


Flottes Heck und rätselhafter Name
Wir haben diesmal ein vollelektrisches SUV-Coupé von Toyota im Test – einer Marke, die als Erfinder des Hybridantriebs gilt und lange zögerte, den Antrieb allein dem Strom aus dem Akku an Bord zu überlassen. Aber wenn schon, denn schon, mögen sie sich in Japan gedacht haben: Unser C-HR+-Testwagen hatte gleich zwei E-Antriebsmotoren an Bord.
Von Bernd-Wilfried Kießler
Was ist das für ein Auto? Zunächst gilt es, die geheimnisvolle Abkürzung C-HR+ zu entschlüsseln: C steht für Coupé, HR für High Riding, was auf Deutsch bedeutet, dass man etwas höher sitzt beziehungsweise fährt, und das Pluszeichen kennzeichnet den vollelektrischen Antrieb. Denn es gibt den C-HR auch als Hybrid und als Plug-in-Hybrid in einem Preiskorridor zwischen 33.990 und 44.690 Euro. Der Vollelektriker ist ab 41.990 Euro mit Frontantrieb und 57,7-kWh-Akku zu haben. Das schaukelt sich bei unserem Testwagen mit 72-kWh-Batterie, Allradantrieb und in bester Lounge-Ausstattung auf 53.990 Euro hoch.
Längenmäßig tritt dieses SUV-Coupé in der hart umkämpften Viereinhalb-Meter-Klasse an. Die großen 20-Zoll-Räder haben zwei Funktionen: Sie lassen die Karosserie etwas schlanker und damit coupéartiger erscheinen, und sie rücken die Dachlinie auf eine Höhe von 1,50 Meter, was den Einstieg erleichtert. Keinen Zweifel an dem großen C in der Typbezeichnung lässt das flotte Schrägheck, das um des Praxisnutzens willen eine große Gepäckraumklappe hat. Dem gleichen Sinn dienen die beiden Türen für die drei Hinterbänkler – keine ursprüngliche Coupé-Idee, sondern eine Entwicklung der jüngeren Automobilgeschichte.

Wie fühlt man sich in diesem Auto? Es war nur eine Frage der Zeit, bis ein anderer Automobilhersteller das i-Cockpit nach Peugeot-Muster einbaut – nämlich die wesentlichen Informationen über einem vergleichsweise kleinen Lenkrad anzuzeigen, ohne sie auf ein Head-up-Display auf die Windschutzscheibe zu spiegeln. Es ist keine Schande, gute Ideen aufzugreifen – nun hat das nach der Stellantis-Konzernschwester Citroen, die diese Instrumentenanordnung sehr subtil nachempfindet, auch Toyota seit Ende vergangenen Jahres im C-HR getan.
Die Armaturentafel ist mit einem Stoff bezogen, der auf den ersten Blick wie geriffelter Gummi wirkt und sich bei näherem Hinsehen als feinstes Gewebe entpuppt. Als Farbgebung herrscht grau vor, allerdings in verschiedenen Tönen, was eine gewisse Eleganz ausstrahlt. Natürlich gibt es einen größeren Bildschirm in der Mitte, auf dem manches abgerufen und auch bedient werden kann. Aber wesentliche Funktionen sind an Schalter verlegt, auch am Lenkrad und an den Türinnenseiten – alles in allem ganz praktisch.
Welchen Antrieb hat das Auto? Wie eingangs kurz erwähnt: Zwei E-Motoren machen dieses Auto zum Allradler – einer leistet vorn 185 PS/136 kW, der andere hinten 158 PS/116 kW. Damit kommt dieser Coupé-Verschnitt mit seinen mehr als zwei Tonnen Leergewicht binnen 5,2 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Angesichts dessen konnten sie’s sich bei Toyota nicht verkneifen, erst bei einer Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h abzuregeln. Wer in diesem Bereich des Öfteren auch nur annähernd unterwegs ist, wird sich die WLTP-Reichweite von über 500 Kilometern natürlich abschminken müssen, ebenso den Normverbrauch von 15,5 kWh auf 100 Kilometern. Den haben wir beinahe erreicht und nur um 0,2 kWh überboten – eine Seltenheit. Denn die WLTP-Werte liegen sowohl bei Elektro- als auch bei Verbrennungsmotoren meist in den Grenzen eines fernen Märchenlandes und haben mit dem Alltagsverbrauch nur wenig zu tun.
Was bietet einem dieses Auto? Die Zweifarblackierung ist in der Lounge-Ausstattung im Preis inbegriffen. Ganz praktischen Nutzen hat die Wärmepumpe an Bord, da sie bei Heizung und Kühlung die eingesetzte Energie um etwa das Vierfache steigert und somit mehr Strom für größere Reichweite übrigbleibt. Weil das Auto aufgrund seiner Heckgestaltung nach hinten nicht sonderlich übersichtlich ist, kann die Rundumsichtkamera dieses Manko beim Rangieren etwas ausgleichen. Da haben sie sich bei Toyota etwas Neues ausgedacht: Die Kamera schwenkt erst in überschaubarem Tempo einmal in allen Richtungen rund ums Auto, um dann nach oben zu fahren und eine Draufsicht zu bieten. Ansonsten sind zahlreiche elektronische Fahr- und Sicherheitshilfen eingebaut, dazu der gute alte Airbag in achtfacher Ausfertigung.
In der zweiten Reihe gibt es ordentlich Beinfreiheit; auch die Häupter können trotz des abfallenden Dachs frei erhoben werden. Den Boden des Kofferraums, unter dem noch ein respektables Staufach mitfährt, maßen wir in 76 Zentimeter Höhe über der Fahrbahn. Klappt man die hinteren Lehnen nach vorn, entsteht weder eine ebene Fläche noch eine Stufe – es gibt einen sanften Anstieg.
Für welche Strecken eignet sich das Auto? Trotz Allradantrieb, großer 20-Zoll-Räder und etwas SUV-Beiwerk ist der C-HR+ kein Geländewagen. Aber wenn es gilt, auf einem engen Sträßchen zu wenden und dabei die feuchte Wiese am Rande des Asphalts zu nutzen, hat man ein zuversichtliches Gefühl, wieder festen Grund zu erreichen. Auf dem waren wir mehrheitlich unterwegs und haben dabei auch die Langstreckentauglichkeit getestet. Sie fängt bekanntlich bei den Sitzen an – auch nach rund sechs Stunden auf Tour zwickte nichts im Rücken. Auch die Fahrwerksabstimmung ist ein gelungener Kompromiss zwischen sanft und straff: Wir haben sie als unauffällig empfunden.
Mit der Reichweite von gut 400 Kilometer im Praxisbetrieb waren wir einigermaßen zufrieden. Naja, das ist nicht reichlich und war vor allem mit Reisegeschwindigkeiten um 110 km/h zu erreichen. Was uns beim Schnellladen gut gefallen hat: Es gibt kein Gefummel an der Ladebuchse mit der weithin gummiartigen unteren Abdeckung. Toyota hat hier eine leicht zu bedienende feste Klappe montiert. Auch schön: Je nachdem, welches Fahrprogramm man gewählt hat – es bleibt auch nach dem nächsten Motorstart eingestellt. Wir fuhren meist mit Eco, was den C-HR+ keinesfalls zu Schmittchen Schleicher machte. Das ist wirklich ein Problem weniger bei einem Stromer, da sein Drehmoment sofort und dadurch absolut alltagstauglich abrufbar ist.
Autogramm
Toyota C-HR+ 4WD Lounge
Typ: SUV-Coupé; Preis: 53.990 Euro; Länge: 4,53 Meter; 1,87 Breite: 1,87 Meter; Höhe: 1,60 Meter; Radstand: 2,75 Meter; Leergewicht: 2085 Kilogramm; Zuladung: 475 Kilogramm; Kofferraum: 417/1.207 Liter; Sitze: fünf; Antrieb: zwei Elektromotoren, Permanentmagneterregte Synchronmaschinen; Leistung vorn: 185PS/136 kW; Leistung hinten: 158/116 kW; Gesamt-Drehmoment: 338 Newtonmeter; Spitze: 180 km/h; 0 auf 100 km/h: 5,2 Sekunden; Batterietyp: Lithium-Ionen-Akku; Batteriekapazität: 72 Kilowattstunden (kWh); Reichweite (WLTP): 507 Kilometer; Wallbox Wechselstrom 11 kW: zirka 7 Stunden (100 %), Ladestation Gleichstrom 150 kW: 28 Minuten (10-80 %), Stromverbrauch (WLTP): 15,5 kWh/100 Kilometer; CO2-Ausstoß: 53,3 Gramm/Kilometer (Strommix Deutschland); Testverbrauch: 15,7 kWh.


