßen nicht allein da, weil es einen Zwilling hat.

Von Gundel Jacobi

Porträt von Gundel Jacobi

Was ist das für ein Auto? Zunächst mal ein kleiner historischer Eclipse-Clip, denn wer noch den Mitsubishi Eclipse kennt, wird sich beim Eclipse Cross die Augen reiben: Mit dem flachen Renner, der hierzulande bis zur Jahrtausendwende verkauft wurde, hat der Eclipse Cross EV überhaupt gar nichts zu tun. Er knüpft vielmehr an das gleichnamige Auto an, das von 2018 bis 2024 für den europäischen Markt gebaut wurde. Also Schwamm drüber – und Augen auf für das batterieelektrische SUV, das dann beim zweiten Blick möglicherweise doch noch einen gewissen Wiedererkennungseffekt erzielen könnte: An der produktionstechnischen Seite des Japaners steht sein Zwilling Renault Scenic E-Tec – der Eclipse Cross EV trägt die Gene des Franzosen. Aber der viereinhalb Meter lange Mitsubishi zeigt unverkennbare Gesichtszüge seines fernöstlichen Herrn und Meisters. Unterhalb des typischen Markenzeichens mit den drei Diamanten gibt’s eine andere Schürze und anders gezeichnete Tagfahrleuchten. Auch das Heck weist eigenständige Stricheleien aus. Auf jeden Fall sieht man ihm aus allen Perspektiven an, dass er aus seiner Bulligkeit mit zahlreichen Sicken, Kanten und Leisten keinen Hehl macht.       

Wie fühlt man sich in diesem Auto? Die Dimensionen sind auch im Innenraum nicht auf Klein-Klein getrimmt, sondern lassen einen beherzt die Tür zuziehen, die Fächer der Mittelkonsole vielfältig füllen und zu guter Letzt das große Lenkrad anpacken. Ein bisschen irritierend ist allenfalls der vergleichsweise filigrane und hoch sitzende Fahrstufenhebel am Lenkrad, den man bei raschen Manövern auch mal nicht erwischt, sondern stattdessen den darunter liegenden Scheibenwischerarm betätigt. Als ungeschickt platziert und ebenfalls nicht feinfühlig zu bedienen empfanden wir zudem den zu tippenden Lautstärkeregler am rechten Rand des Hauptbildschirms. Der auch dafür verwendbare versteckte und echt uneinsehbare Stummel am Lenkrad macht es nur wenig besser. Ansonsten passt vorne das Cockpit mit Darstellung und Mischung der Wisch-und-Drück-Flächen samt Schaltern. Im Fond gibt es gemäß der SUV-Größe ordentlich Platz, die hohe Gürtellinie vermittelt den Passagieren Geborgenheit, ohne sie einzuengen. Tatsächlich würde man vom Gesamteindruck des Wagens einen etwas größeren Kofferraum erwarten, aber für gängige Transportgüter sind die Maße  alltagstauglich. Bei schweren Gegenständen wie beispielsweise Sprudelkisten ächzt man allerdings mächtig, da es vom Wuchten des Bodens bis hinauf zur 77 Zentimeter hohen Ladekante gefühlt ein viel zu weiter Weg ist. Innen geht’s 25 Zentimeter abwärts bis zum Ladeboden, was es vor allem beim Entladen richtig heftig für die Muskulatur macht. Sofern man das gesamte Fassungsvermögen benötigt und dafür die Rücklehnen der zweiten Reihe umklappt, stehen gut 1,6 Kubikmeter zur Verfügung: kein Spitzenwert, aber im Rahmen der Wettbewerber durchaus im Mittelfeld.   

Welchen Antrieb hat das Auto? Mit seinem Leergewicht von fast zwei Tonnen muss der Eclipse Cross EV erst einmal in Bewegung gebracht werden. Das gelingt dank des 218 PS/160 kW leistenden Elektromotors denkbar gut, wobei es uns öfter mal passierte, dass der Wagen nicht sanft anrollend, sondern sich zappelig mit einem Hüpfer von der Parkbremse lösen mochte. Grundsätzlich liegt der Wagen sehr kommod auf der Straße, hier zeigt sich das Gewicht ganz klar von der stabilisierenden Seite. Ein Pluspunkt ist die tendenziell straffe Fahrwerksabstimmung, die nennenswerte Fugen im Asphalt spürbar werden lässt. Das passt aber schon, wenn auch nicht alles stoisch weggebügelt wird; jedenfalls wird’s niemals schwammig. Im Stadtverkehr oder generell durch bewohntes Gebiet über Land nutzt man gerne die Schaltwippen am Lenkrad, um in den Einpedal-Modus zu kommen: Mit ein bisschen Übung lässt sich dieser stark verzögernde Fahrzustand punktgenau einsetzen, sodass man wie gewünscht allein per gezieltem Rückzug vom Fahrpedal zum Stillstand kommt – und ordentlich Bremsenergie speichert.  

Weil wir sehr wohl wissen, wie stark sich der Verbrauch ab Tempo 120 auf der Autobahn nach oben katapultiert, gehören wir zu denjenigen, die sich gerne im Rudel mit anderen 120ern fortbewegen. Mit einem durchschnittlichen Testverbrauch von 17,5 kWh auf 100 Kilometer konnten wir zufrieden sein. Der Blick ins Datenblatt verrät eine theoretische Reichweite von 615 Kilometer, an die wir nicht annähernd herangekommen sind. Der Bordcomputer zeigte im bunt gemischtem Stadt-Landverkehr nach 100-Prozent-Ladungen eine mögliche Distanz von 485 Kilometer bei sommerlichen Außentemperaturen an. Vornehmlich bedienten wir uns an Schnellladern der notwendigen Elektrizität, wo wir für die 87-kWh-Batterie von beispielsweise 30 auf 100 Prozent  rund 45 Minuten notierten.  

Was bietet einem dieses Auto? Die Eclipse Cross EV-Basis namens Diamant Plus beginnt bei 47.990 Euro. Unser Testwagen in der nächsthöheren Ausstattung Diamant Top ab 52.790 Diamant Top hält unter anderem folgende zusätzliche Merkmale bereit: 20-Zoll-Felgen, verdunkelte Scheiben ab Reihe zwei, elektrisch zu öffnende/schließende Heckklappe, Fahrprofilauswahl, Schaltwippen am Lenkrad zur Bremsenergie-Rückgewinnung, 12-Zoll-Infotainment-Bildschirm, adaptive LED-Scheinwerfer, Fernlichtassistent, 360-Grad-Kamera und Totwinkelassistent. Wem das nicht genügt, kann für 3.400 Euro mit dem Luxury-Paket noch eins draufsetzen – mit einem elektrisch dimmbaren Panoramaglasdach, Fahrersitz mit Massagefunktion, Harman-Kardon-Premium-Sound-System samt neun Lautsprechern. Am Ende der Preisliste gibt’s noch etwas Bemerkenswertes: Mitsubishi liefert im Garantiepaket automatisch fünf Jahre oder 100.000 Kilometer. Schlägt man indes bei Renault nach, sind es zwei Jahre – ohne Kilometerbegrenzung.     

Was ist uns besonders aufgefallen? Die gängigen Warnsysteme sind relativ dezent tönend unterlegt – und somit alltagstauglich. Sehr sinnvoll erweist sich jedoch ein Schalter links vom Lenkrad: Wenn man mal zu sehr genervt ist vom Tempo-Überschreitungspiepsen, genügt ein zweimaliger Druck. Dann ist Ruhe bis zum nächsten Motorstart.

Autogramm

Mitsubishi Eclipse Cross EV Diamant Top

Typ: Elektro-SUV; Preis: 52.790 Euro; Länge: 4,49 Meter; Breite: 1,91 Meter; Höhe: 1,57 Meter; Radstand: 2,78 Meter; Leergewicht: 1950 Kilogramm; Zuladung: 460 Kilogramm; Kofferraum: 545-1670 Liter; Sitze: fünf; Motor: Elektromotor, Permanentmagneterregte Synchronmaschine; Leistung: 218PS/160 kW; Drehmoment: 300 Newtonmeter; Spitze: 170 km/h; 0 auf 100 km/h: 7,9 Sekunden; Batterietyp: Lithium-Ionen-Akku; Batteriekapazität: 87 Kilowattstunden (kWh); Reichweite (WLTP): 615 Kilometer; Wallbox Wechselstrom 22 kW (0-100 Prozent): 5 Stunden, Ladestation Gleichstrom 150 kW: 37 Minuten (15-80 Prozent), Stromverbrauch (WLTP): 17,1 kWh/100 Kilometer; CO2-Ausstoß: 51 Gramm/Kilometer (Strommix Deutschland); Testverbrauch: 17,5 kWh.


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