


Strom wird automatisch erzeugt
Mit einer leichten Modellpflege frischt Toyota seinen europäischen Bestseller auf. Bei kompakten Abmessungen und einzig in Vollhybridversionen erhältlich, kann die Kundschaft zwischen 116 und 130 PS sowie Front- und Allradantrieb wählen. Die Preisliste beginnt bei 27.640 Euro.
Von Gundel Jacobi
Kosmetik für den Bestseller. Toyota hat ein Herz für unterschiedliche Pkw-Antriebskonzepte, genauer: Komplette Stromer, Plug-in-Hybride und Vollhybride bilden die derzeitige Palette von 20 Baureihen – davon haben sieben Modelle einen kombinierten Benziner-Elektromotor-Antrieb in Form eines Vollhybriden – also ohne Möglichkeit zum Einstöpseln an die Steckdose – an Bord. Eines davon ist der Yaris Cross, der sich mit einer Außenlänge von 4,17 Meter an der Grenze zwischen Mini-SUV und Kompakt-SUV befindet. Er gehört aktuell zu Toyotas so genannten Brot-und Butter-Autos und steht in Europa ganz oben auf dem hausinternen Siegertreppchen der Verkäufe.
Um weiterhin die Aufmerksamkeit der Käuferschaft in diesem Segment zu erlangen, haben die Designer die Bugpartie gründlich überarbeitet und für eine verblüffende Auffrischung gesorgt. Dabei ließen sie sich nicht von der trendigen Mode der zusammengekniffenen Leuchtgruppen hinreißen, sondern ganz im Gegenteil: Die ehemals ausgelagerten Tagfahrlichter haben nun Platz unter der Hauptscheinwerferabdeckung, der Kühlergrill hat sich wabenförmig ausgebreitet und ist zudem in Wagenfarbe lackiert. Ein Stockwerk tiefer betont die breite Kunststoffummantelung den robusten Charakter; dazu mögen die leicht veränderten Seitenschweller ebenfalls beitragen. Somit dürfte der Yaris Cross, der technisch eng verwandt mit dem namensgebenden Kleinwagen Yaris ist, äußerlich aufgepeppt ins nächste Modelljahr durchstarten – zumal noch zwei weitere Außenfarben in Bronze und Grau die Wahl für individuelle Vorlieben vervollständigen sollen.
Aufgewertete Sitze im Teamplayer. Im Inneren gibt es neben den üblichen Veränderungen einer Modellpflege an Türinnenverkleidungen und zusätzlicher Akzente entlang der Armaturentafel ab der mittleren Teamplayer- Ausstattung neue Sitze. Sie bieten komfortablere Sitzflächen sowie besseren Seitenhalt und dürften auf große Zustimmung stoßen, da die Yaris Cross-Mehrheit zu eben dieser Linie greift. Wie gehabt, fühlen sich alle diejenigen wohl, die zusätzlich zum berührungsempfindlichen Bildschirm gerne mit Knöpfen und Schaltern im Cockpit hantieren – auch wenn die Knopfgrößen etwas klein geraten sind. Weiterhin werden die Fahrtrichtungen mittels großem Knüppel auf der Mittelkonsole gewechselt, was nicht schadet, aber doch etwas altmodisch wirkt. Sofern der Mensch am Steuer seinen Sitz nicht ganz nach hinten gerückt hat, hat man in der zweiten Reihe außen ordentlich Platz. Nach oben ist es gar kein Problem. Verschieben lässt sich die Rückbank nicht, dahinter ist ein 397 Liter fassender Kofferraum, der sich durch nahezu flaches Umlegen der Fondrücklehnen auf gut einen Kubikmeter erweitern lässt. Die Ladekante liegt mit 71 Zentimetern gerade noch akzeptabel über der Fahrbahn.

Vollhybridantrieb schmälert Kraftstoffverbrauch. Aus unterschiedlichen Gründen kommt für einige Neuwagenkäufer ein batterieelektrisches Modell nicht in Frage. Somit rückt die Gruppe der Vollhybriden in den Vordergrund, der ohne Steckdose für eine gewisse Stromzufuhr sorgt und dadurch den Benzinverbrauch schmälern hilft. Hier kann sich der Basis-Yaris Cross mit einem kombinierten WLTP-Verbrauch von 4,4 Liter Benzin durchaus sehen lassen. Das Antriebskonzept ist denkbar einfach und längst als sinnvoll anerkannt, da er Bremsenergie in Vortrieb verwandelt. Der kleine Japaner hat zusätzlich zum dezent-kernig klingenden 92 PS/68 kW starken 1,5-Liter-Otto-Dreizylinder entweder einen 80 PS/59 kW oder den stärkeren 84 PS/62 kW leistenden Elektromotor an der Vorderachse. Letzterer weist eine Systemleistung von 130 PS/96 kW aus, mit dem man ganz gut versorgt ist, wie wir auf einer gemischten Testtour feststellen konnten.
Während der Fahrt wird nach hybrider Vorgabe beim Bremsen und im Schub Strom gewonnen. Der Speicher füllt sich quasi automatisch und hilft, Leistungsspitzen zu unterstützen. Die Fahrstufe B wirkt wie eine Motorbremse; mit ihr lässt sich besonders stark Energie rückgewinnen, was vor allem während namhafter Gefällstrecken angeraten ist. Ansonsten lohnt es sich im Alltag, das Eco-Fahrprogramm zu wählen, um höchstmögliche Strommengen zu speichern. Clever ist es von den Toyota-Ingenieuren, dass nach dem Motorstart der zuletzt eingestellte Fahrmodus wieder arbeitet – und man nicht automatisch jedes Mal im Normalprogramm beginnt. Klar ist aber auch, dass der Yaris Cross allein mit Strom meist nur kurzzeitig am Stück unterwegs ist. Dies summiert sich jedoch ganz eindrücklich: Ungefragt gibt der Bordcomputer auch über die elektrisch gefahrene Strecke Auskunft, im vorliegenden Fall waren dies nach über 100 Kilometer Gesamtstrecke erstaunliche 60 Prozent. Außerdem wurde nach der Testrunde im gemischten Stadt-Landverkehr mit nur kurzer Autobahnstrecke ein durchschnittlicher Verbrauch von 4,7 Liter gemeldet – wohlgemerkt beim stärkeren Motoren-Duo, für das ein WLTP-Verbrauch zwischen 4,4 und 4,8 Liter dokumentiert wird.
Wenn man etwas bemängeln oder zumindest herausstellen möchte, dann dies: Das stufenlose Automatikgetriebe macht seine Sache ganz gut, das Zusammenspiel von Benziner und Elektromotor möglichst fließend ablaufen zu lassen. Auffällig wird indes das Gesamtsystem bei kräftiger Beschleunigung, weil dann die Geräuschentwicklung des Dreizylinders massiv zunimmt. Positiv ausgedrückt: Man fährt ganz intuitiv immer etwas zurückhaltend, wenn einen die anschwellende Lärmkulisse nervt.
Im Stadtgebiet sind 3,5 Liter möglich. Damit keine überzogenen Hoffnungen aufkeimen: Der Yaris Cross kann nicht zaubern und ist auch kein Billigheimer. Zeitgemäß sorgt der kombinierte Benziner-Elektroantrieb dafür, dass keine Brems- oder Schubenergie verloren geht, sondern gerade in Ballungsgebieten immer wieder automatisch ins Antriebskonzept eingespeist wird. Auf diese Weise kann man in städtischer Umgebung durchaus mit durchschnittlich dreieinhalb Liter Super auskommen. Insgesamt hat Toyota bei der Modellpflege Maß gehalten und bietet salopp gesagt über die Ausstattungen mehr Serienausstattung bei gleichbleibenden Preisen. Damit geht’s für den frontgetriebenen Yaris Cross als Einstiegsmodell ab 27.640 Euro los – der bereits erwähnte und besonders beliebte stärkere Teamplayer-Cross startet ab 30.590 Euro. Hier gibts unter anderem Merkmale wie 17-Zoll-Felgen, Mulimedia-System mit 10,5-Zoll-Bildschirm samt Rückfahrkamera, Parkpiepser vorn und hinten, Ambientebeleuchtung, kabellose Mobiltelefon-Ladeschale sowie verdunkelte Seitenscheiben ab der zweiten Reihe.
Besonders zu erwähnen ist, dass man beim Yaris Cross zwischen einem Antrieb auf die Vorderachse oder einem Allradantrieb wählen kann – keinesfalls üblich in dieser Wagenklasse! Wer also einen Allradantrieb mit einem zweiten E-Motor an der Hinterachse bevorzugt, ist ab 33.690 Euro dabei, wählbar ab der Teamplayer-Version.
Autogramm
Toyota Yaris Cross Pure
Typ: Kompakt-SUV; Preis: 27.640 Euro; Länge: 4,17 Meter; Breite: 1,77 Meter; Höhe: 1,60 Meter; Radstand: 2,56 Meter; Leergewicht: 1190 Kilogramm; Zuladung: 500 Kilogramm; Kofferraum: 397-1097 Liter; Sitze: fünf; Motor: Otto-Dreizylinder; Hubraum: 1490 Kubikzentimeter; Leistung: 92 PS/68 kW; Elektromotor: 80 PS/59 kW; Drehmoment: 120 Newtonmeter bei 3600 U/min; Getriebe: Stufenlose CVT-Automatik; Spitze: 170 km/h; 0 auf 100 km/h: 11,2 Sekunden; Normverbrauch: 4,4 Liter Super, CO2-Ausstoß: 101 Gramm/km.


