


Der flotte Bruder des R5 Elektro
Mit durchschnittlich knapp einhundert Neuzulassungen pro Monat macht sich die Alpine A290 auf unseren Straßen 1,82 Meter breit und 3,99 Meter lang. Der muntere Elektro-Würfel (Höhe: 1,52 Meter) ist seit zwei Jahren auf dem hiesigen Markt. Uns interessierten im Test vor allem die Themen Laden und Reichweite.
Von Bernd-Wilfried Kießler
Was ist das für ein Auto? Unschwer erkennbar handelt es sich um einen aufgepeppten Bruder des Renault 5 E-Tech Elektro, von vorn auf den ersten Blick zu unterscheiden durch aufgesetztes x-förmiges Tagfahrlicht zwischen den Scheinwerfern. Die A290 GTS wird nicht im Alpine-Stammwerk Dieppe, sondern Seite an Seite mit dem R5 im nordfranzösischen Renault-Werk Douai gebaut. Die Karosserie des etwas breitgeklopften Kleinwagens mit Elektroantrieb nimmt einige Anleihen beim klassischen R5, der von 1972 bis 1996 in über neun Millionen Exemplaren verkauft wurde. Große 19-Zoll-Räder geben der Silhouette des Wagens einen besonderen Ausdruck. Rundum schützen im unteren Bereich Leisten in schwarz glänzendem Klavierlack. Was einst bei Geländewagen als Abwehr von Kratzern gedacht war und an SUVs Abenteuerlust verkörpern soll, strahlt hier eine gewisse Eleganz aus.
Wie fühlt man sich in diesem Auto? Die beiden vorderen Plätze haben guten Seitenhalt an der Sitzfläche und den wulstigen Lehnen, um zügiges Kurvenräubern zu ermöglichen. Der Blick des Fahrers fällt auf ein Cockpit mit zahlreichen Knöpfen auch am Lenkrad, wobei ein blauer der Rekuperation dient und ein roter der Raserei – letzterer mit der Wirkung, dass man sehenden Auges beobachten kann, wie die Reichweite heruntergezählt wird. Da Letztere ohnehin nur bedingt langstreckentauglich ist, wird man sich diesen Scherz nur selten gönnen, um nicht noch schneller nach der nächsten Ladesäule Ausschau halten zu müssen. Im Gegensatz zu anderen Renaults ist der Bildschirm in der Mitte nicht hochkant angeordnet. Es wird nicht wie bei vielen E-Autos aus dem Reich der Mitte auf Tippen und Wischen gesetzt, um wesentliche Funktionen zu steuern. So sind etwa die Hebel für die Fensterheber ganz praktisch nach Altväter Art in den Türen angeordnet, wo sie ergonomisch hingehören.
Die Innenraumgestalter haben der Versuchung widerstanden, die Fahrleistungen durch die Farbe Schwarz zum Ausdruck zu bringen und haben sich für eine geschmackvolle Mischung aus einer Art Karbonmuster, metallenen Leisten und Verkleidungen an den Türen und der Armaturentafel aus vernähtem Kunstleder entschieden. Die Sitze sind mit echtem Nappaleder in Taubenblau und Altweiß bezogen. Zwei dunkle Punkte gibt es: Handgriffe oberhalb der Fenster im Dach wurden eingespart, und die Hebel zum Öffnen der Türen sind Schwarz auf Schwarz gefärbt. Folge: Schon in dunklen Tiefgaragen und bei Nacht sowieso muss man länger danach tasten, statt gezielt zugreifen zu können.
Was für einen Antrieb hat das Auto? Mit 218 Pferdestärken fehlt es nicht an Leistung, um das Auto flott voranzubringen, das leer etwas mehr als anderthalb Tonnen wiegt. 300 Newtonmeter Drehmoment vom ersten Druck auf das Fahrpedal tun das Ihre, den Ruf der Marke Alpine lebendig zu halten: Binnen 6,4 Sekunden ist man auf Tempo 100. Dass bei 170 km/h abgeregelt wird, ist für ein E-Auto vergleichsweise spät. Denn Tempo kostet Reichweite – das ist übrigens bei Otto- und Dieselmotoren nicht anders. Nur ist ein Akku mit gleichem Energievorrat deutlich schwerer als ein voller Tank mit flüssigem Brennstoff und teuer dazu, weshalb es immer eine Frage der Abwägung ist.

Die 385 Kilometer WLTP-Reichweite wird man im Alltag auf rund 280 Kilometer herunterschrauben müssen – sogar dann, wenn man sich einer gemäßigten Fahrweise befleißigt. Allerdings rekuperiert der Alpine-Antriebsstrang eifrig und gewinnt bei einfühlsamer Behandlung des Fahrpedals und auf Gefällstrecken spürbar Energie zurück. Das können im Schnitt zwei bis vier Kilowattstunden auf 100 Kilometer sein. Die Fahrwerksentwickler haben Dämpfung und Federung nach dem Wahlspruch abgestimmt: Gelobt sei, was hart macht. Rote Bremssättel signalisieren, dass hier ein kleiner Renner zum Stehen gebracht werden soll.
Was bietet dieses Auto? Die mittlerweile zwei Jahre alte Alpine A290 GTS ist auf der Höhe der Zeit, etwa mit einer induktiven Ladefläche fürs Smartphone oder einer Heizung fürs Lenkrad. Viele Funktionen können per Sprachsteuerung bedient werden. Der Alpine Telemetrics Expert erinnert an die Zeiten, da Alpine auf Renn- und Rallyestrecken unterwegs war, ist im Alltagsverkehr aber ohne Nutzen. Ein schwarzes Dach kostet 900 Euro Aufpreis, und wer als Franzose Nationalstolz und als Deutscher seine Liebe zum westlichen Nachbarland zeigen möchte, dem werden zwei kleine Trikoloren zum Preis von 100 Euro an die Dachkante oberhalb der hinteren Säule geklebt.
Was werden wir nicht vergessen? Statt eines klassischen Zündschlüssels wird die Alpine A290 GTS mit einer etwas aufgeplusterten Funk-Karte geliefert, die man getrost immer in der Tasche lassen kann. Sie öffnet bei Annäherung die Türschlösser und schließt sie auch wieder, wenn man sich entfernt. Dabei lässt sie das Auto einen merkwürdigen knurrenden Stöhnlaut von sich geben. Was sich die Klanggestalter dabei wohl gedacht haben?
Autogramm
Alpine A290 GTS
Typ: Kleinwagen; Preis: 45.000 Euro; Länge: 3,99 Meter; Breite: 1,82 Meter; Höhe: 1,52 Meter; Radstand: 2,53 Meter; Leergewicht: 1554 Kilogramm; Zuladung: 396 Kilogramm; Kofferraum: 326/1106 Liter; Anhängelast: 500 Kilogramm; Sitze: 4+1; Batterie: Lithium-Ionen; Batteriekapazität: 52 Kilowattstunden; Leistung: 218 PS/160 kW; Drehmoment: 300 Newtonmeter; Getriebe: Eingang-Automatik; Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 6,4 Sekunden; Spitze: 170 km/h (abgeregelt); Reichweite (WLTP): 364 Kilometer; Normverbrauch (WLTP): 15,3 Kilowattstunden; Testverbrauch: 18,3 kWh.


