


Da passt richtig was rein
Der Qubo L ist ein waschechter Hochdachkombi aus dem Stellantis-Stall. Es gibt ihn in zwei Längen, er bietet eine für heutige Verhältnisse erstaunliche Antriebsvielfalt – Benziner, Diesel oder Elektro. Das allseits überzeugende Argument liegt aber anderswo.
Von Gundel Jacobi
Längenspiel mit italienischen Regeln. Jaja, der Stellantis-Stall: Auch wenn der Qubo L nun namenstechnisch ziemlich neu firmiert, bleibt’s dabei, dass er als Doblò-Ableitung mit seinen Konzern-Brüdern und –Schwestern Citroen Berlingo, Opel Combo und Peugeot Rifter um Aufmerksamkeit buhlt. Obendrein trippelt Kooperationsvetter Proace City Verso in Toyota-Verkleidung als enger Verwandter ebenfalls auf dem ungebrochen beliebten Hochdachkombi-Laufsteg.
Den Qubo L gibt es in zwei Längen – als Fünfsitzer misst er 4,41 Meter, und als Siebensitzer streckt er sich auf 4,76 Meter. Da läge es nahe, ihn im einen Fall als Qubo L und als längere Variante mit dem Zusatz XL zu benennen. Aber Fiat bleibt da scheinbar unkompliziert: Es ist grundsätzlich ein Qubo L, die Unterscheidung wird einzig mit der Zuordnung Fünfsitzer oder Siebensitzer ausgedrückt. Um es gleich mal vorweg zu nehmen: Die Wahl zwischen fünf oder sieben Sitzen kann man für die Benziner- oder Diesel-Version treffen, mit Elektro-Antrieb steht einzig der kürzere Fünfsitzer zur Verfügung.
Schier unendlich innere Weiten. Im Cockpit fällt sofort die extrem wuchtige Mittelkonsole zwischen Fahrer und Beifahrer auf – das rechte Fahrerbein hat damit eine Stütze, befindet sich aber auch bei kleinsten Bewegungen sofort auf Tuchfühlung mit dem Kunststoffklotz. Natürlich steht bei einem Hochdachkombi vor allem der praktische Nutzen im Vordergrund. Das merkt man dem Qubo L auf den ersten Blick an. Wir waren in der höchsten La Prima-Ausstattung auf Testfahrt: Schnickschnack Fehlanzeige – der Wagen steht zu seinen vorteilhaft glatten Flächen zum Reinigen ohne schmeichelnde Materialien oder Muster. Schier unschlagbar ist er mit seinen Ablagen und Fächern. Da unterscheidet er sich von der Nutzfahrzeugversion nur noch durch solche Feinheiten wie ein zusätzliches Fach entlang der Dachlinie, das beim Qubo L nicht vorhanden ist. Die Konnektivität funktioniert soweit tadellos, manchmal in der Menü-Denkerei etwas umständlich, aber da tickt wohl jeder ein bisschen anders in seinen Erwartungen.
Ins Schwärmen geraten die meisten angesichts der enormen Transportkapazität, was zum allseits akzeptierten Verkaufsargument führt. Denn was im Pkw-Bereich in der Regel auch nicht annähernd in Frage kommt, meistert der Qubo L spielend: Der Fünfsitzer punktet mit 1355 Liter im Kofferraum, dies erreichen manche Autos nicht mal im Maximalwert, wohingegen der raumgreifende Fiat bei komplett umgeklappten Sitzen dachhoch bis zu 3000 Liter aufnehmen kann. Der Siebensitzer triumphiert noch ein bisschen mehr: 1900 bis 3500 Liter. Die Liste für wettersensible mobile Haus-, Hof- und Gartengüter schlägt somit die meisten Alternativen. Schlussendlich liegt die verlockende Flexibilität in der Wahl zwischen Mensch oder Material – wer bis zu sieben Personen in einem gerade mal 4,76 Meter langen Fahrzeug an Bord nehmen möchte: bittesehr! Um auf die hintersten zwei Plätze zu gelangen, muss man eben noch ein bisschen gelenkig die umgeklappte Lehne des äußeren Fondsitzes überwinden, wenn auch nicht zwangsläufig überspringen. Aber klar: So etwas nimmt in der Großfamilie wohl nicht unbedingt die Senioren-Generation in Angriff.

Aller guten Dinge sind Drei – Antriebe. Da gibt’s eine hübsche Auswahl, die heutzutage gar nicht mehr selbstverständlich ist: Benziner, Diesel und Elektro. Welches Schweinderl hätten S’ denn gern? Als Einstiegsversion gilt der fünfsitzige 1,2-Liter-Dreizylinder mit 110 PS/81 kW aus dem Hause Otto mit sechs handgeschalteten Gängen. Er steht ab 24.490 Euro in der Preisliste. Zwei Plätze mehr kosten 1500 Euro. Sein Normverbrauch wird mit 6,3 Liter/100 km (CO2-Ausstoß: 143 g/km) angegeben. Für einen ersten Fahreindruck stand er uns nicht zur Verfügung.
Der zweite Antrieb besteht aus einem 102 PS/75 kW leistenden 1,5-Liter-Diesel samt Sechsgang-Sschaltung ab 25.490 Euro. Auch hier gilt: Zwei Sitze mehr schlagen mit 1500 Euro zu Buche. Sein Normverbrauchswert liegt bei 5,5 Liter Diesel pro 100 km (CO2-Ausstoß: 144 g/km). Wir konnten für die Ausfahrt einzig den 1,5-Liter-Selbstzünder mit 130 PS/96 kW bewegen, der grundsätzlich mit Achtstufen-Automatik angeboten wird. In der Basisausstattung steht er ab 27.490 Euro beim Händler. Er hat einen munteren Motor, der gut mit seinem Automatikgetriebe harmoniert. Der Selbstzünder ist bei moderater Fahrweise nicht wirklich knurrig, wenngleich man ihm seine Arbeitsweise durchaus anhört. Wir haben es auch über Land als rundum entspannend empfunden, bei rasch anberaumten Beschleunigungsvorgängen und oberhalb von Tempo 120 wird es für ihn durchaus geräuschlich lebhafter. Das dürfte sich noch einen Tick verstärken bei entsprechender Ladung oder mit vollbesetztem Gestühl. Als Normverbrauch sind 5,7 Liter Diesel ausgewiesen (CO2-Ausstoß: 171 g/km). Das haben wir nicht erreichen können, immerhin vermeldete der Bordcomputer nach der Testfahrt 6,9 Liter.
Die dritte Variante: Wer sich für den Elektro-Qubo L entscheidet, erhält stets den Fünfsitzer mit 136 PS/100 kW zu Preisen ab 35.490 Euro. Mit seiner 50-kWh-Batterie wird eine Reichweite bis zu 340 Kilometer und der Stromverbrauch unter Idealbedingungen mit 18,0 kW/100 km (CO2-Ausstoß: 56 g/km) angegeben.
Zeitgemäßer Praktiker im Alltag. Mit einem Hochraumkombi sind alle diejenigen gut beraten, die in erster Linie auf eine vorzügliche Raumausnutzung bei entsprechend kompakten Abmessungen achten. Allerdings fährt man mit einer gewissen Höhe eine mehr oder weniger wuchtige Schrankwand durch die Gegend. Schmal kann man den italienischen Kasten auch nicht nennen: 1,92 Meter mit eingeklappten Außenspiegeln und 2,11 Meter im normalen Fahrbetrieb fordern eine gewisse Aufmerksamkeit bei engen Durchfahrten sowie in Parkhäusern und Tiefgaragen angesichts der dortigen Lücken.
Fiat bietet in seinen drei Antriebsarten und zwei Längen (außer beim Stromer) eine ordentliche Vielfalt. Immer wieder ein Pluspunkt sind die beiden Schiebetüren in Reihe 2 sowie die sensationell niedrige Ladekante in Höhe von nur 53 Zentimetern. Auch wenn der Qubo L vom Nutzfahrzeug Doblò abgeleitet wurde: Eine zeitgemäße Pkw-Federung und drei Ausstattungsvarianten mit allerlei elektronischen Helfern geben dem Praktiker die notwendige Basis für sorgloses Vorankommen mit einer Portion komfortabler Individualität. Erschwinglich ist er auch.
Autogramm
Fiat Qubo L 1.2 Pop
Typ: Hochdachkombi; Preis: 24.490 Euro; Länge: 4,41 Meter; Breite: 1,92 Meter; Höhe: 1,78 Meter; Radstand: 2,79 Meter; Leergewicht: 1401 Kilogramm; Zuladung: 649 Kilogramm; Kofferraum: 1355-3000 Liter; Sitze: fünf; Motor: Otto-Dreizylinder; Hubraum: 1199 Kubikzentimeter; Leistung: 110 PS/81 kW bei 5500 U/min; Drehmoment: 205 Newtonmeter bei 1750 U/min; Getriebe: Sechsgang-Schaltung; Spitze: 179 km/h; 0 auf 100 km/h: 11,6 Sekunden; Normverbrauch: 6,3 Liter Super, CO2-Ausstoß: 143 Gramm/km.


(Foto: gj)
